Lebensspanne, Positive

Lebensspanne: Positive Altersbilder verlängern Leben um 7 Jahre

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 20:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Lifta-Studie zeigt: Eigenständigkeit, Gesundheit und vertrautes Wohnen sind zentral, während Experten vor unbelegten Longevity-Versprechen warnen.

Generation 55 plus: Selbstständigkeit prägt Wünsche und Altersbild
Ein lichtdurchfluteter, modern eingerichteter Wohnraum mit Blick in einen grünen Garten, der ein Gefühl von Lebensqualität und Eigenständigkeit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Untersuchungen und Expertenmeinungen zeichnen ein detailliertes Bild der Lebensentwürfe und Erwartungen der Generation 55 plus in Deutschland. Im Zentrum steht dabei der Wunsch nach maximaler Eigenständigkeit und der Erhalt der Gesundheit.

Eine umfassende Datenbasis liefert hierzu die Lifta Index-Studie, für die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Lifta GmbH 1.057 repräsentative Interviews sowie qualitative Tiefeninterviews führte.

Wohnen und Selbstständigkeit im Fokus

Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen, dass die Selbstständigkeit für die Gruppe der über 55-Jährigen oberste Priorität hat. Demnach äußerten 93 Prozent der Befragten den Wunsch, so lange wie möglich eigenständig zu leben. Eng damit verknüpft ist der Stellenwert der persönlichen Verfassung: 87 Prozent der Teilnehmer nannten körperliche und geistige Fitness als besonders wichtig für ihre Lebensqualität.

Das eigene Zuhause spielt für die Verwirklichung dieser Unabhängigkeit eine entscheidende Rolle. 84 Prozent der Befragten gaben an, in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben zu wollen.

Allerdings zeigt die Analyse auch eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität bei der Wohnsituation auf. Fast jeder zweite Teilnehmer stufte die eigene Wohnung als nur eingeschränkt altersgerecht ein, während knapp jeder Vierte das aktuelle Wohnumfeld für gar nicht geeignet hielt.

Wahrnehmung des Alterns und soziale Barrieren

Die Studie untersuchte zudem die psychologische Komponente des Älterwerdens. Dabei zeigte sich eine überwiegend positive Grundstimmung: 42 Prozent der Befragten sehen vor allem die schönen Seiten dieses Lebensabschnitts, während lediglich 17 Prozent eine negative Sichtweise einnehmen.

Ein Großteil der über 55-Jährigen fühlt sich zudem deutlich jünger, als es das biologische Alter vermuten ließe – im Durchschnitt liegt die Selbsteinschätzung um sieben bis acht Jahre unter dem tatsächlichen Alter.

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Auffällig sind die Ergebnisse zum Umgang mit Unterstützungsbedarf. Fast jeder zweite Befragte hat Schwierigkeiten, andere Personen um Hilfe zu bitten. Als Hauptgründe wurden genannt, dass man anderen nicht zur Last fallen wolle (fast drei Viertel) oder es gewohnt sei, Angelegenheiten allein zu regeln (sieben von zehn Personen).

Die gesundheitliche Verfassung korreliert dabei stark mit der Zukunftsperspektive: Bei guter Gesundheit sehen 48 Prozent das Alter als Phase neuer Chancen. Bei Befragten mit schlechterem Gesundheitszustand überwiegt hingegen die Wahrnehmung von Beschwerden.

Kritik an Longevity-Trends und wissenschaftliche Erkenntnisse

Ergänzend zu den soziologischen Daten der Lifta-Studie betonen Mediziner die Bedeutung eines realistischen Altersbildes. Im Vorfeld eines Fachkongresses für Geriatrie und Gerontologie in Frankfurt am Main im September 2026 kritisierte Prof. Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), aktuelle Longevity-Trends. Er warnte davor, das Altern zu pathologisieren, und bezeichnete dies als gefährlich.

Für viele beworbene verjüngende Produkte gebe es laut dem Mediziner keine wissenschaftlichen Belege für eine lebensverlängernde Wirkung beim Menschen. Stattdessen seien Faktoren wie regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf das Rauchen, geringer Alkoholkonsum sowie medizinische Vorsorge und stabile soziale Kontakte als wirksam nachgewiesen.

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Dass die innere Einstellung einen messbaren Einfluss auf die Lebensspanne haben kann, untermauern Forschungsergebnisse, die unter anderem von Jana Nikitin der Universität Wien thematisiert wurden. Demnach könnten Menschen mit positiven und realistischen Altersbildern im Durchschnitt etwa sieben Jahre länger leben.

Eine Analyse mit mehr als 11.000 Teilnehmern zeigte zudem, dass sich der kognitive oder körperliche Zustand bei 45 Prozent der älteren Menschen über einen Zeitraum von zwölf Jahren sogar verbessern kann.

Der Deutsche Verein unterstrich in einer praxisorientierten Broschüre zudem, dass aktives Altern in einer Gesellschaft mit hoher Lebenserwartung stets aus einer Lebensspannenperspektive betrachtet werden sollte.

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