Legasthenie und Dyskalkulie: Verbände fordern bundesweite Schulstandards
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 18:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zum zehnjährigen Jubiläum des Tags der Legasthenie und Dyskalkulie am 30. September 2026 fordern die Deutsche Kinderhilfe und der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) mehr politische Verantwortung für die Chancengleichheit betroffener Kinder und Jugendlicher.
Der Aktionstag wird seit zehn Jahren gemeinsam von der Ständigen Kindervertretung der Deutschen Kinderhilfe und dem BVL ausgerichtet. Anlässlich des Jubiläums veröffentlichen beide Organisationen zudem einen gemeinsamen Podcast, um über die Herausforderungen im Bildungssystem aufzuklären.
Neurobiologische Ursachen und Bedeutung früher Hilfen
Fachlich weisen die Deutsche Kinderhilfe und der BVL darauf hin, dass es sich bei Legasthenie und Dyskalkulie um neurobiologisch bedingte Entwicklungsstörungen handelt. Diese können völlig unabhängig von der allgemeinen Intelligenz, der persönlichen Motivation oder dem Engagement im familiären Umfeld auftreten.
Um Bildungsnachteile wirksam abzufedern, betonen die Verbände den Stellenwert von frühzeitigen Maßnahmen. Eine frühe Diagnostik und eine evidenzbasierte Förderung nach den entsprechenden S3-Leitlinien können die Bildungschancen der betroffenen Schülerinnen und Schüler maßgeblich verbessern.
Forderung nach bundesweit einheitlichen Standards
Ein zentraler Kritikpunkt der Interessenvertretungen betrifft die bestehenden Unterschiede im Bildungswesen. Die Deutsche Kinderhilfe und der BVL fordern daher bundesweit verlässliche Standards in mehreren Schlüsselbereichen:
- Einheitliche Vorgaben für die Diagnostik von Lese-Rechtschreib- und Rechenstörungen
- Verlässliche Rahmenbedingungen für die schulische Förderung
- Transparente Regelungen für den Nachteilsausgleich
- Einheitliche Kriterien beim Notenschutz
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Bezüglich des Nachteilsausgleichs stellen die Organisationen klar, dass dieses Instrument bestehende Benachteiligungen ausgleichen soll und nicht als ungerechtfertigte Bevorzugung missverstanden werden darf.
Reformbedarf bei den Bund-Länder-Regelungen
Neben der Schaffung bundesweiter Standards sehen die Verbände dringenden Überarbeitungsbedarf bei den übergeordneten bildungspolitischen Richtlinien. Konkret drängen die Deutsche Kinderhilfe und der BVL auf eine Aktualisierung der Fördergrundsätze der Kultusministerkonferenz (KMK).
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Diese Leitlinien wurden zuletzt im Jahr 2007 überarbeitet und spiegeln aus Sicht der Initiatoren nicht mehr den aktuellen wissenschaftlichen und praktischen Stand wider, der für eine zeitgemäße schulische Inklusion notwendig ist.

