Lebensmittelkauf, Familien

Lebensmittelkauf: Familien reduzieren Mengen um 14,5 Prozent

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 14:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die RollAMA-Auswertung zeigt weniger Lebensmitteleinkäufe, mehr Rabattnutzung und einen Eigenmarkenanteil von 66 Prozent im ersten Halbjahr 2026.

RollAMA: Österreichs Haushalte sparen bei Lebensmitteln und kaufen gezielter
Leeres, minimalistisches Holzregal in einem Lebensmittelgeschäft mit schlichter, unbeschrifteter Verpackung bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die aktuelle RollAMA-Analyse für das erste Halbjahr 2026 belegt eine deutliche Veränderung im Konsumverhalten der österreichischen Privathaushalte. Angesichts einer angespannten wirtschaftlichen Gesamtlage und steigender Lebenshaltungskosten verzeichnet der Lebensmitteleinzelhandel signifikante Rückgänge bei den Einkaufsmengen und eine zunehmende Fokussierung der Konsumenten auf Preisaktionen und Eigenmarken.

Rückläufige Absatzmengen und Fokus auf Sonderangebote

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 sank die eingekaufte Menge an Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,6 % bzw. 5,0 %. Auch bei den wertmäßigen Ausgaben zeigt sich ein Rückgang zwischen 3,0 % und 3,2 %. Ein zentrales Merkmal des Marktes ist die hohe Relevanz von Rabattaktionen: Mehr als jeder dritte Euro wird mittlerweile im Rahmen von Sonderangeboten ausgegeben.

Der Aktionsanteil im sogenannten AMA-Warenkorb stieg von 33,4 % auf 34,3 %. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in den Warengruppen Fleisch und Wurst, wo der Aktionsanteil die Marke von 40 % überschreitet. Vor allem bei Schweine- und Rindfleisch sowie bei Butter suchen Konsumenten gezielt nach Preisnachlässen.

Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing, erläuterte im Rahmen einer Pressekonferenz, dass Konsumenten Aktionen bewusst suchen und Spontankäufe seltener werden, obgleich Qualität und Herkunft weiterhin einen hohen Stellenwert behielten.

Druck auf Familien und Erfolg der Eigenmarken

Besonders preissensible Bevölkerungsgruppen zeigen deutliche Reaktionen auf die Marktlage. Bei Familienhaushalten mit mehreren Kindern wurde ein Rückgang der Einkaufsmenge von 14,5 % verzeichnet. Um die Haushaltsbudgets zu entlasten, greifen Verbraucher verstärkt zu günstigeren Alternativen. Der Anteil von Eigenmarken am Gesamtmarkt erreichte einen Wert von 66 %, während Diskonter ihren Umsatzanteil auf über 30 % steigern konnten.

Einhergehend mit dem Sparzwang beobachten Marktforscher eine stärkere Fragmentierung des Einkaufs: 66 % der Befragten geben an, ihre Einkäufe auf verschiedene Geschäfte zu verteilen, um von den jeweils besten Angeboten zu profitieren. Laut Unternehmensangaben vergleichen 77 % der Österreicher regelmäßig die Preise für Lebensmittel.

Verschiebungen im Produktsortiment und Bio-Rekord

Innerhalb der Warengruppen zeigen sich teils drastische Verschiebungen. Während der Absatz von Putenfleisch um 20,8 % und jener von Rind- und Kalbfleisch um 10,2 % zurückging, konnte Hühnerfleisch seinen Marktanteil von 28 % im Jahr 2022 auf aktuell 32 % steigern.

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Trotz des Fokus auf den Preis erreichte der Bio-Anteil im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel ein neues Rekordhoch von 13 % (12,6 % in der ersten Jahreshälfte), womit Österreich im europäischen Vergleich eine Spitzenposition einnimmt.

Zusätzlich beeinflussten klimatische Bedingungen das Kaufverhalten. Ein Hitzesommer sorgte für Absatzsteigerungen bei grünem Salat (+16 %), Vollkornbrot (+14 %) und Naturjoghurt inklusive Skyr (+9 %). Als wesentliche Ursachen für das veränderte Konsumverhalten führt die RollAMA-Analyse neben klimatischen Veränderungen auch die angespannte geopolitische Lage an.

Strategische Reaktionen des Handels und Ausblick

Der Handel reagiert auf die hohe Preissensibilität mit neuen Preisstrategien. So kündigten BILLA und BILLA PLUS an, ab Ende September 2026 bis zu 3.000 Produkte dauerhaft auf das Preisniveau von Diskontern zu senken. Das Sortiment umfasst dabei sowohl Markenprodukte als auch Eigenmarken. Das Unternehmen investiert hierfür einen hohen Millionenbetrag, wobei die Preise wöchentlich angepasst werden sollen.

Internationale Vergleiche zeigen ähnliche Tendenzen. In Irland stieg der Wertanteil von Sonderangeboten in den letzten zwölf Wochen auf 20,7 %, während die Lebensmittel-Inflation dort zuletzt bei 4,28 % lag. In Deutschland beschäftigen zudem rechtliche Auseinandersetzungen um Exklusiv-Rabatte in Supermarkt-Apps die Gerichte.

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Während der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gleichwertige Zugänge zu Rabatten fordert, urteilten Oberlandesgerichte in Hamm und Bamberg im Frühjahr 2026 zunächst zugunsten der Handelsketten, wobei die Verfahren teils noch nicht rechtskräftig abgeschlossen sind.

Eine Mehrwertsteuersenkung für bestimmte Lebensmittel in Österreich, die im Juli in Kraft trat, ist in den vorliegenden Halbjahresdaten der RollAMA noch nicht abgebildet; Experten erwarten hieraus jedoch keine wesentlichen strukturellen Verschiebungen.

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