Lebenserwartung: Mehr Jahre, aber weniger gesunde Zeit
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zeichnet ein differenziertes Bild des medizinischen Fortschritts: Zwar erreicht die jüngere Generation ein höheres Lebensalter als frühere Kohorten, doch sie tut dies mit mehr Jahren in schlechter Gesundheit – und diese Krankheitsjahre treten bereits vor dem 44. Lebensjahr verstärkt auf. Die Studie stellt damit die verbreitete Annahme in Frage, dass ein längeres Leben automatisch auch mehr gesunde Lebensjahre bedeutet.
Globale Entwicklung: Lebenserwartung wächst schneller als Gesundheit
Laut der MHH-Auswertung stieg die weltweite Lebenserwartung zwischen 1990 und 2023 von 64,6 auf 73,8 Jahre. Die Zahl der gesunden Lebensjahre nahm im selben Zeitraum von 55,9 auf 63,1 Jahre zu.
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein doppelter Fortschritt – doch die sogenannte Morbiditätslücke, also die Differenz zwischen Lebenserwartung und gesunder Lebenserwartung, wuchs von 8,8 auf 10,7 Jahre und damit um 22 Prozent. Menschen leben demnach zunehmend länger in einem Zustand eingeschränkter Gesundheit, statt diese zusätzlichen Jahre in Wohlbefinden zu verbringen.
Nach Angaben, die auf der Plattform il66redcarpetcorridor.org zusammengefasst wurden, verbrachten Menschen 2023 weltweit durchschnittlich 14,5 Prozent ihres Lebens in schlechter Gesundheit, verglichen mit 13,6 Prozent im Jahr 1990.
Ein deutlicher Geschlechterunterschied zeigt sich ebenfalls: Frauen verbrachten 2023 weltweit im Schnitt 12,1 gebrechliche Jahre, Männer 9,3 Jahre.
Deutschland fällt im internationalen Vergleich zurück
Für Deutschland ergibt die MHH-Studie ein besorgniserregendes Detail: Im Ranking der Länder nach gesunden Lebensjahren fiel die Bundesrepublik zwischen 1990 und 2023 von Platz 23 auf Platz 31 zurück. Zwar stieg die Lebenserwartung hierzulande um 5,4 Jahre, doch die gesunden Lebensjahre legten nur um 3,5 Jahre zu – ein Missverhältnis, das sich in einer wachsenden Morbiditätslücke niederschlägt.
Laut einer Auswertung, die auf laekh.de veröffentlicht wurde, stieg diese Lücke in Deutschland von 10,1 Jahren im Jahr 1990 auf 11,9 Jahre im Jahr 2023. Als Risikofaktoren werden hohe Blutzuckerwerte, Übergewicht und Rauchen genannt.
Ein ähnliches Muster zeigt sich in Griechenland, wo die Morbiditätslücke laut einer auf mainstreetcarrolltonky.com veröffentlichten Analyse von 10 Jahren (1990) auf 11,9 Jahre (2023) anstieg. Der Anteil des Lebens in schlechter Gesundheit wuchs dort von 13 auf 14,7 Prozent. Als Hauptursachen gelten Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychische Leiden, Hörverlust und Stürze.
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Regionale Unterschiede innerhalb einzelner Länder
Auch innerhalb einzelner Länder zeigen sich erhebliche Diskrepanzen. In der Schweiz liegt die Lebenserwartung von Männern laut einer Auswertung von finanznachrichten.de bei 82,4 Jahren, die von Frauen bei 85,9 Jahren. Die gesunde Lebenserwartung beträgt jedoch nur rund 71 Jahre – mehr als ein Jahrzehnt wird demnach mit gesundheitlichen Einschränkungen verbracht.
Im Vereinigten Königreich fallen die Unterschiede noch drastischer aus: Laut einem Bericht von lincolnshirelive.co.uk variiert die Lebenserwartung regional um bis zu 18 Jahre – von 88 Jahren in Gebieten wie Marylebone oder Berkhamsted bis zu 70 Jahren in Glasgow oder Grimsby. 95 Prozent der Befragten stuften diese Kluft als Problem ein.
Die Organisation Health Equals forderte laut demselben Bericht eine gesetzliche Pflicht zur Verbesserung der Gesundheitschancen, da nur 20 Prozent der Befragten glaubten, die Regierung tue genug dagegen.
Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander
Eine Studie des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen (NIM), veröffentlicht auf pharma-relations.de, zeigt zudem eine Lücke zwischen Wunsch und Realität in Deutschland: Menschen möchten demnach im Schnitt 85,6 Jahre alt werden, die tatsächliche Lebenserwartung liegt jedoch bei 81,4 Jahren. 53 Prozent der Befragten gaben an, im Hier und Jetzt zu leben, während sich nur 22 Prozent als diszipliniert bezeichneten.
Immerhin gaben 59 Prozent an, regelmäßig Sport zu treiben, 65 Prozent achteten auf ausreichenden Schlaf und 64 Prozent pflegten soziale Kontakte. Nur 9 Prozent wären bereit, länger zu arbeiten.
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Warnung vor teuren Wundermitteln
Angesichts der wachsenden sogenannten Longevity-Bewegung warnen Experten laut einem Bericht von wort.lu davor, von einer vollständigen Kontrollierbarkeit des Alterns auszugehen. Viele kostenintensive Angebote wie Blutanalysen, Gentests oder Kryotherapie verfügten über keinen wissenschaftlichen Nachweis ihrer Wirksamkeit.
Die wirksamsten Strategien zur Erhaltung der Gesundheit im Alter seien den Experten zufolge dagegen einfach und kostengünstig – ein Hinweis darauf, dass die Antwort auf die wachsende Krankheitslücke weniger in teuren Innovationen als in grundlegenden Lebensgewohnheiten liegen könnte.
