Lebenshaltungskosten, Deutschen

Lebenshaltungskosten: 59 Prozent der Deutschen fürchten, dass Geld nicht reicht

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Teuerung bleibt für 59 Prozent die größte Sorge; zugleich verschieben auch Haushalte mit hohen Einkommen größere Käufe.

Konsumklima in Deutschland sinkt: Lebenshaltungskosten schüren Sorgen
Eine menschenleere, abendlich beleuchtete Fußgängerzone mit dunklen Schaufenstern und einer melancholischen, ruhigen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Steigende Lebenshaltungskosten und anhaltende wirtschaftliche Sorgen belasten das Vertrauen der Verbraucher in Deutschland spürbar. Mehrere Erhebungen und Indikatoren verdeutlichen, wie die Verunsicherung über künftige Ausgaben zu einer zurückhaltenden und kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten führt.

Barometer für Einzelhandel und Konsumklima sinken

Das vom Handelsblatt Research Institute für den Handelsverband Deutschland berechnete HDE-Konsumbarometer sank im Oktober 2026 auf 93,51 Punkte. Gegenüber dem Vormonat bedeutet dies ein Minus von 1,19 Punkten; im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt der Wert um rund 3 Punkte niedriger.

Für den Indikator wurden rund 1600 Haushalte befragt. Im deutschen Einzelhandel zeigte sich im August 2026 real und kalenderbereinigt zwar ein Zuwachs von 1,3 Prozent gegenüber dem Juli, im Vorjahresvergleich stand jedoch ein Rückgang um 0,4 Prozent.

Das Geschäftsklima im gesamten Einzelhandel notiert bei -26,8 Punkten. Besonders getrübt zeigt sich die Stimmung im Bereich Nahrungs- und Genussmittel, Getränke und Tabakwaren mit -37,2 Punkten sowie bei sonstigen Haushaltsgeräten, Textilien, Heimwerkerbedarf und Einrichtung mit -29,9 Punkten. Im Kfz-Handel ohne Reparaturen liegt der Wert bei -19,1 Punkten und im Internet- und Versandhandel bei -17,7 Punkten.

Für die Gesamtwirtschaft erwartet das Institut beim privaten Konsum ein Plus von 0,5 Prozent im Jahr 2026 sowie 0,9 Prozent im Jahr 2027. Damit läge der private Konsum rund 6 Prozent über dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019, während der Staatskonsum im gleichen Zeitraum um fast 20 Prozent zulegte.

Gleichzeitig sind fast 800.000 Menschen mehr arbeitslos als vor Ausbruch der Corona-Pandemie; im September stieg die Arbeitslosigkeit saisonbereinigt um 12.000 Personen. Eine Allensbach-Erhebung ergab zudem, dass über die Hälfte der Bevölkerung Deutschland in einer Abwärtsspirale sieht.

Kaufzurückhaltung erfasst auch höhere Einkommen

Auch die Verbraucherumfrage des Marktforschungsinstituts NIM, für die Anfang bis Mitte September 2026 rund 2000 Personen befragt wurden, zeichnet ein skeptisches Bild. Der Konsumklima-Gesamtindikator ging für Oktober 2026 um 3,8 Zähler auf -30,6 Punkte zurück.

Während die Werte in den unteren Einkommensgruppen stabil blieben, brach der Index bei den oberen 25 Prozent der Haushaltseinkommen um 13,8 Punkte auf -38,0 Punkte ein. NIM-Forscherin Anja Bauer wies darauf hin, dass die obere Einkommenshälfte für rund 68 Prozent der gesamten Konsumausgaben in Deutschland stehe und der Aufschub größerer Anschaffungen eine Erholung des Konsums bremsen könne.

Bei den oberen 25 Prozent setzte diese Eintrübung seit Beginn des Iran-Kriegs ein. Für das reale Bruttoinlandsprodukt rechnen Wirtschaftsforschungsinstitute für 2026 mit einem Zuwachs von 1,3 Prozent und für 2027 mit 1,1 Prozent.

Im TeamBank-Liquiditätsbarometer verschlechterte sich der Indexstand gegenüber Herbst 2025 deutlich auf aktuell +1,75 Punkte. Nur noch 59 Prozent der Befragten bezeichneten ihre eigene Situation als gut, was einem Minus von fünf Prozentpunkten entspricht.

Über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren blicken 36 Prozent pessimistisch in die Zukunft – ein Zuwachs um zehn Prozentpunkte binnen Jahresfrist, der besonders Frauen sowie Männer ab 50 Jahren betrifft. 38 Prozent äußerten Sorgen wegen gestiegener Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten.

