Ledger-Wallets, MediaMarktSaturn

Ledger-Wallets: MediaMarktSaturn stoppt weltweit den Verkauf während Untersuchung

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 09:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach einem Bericht über manipulierte Geräte pausiert der Händler den Vertrieb; Ledger untersucht die eingesandte Hardware.

MediaMarktSaturn stoppt weltweit den Verkauf von Ledger-Wallets
Leeres Lagerhaus mit industriellen Regalen und einem halb geöffneten Rolltor in einer sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Der Elektronikhändler MediaMarktSaturn hat sämtliche Produkte des Krypto-Hardware-Herstellers Ledger international aus dem Sortiment genommen. Der Verkaufsstopp gilt über alle Ländergrenzen hinweg sowohl für den stationären Filialbetrieb als auch für die Online-Plattformen.

Wie Medien am 13. Oktober 2026 übereinstimmend berichteten, erfolgte die Maßnahme vorsorglich und in direkter Abstimmung mit Ledger für die Dauer einer laufenden internen Untersuchung.

Auslöser des weltweiten Vertriebsstopps ist der Bericht eines Kunden aus Deutschland über eine nicht autorisierte Hardwarekomponente in einem erworbenen Ledger-Gerät. Vermögensverluste wurden in diesem speziellen Fall nach Unternehmensangaben nicht gemeldet.

Am 12. Oktober 2026 hatte der X-Nutzer Johannes öffentlich gemacht, in zwei verschiedenen MediaMarkt-Filialen Ledger-Wallets gekauft zu haben, die mit zusätzlichen Kabeln und Mobilfunkmodulen manipuliert worden seien.

Die betreffenden Bestände im Geschäft wurden auf den Distributor Aqipa zurückgeführt. Ein Exemplar wurde zur technischen Analyse an Ledger übermittelt, während der Käufer einen offiziellen Produktrückruf forderte.

Lieferkette im Fokus der Sicherheitsanalysen

MediaMarktSaturn führt in internen Filialunterlagen die Aqipa GmbH als Lieferanten, die seit 2023 Ledger-Geräte im Raum Deutschland und Österreich vertreibt. Das Filialpersonal hatte nach vorliegenden Berichten zuvor keine Kundenrückläufer verzeichnet.

Ledger bestätigte die Aussetzung des Verkaufs auf der Plattform X und verwies auf eine enge Abstimmung mit dem Händler. Das hauseigene Sicherheitsteam Donjon hat die eingesandten Geräte übernommen und einer forensischen Untersuchung unterzogen.

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Ledger betonte, es gebe keinerlei Anzeichen für eine Sicherheitslücke oder Kompromittierung der eigenen Systeme, der Unternehmensinfrastruktur, der Dienste oder der direkten Vertriebswege. Zugleich warnte das Unternehmen Kunden vor Betrugsversuchen und stellte klar, niemals nach der 24 Wörter umfassenden Wiederherstellungsphrase zu fragen.

Nach Angaben von Ledger Donjon griffen die bei bisherigen Vorfällen analysierten Implantate auf einen Mikrocontroller zurück, um die bei der Ersteinrichtung auf dem Bildschirm angezeigten 24 Wörter abzufangen und über LTE oder eSIM an Angreifer zu übertragen. Das integrierte Sicherheitsmodul (Secure Element), das Betriebssystem sowie die kryptografischen Transaktionssignaturen seien dabei unverändert geblieben. Dies erklärt zugleich, warum die softwareseitige Echtheitsprüfung in der Anwendung Ledger Live physische Umbauten nicht registriert, da diese Routine lediglich die Integrität des Sicherheitschips überprüft.

Vorfälle in Südostasien und Millionenschäden

Bislang hat Ledger keine manipulierten Geräte auf dem europäischen Markt offiziell bestätigt. Verifizierte Fälle mit physischen Hardware-Implantaten beschränkten sich laut Ledger bisher auf den südostasiatischen Wiederverkäufer CryptoBilis.

Die dortige Untersuchung begann nach Verlustmeldungen vom 9. Oktober 2026; am 10. Oktober bestätigte Ledger ein Implantat in einem über CryptoBilis bezogenen Gerät. Mark Karpelès meldete zudem den Fund eines Spionage-Implantats in einem am Flughafen Singapur erworbenen Ledger Flex, worauf das Unternehmen bislang nicht direkt einging.

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Ledger forderte Händler in Indonesien, Singapur, Thailand, den Philippinen, Vietnam, Malaysia und Hongkong auf, Wallets vorsorglich aus den Regalen zu nehmen. CryptoBilis stellte den Verkauf und Versand aller Wallet-Marken in Malaysia, den Philippinen sowie Indonesien ein und schloss die Filialen.

Weitere Hersteller wie Trezor und OneKey beendeten ihre Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner. OneKey bietet Kunden einen kostenlosen Geräteaustausch für Käufe zwischen dem 1. März und dem 12. Oktober 2026 mit einer Antragsfrist bis zum 31. Dezember an.

Infolge der Vorfälle um CryptoBilis kursieren erhebliche Schadensschätzungen. Alex Thorn von Galaxy Research bezifferte den Schaden mit Stand vom 9. Oktober 2026 auf rund 91 Mio. US-Dollar. On-Chain-Analysten sprachen laut CoinDesk mit Stand vom 13. Oktober von bis zu 93,2 Mio. US-Dollar verteilt auf über 300 Wallets.

Bitquery schätzte die Verluste mit Stand vom 12. Oktober auf rund 102 Mio. US-Dollar in 324 Wallets, während Specter Verluste von über 86 Mio. US-Dollar und Yfarmx Schäden von 103 Mio. US-Dollar nannten. Ein einzelner Anleger verlor Berichten zufolge nach dem Gerätekauf über den Händler rund 6,6 Mio. US-Dollar in Bitcoin.

Der Stablecoin-Emittent Tether fror Berichten zufolge USDT im Wert von 10 Mio. US-Dollar ein. Ledger, das weltweit über 8 Mio. Hardware-Wallets verkauft hat, hat bisher weder Schadenssummen noch Entschädigungsleistungen bestätigt.

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