Lebensmittelverpackung, Pflanzliches

Lebensmittelverpackung: Pflanzliches PEF verlängert Haltbarkeit

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 11:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Avantium und Klöckner Pentaplast prüfen PEF für Lebensmitteltrays. Die reservierten Mengen stehen unter technischen, regulatorischen und kommerziellen Vorbehalten.

Avantium und Klöckner Pentaplast sichern PEF-Kapazitäten
Moderne industrielle Anlage zur chemischen Verarbeitung mit Edelstahltanks und Rohrleitungen in einer hellen Fabrikhalle. Illustration mit AI erstellt.

Die Suche nach nachhaltigen Alternativen zu herkömmlichen Verbundverpackungen gewinnt in der europäischen Industrie an Dynamik. Ein zentraler Aspekt dieser Entwicklung ist die Erschließung neuer Polymere, die sowohl ökologische Anforderungen erfüllen als auch technologische Barriereeigenschaften bieten.

In diesem Kontext unterzeichneten Avantium und Klöckner Pentaplast (kp films) am 16. September 2026 eine Kapazitätsreservierungsvereinbarung für das pflanzenbasierte Polymer PEF.

Nutzung von PEF für thermogeformte Lebensmittelverpackungen

Die Kooperation konzentriert sich auf die Prüfung und Nutzung des unter dem Markennamen Releaf geführten Polymers PEF, das aus dem Rohstoff FDCA gewonnen wird. Ziel ist der Einsatz in thermogeformten Lebensmittelverpackungen, wie beispielsweise Schalen für den europäischen Markt.

PEF zeichnet sich durch spezifische Barriereeigenschaften gegenüber Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2) aus. Fachleute gehen davon aus, dass dieser Barriereschutz die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern kann.

Zudem wird das Material als potenzielle Alternative zu schwer recycelbaren Mehrschichtschalen positioniert. Marco Jansen, CCO von Avantium, verwies im Rahmen der Bekanntgabe am 16. September 2026 auf eine wachsende Marktnachfrage nach PEF. Die reservierten Volumina sollen aus geplanten Lizenzanlagen im Industriemaßstab stammen, wobei die Bereitstellung unter dem Vorbehalt technischer, regulatorischer und kommerzieller Anforderungen steht.

Produktionszeitplan und industrielle Skalierung

Die Grundlage für die Markteinführung bildet die FDCA-Flagship-Anlage von Avantium im niederländischen Delfzijl. Laut Planungen soll der Start-up-Prozess dieser Anlage bis Mitte 2026 abgeschlossen sein. Der kommerzielle Verkauf der Produkte ist für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen. Die Skalierung dieser Technologie erfolgt vor dem Hintergrund eines verschärften regulatorischen Rahmens in Europa.

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Die PPWR (EU) 2025/40 gilt seit dem 12. August 2026 unmittelbar — doch technische Konkretisierungen und Standards fehlen vielerorts noch. Wer jetzt prüft, wie sich thermogeformte Schalen auf recycelbare Monoschalen umstellen lassen und welche Barriereeigenschaften pflanzenbasierte Polymere wie PEF bieten, verschafft sich einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Jetzt kostenlosen PPWR-Report anfordern

Seit dem 12. August 2026 ist die EU-Verpackungsverordnung PPWR (EU) 2025/40 unmittelbar in Kraft. Sie ersetzt die bisherige Richtlinie 94/62/EG und setzt neue Maßstäbe für Ökodesign, Recyclingfähigkeit und die Wiederverwendung von Verpackungsmaterialien.

Branchenverbände wie der Handelsverband Deutschland (HDE) mahnen angesichts fehlender technischer Konkretisierungen jedoch eine EU-weite Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2028 an, um Unternehmen bei der Umsetzung zu entlasten.

Marktumfeld und komplementäre Innovationsansätze

Die Vereinbarung zwischen Avantium und Klöckner Pentaplast ist eingebettet in eine breitere industrielle Transformation. So haben Unternehmen wie Unilever, Nestlé und PepsiCo im Rahmen des PaperFlex Consortiums Initiativen für recycelbare und biologisch abbaubare flexible Papierverpackungen gestartet.

Auch im Bereich der Materialverbunde gibt es Fortschritte: Die Niederauer Mühle etwa bietet mit dem EifelLiner PaperLoop einen Testliner mit einem Anteil von mindestens 25 % recycelten Getränkekartonfasern an. Dies ist relevant, da die Recyclingquote von Getränkekartons laut Umweltbundesamt im Jahr 2024 bei 69,5 % lag, während gesetzlich 80 % gefordert sind.

Zusätzlich zu neuen Materialien rücken verbesserte Hilfsstoffe und Verarbeitungsprozesse in den Fokus. PTS, das Fraunhofer-Institut und Baumer hhs entwickelten in einer rund dreieinhalbjährigen Forschungsarbeit einen stärkebasierten Klebstoff für Kartonverpackungen, der fossile Rohstoffe ersetzt.

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Mehrschichtschalen sind schwer recycelbar — und der HDE fordert angesichts fehlender technischer Leitlinien eine EU-weite Übergangsfrist bis 2028. Verpackungsentscheider, die ihre Haltbarkeits- und Barrierestrategie heute neu aufsetzen, sind auf beide Szenarien vorbereitet. Der Report ordnet ein, was PEF aus FDCA leisten kann und wo die Grenzen liegen. Umstellungspfad für Monoschalen jetzt prüfen

Gleichzeitig werden ab dem 27. September 2026 mit der EmpCo-Richtlinie strengere Anforderungen an umweltbezogene Werbeaussagen auf Verpackungen wirksam, was die Industrie zu einer präziseren Belegbarkeit ihrer Nachhaltigkeitsclaims verpflichtet.

Diese Entwicklungen unterstreichen den Trend weg von fossilen Rohstoffen hin zu kreislauffähigen Systemen, wobei die Allianz zwischen Avantium und Klöckner Pentaplast einen wesentlichen Baustein für den Bereich der Hochleistungs-Polymere darstellt.

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de | wissenschaft | 70116531 |