Lebenserwartung, Menschen

Lebenserwartung: Menschen leben länger, aber 22% kränker

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 16:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Morbiditätslücke wächst global: Menschen verbringen durchschnittlich 10,7 Jahre in schlechter Gesundheit. Chronische Leiden sind Haupttreiber.

Studie: Lebenserwartung steigt, aber Krankheitsjahre nehmen zu
Eine ältere Person sitzt nachdenklich in einem hellen, modern eingerichteten Raum bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Menschen leben länger, aber nicht gesünder. Die Schere zwischen Lebensdauer und gesunden Jahren klafft immer weiter auseinander.

Eine aktuelle Studie in The Lancet Public Health zeigt: Die Morbiditätslücke – die Zeit, die Menschen in schlechter Gesundheit verbringen – ist von 8,8 Jahren (1990) auf 10,7 Jahre (2023) gestiegen. Das ist ein Plus von rund 22 Prozent.

Die Lebenserwartung kletterte im selben Zeitraum von 64,6 auf 73,8 Jahre. Die gesunde Lebenserwartung stieg langsamer: von 55,9 auf 63,1 Jahre. Menschen verbringen heute durchschnittlich 14,5 Prozent ihres Lebens mit gesundheitlichen Einschränkungen – 1990 waren es 13,6 Prozent.

Dieser Trend ist global. In 203 von 204 untersuchten Ländern nahm die Krankheitsphase zu.

Die größten Lücken: USA, Australien, Kanada

Besonders hart trifft es die Industrienationen. Die USA haben mit 14 Jahren die weltweit größte Morbiditätslücke. Australien folgt mit 13,9 Jahren, Kanada mit 13,7 Jahren.

In Deutschland stieg die Lebenserwartung von 75,6 auf 80,9 Jahre. Die krankheitsbelastete Zeit wuchs von 10,1 auf 11,9 Jahre. International liegt Deutschland damit auf Rang 34 der Krankheitslast. Schweden belegt mit 12,4 Jahren Rang 18.

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Die Studie zeigt auch: Frauen leben länger, aber kränker. Global entfallen bei Frauen 12,1 Jahre auf die Morbiditätslücke, bei Männern sind es 9,3 Jahre.

Chronische Leiden als Haupttreiber

57,4 Prozent der ungesunden Jahre gehen auf nicht-tödliche, aber chronisch belastende Erkrankungen zurück. Die Hauptursachen:

  • Muskel-Skelett-Erkrankungen: Vor allem Rückenleiden
  • Psychische Störungen: Depressionen und Angstzustände
  • Sensorische Beeinträchtigungen: Besonders Hörverlust

Als Risikofaktoren nennen Forscher neben Rauchen zunehmend metabolische Faktoren: erhöhte Blutzuckerwerte und Übergewicht.

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Christopher Murray vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) bringt es auf den Punkt: „Fortschritte in der öffentlichen Gesundheit sollten künftig stärker an der Verlängerung der Gesundheitsspanne gemessen werden – nicht allein an der Lebensdauer."

Altern jüngerer Generationen beschleunigt sich

Eine zweite Studie in Nature Medicine liefert alarmierende Daten: Millennials und die Generation Z altern biologisch schneller als frühere Jahrgänge. Die Folge: ein höheres Risiko für frühe Krebserkrankungen.

Bei Personen mit der stärksten biologischen Alterung stieg das Risiko für frühe solide Tumoren um 15 Prozent – besonders betroffen: Lunge, Magen-Darm und Gebärmutter.

Hausarztmangel spitzt sich zu

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer weiteren Herausforderung. Eine Studie des Bosch Health Campus prognostiziert eine Verschärfung des Ärztemangels.

Bereits heute fehlen rund 4.400 Hausärzte. Bis 2040 könnten etwa 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben – das wäre jeder f?nfte. Schon jetzt gelten 20 Prozent der Landkreise als unterversorgt.

Die diskutierten Lösungsansätze: stärkere Prävention, interprofessionelle Teams und der Ausbau der Telemedizin. Ob das reicht, um die wachsende Lücke zwischen Lebensdauer und Lebensqualität zu schließen, bleibt fraglich.

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