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Die aktuelle Konsumklima-Umfrage zeigt: Der Gesamtindikator ist auf -30,6 Punkte gefallen, und 59 Prozent der Deutschen fürchten laut Langzeitstudie, dass ihr Geld dauerhaft nicht zum Leben reicht. Wer sein Haushaltsbudget jetzt strukturiert prüft, kann gegensteuern — mit einem 5-Schritte-Check, konkreten Fixkosten-Hebeln und einem realistischen Notgroschen-Plan. Kostenlosen Budget-Leitfaden anfordern

Das Gespräch über Ersparnisse und Ausgaben innerhalb der Familie suchen derweil 76 Prozent der unter 30-Jährigen, 63 Prozent der unter 50-Jährigen und 43 Prozent der Menschen ab 50.

Teuerung bleibt dominierendes Thema im Alltag

Die 35. Auflage der R+V-Studie zu den Sorgen der Bevölkerung, für die zwischen dem 11. Mai und dem 29. Juli 2026 rund 2.400 Personen ab 14 Jahren befragt wurden, weist einen Gesamtangstindex von 38 Prozent aus.

Zum 16. Mal stehen die steigenden Lebenshaltungskosten an der Spitze: 59 Prozent der Bürger äußerten diese Sorge, nach 52 Prozent im Jahr 2025. In Westdeutschland liegt der Anteil bei 60 Prozent, im Osten bei 53 Prozent.

Studienleiter Grischa Brower-Rabinowitsch erklärte, insgesamt 59 Prozent der Bevölkerung fürchteten, dass ihr Geld dauerhaft nicht zum Leben reiche, da Schlüsselpreise für Energie, Wohnen und Lebensmittel spürbar gestiegen seien.

Auf Platz zwei folgen höhere Steuern oder Kürzungen staatlicher Leistungen mit 53 Prozent, vor einer Überforderung des Staates durch Geflüchtete mit 52 Prozent. Die Sorge vor einer schlechteren Wirtschaftslage oder Rezession stieg von 41 Prozent im Jahr 2025 auf nun 51 Prozent und kletterte damit von Rang zehn auf Rang vier. Jeder Zweite sorgt sich zudem um bezahlbaren Wohnraum.

Eine Überforderung der Politik sehen 48 Prozent der Befragten; die vergebene Durchschnittsnote für Regierung und Opposition fiel von 3,8 im Vorjahr auf 4,1. Die Angst vor dem Klimawandel rangiert mit 30 Prozent auf Platz 20, gefolgt von Naturkatastrophen mit 27 Prozent. Sorgen vor dem Verlust des Arbeitsplatzes erreichten mit 20 Prozent den niedrigsten Stand seit 1992, Straftaten nannten 19 Prozent.

Nach einem Anstieg der Inflationsrate im September 2026 auf 3,3 Prozent äußerten sich in einer Allensbach-Umfrage 73 Prozent der Deutschen beunruhigt über die Preisentwicklung.

Zwar hatten Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung gezeigt, dass reale Einkommensverluste der Jahre 2021 bis 2023 bis Ende 2024 wieder aufgeholt wurden und die Löhne seit 2024 stärker zulegen als die Teuerung.

Dennoch gaben Ende 2025 noch 60 Prozent an, sich weniger leisten zu können als fünf Jahre zuvor. Verhaltensökonom Sutter vom Max-Planck-Institut in Bonn begründete diese Diskrepanz damit, dass alltägliche Preise psychologisch stärker wirken als monatliche Gehaltsüberweisungen und Verlustängste die Wahrnehmung prägen.

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Besonders Haushalte mit höheren Einkommen schieben größere Anschaffungen auf — der Index der oberen 25 Prozent brach um 13,8 Punkte auf -38,0 Punkte ein. Wer seine Fixkosten kennt und Energiekosten aktiv steuert, bleibt handlungsfähig, statt auf bessere Zeiten zu warten. Der Leitfaden zeigt, welche Posten Sie zuerst prüfen und wie Sie den Notgroschen schrittweise aufbauen. Fixkosten-Check jetzt starten

Für zusätzliche Ausgabendisziplin sorgen absehbare Belastungen beim Wohnen: Laut einer Civey-Umfrage für Eon unter 5.000 Personen im September 2026 beabsichtigen 40 Prozent, weniger zu heizen, während 33 Prozent ihren Stromverbrauch drosseln wollen.

Eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen unter 225 Stadtwerken bestätigte zugleich anstehende Preiserhöhungen bei Strom, Gas und Fernwärme, getrieben durch steigende Netzentgelte, höhere Großhandelspreise sowie CO2-Kosten. Für Neukunden stieg der Strompreis zuletzt binnen weniger Wochen um knapp 5 Cent je Kilowattstunde, Gas verteuerte sich um bis zu 2 Cent.

Mehr zum Thema bei t-online: „Energiepreise steigen: 59 Prozent fürchten höhere Kosten“

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