Lebenserwartung, Jahrzehnte

Lebenserwartung: 65-Jährige haben statistisch noch zwei Jahrzehnte

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Statistiken zeigen mehr Lebenszeit im Ruhestand. Sicherheit, Raumklima, soziale Kontakte und eine positive Haltung prägen gesundes Altern.

Länger leben im Ruhestand: So wird das Zuhause altersgerecht
Ein barrierefreier Wohnraum mit bodengleichen Übergängen und hellem, natürlichem Licht in einer modernen Wohnung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle statistische Daten verdeutlichen eine kontinuierliche Zunahme der Lebensjahre nach dem Eintritt in den Ruhestand. Wie das Statistische Bundesamt in seinen Berechnungen zur Lebenserwartung 2025 darlegt, haben 65-jährige Frauen rein statistisch noch 21,2 Lebensjahre vor sich, während es bei Männern im selben Alter 18,2 Jahre sind.

Diese Entwicklung rückt die Gestaltung des eigenen Wohnumfelds verstärkt in den Fokus der Gesundheitsvorsorge, um die Selbstständigkeit in der dritten Lebensphase langfristig zu erhalten.

Statistische Basis: Die gewonnene Lebenszeit im Alter

Die Dauer des Rentenbezugs spiegelt diesen Trend wider. Laut dem Rentenatlas 2025 der Deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche Bezugsdauer von Versichertenrenten im Jahr 2024 bei Männern bei 18,9 Jahren und bei Frauen bei 22,1 Jahren. Im Vergleich zum Jahr 2019, in dem die Werte noch bei 18,2 bzw. 21,7 Jahren lagen, zeigt sich eine deutliche Steigerung.

Regional existieren dabei erhebliche Unterschiede. Eine Mitteilung der Deutschen Rentenversicherung Nord vom September 2026 weist für das Berichtsjahr 2025 aus, dass die Bezugsdauer von Altersrenten in Mecklenburg-Vorpommern bei Frauen sogar 25,9 Jahre und bei Männern 20,1 Jahre erreicht. In Hamburg liegen die Werte bei 23,6 bzw. 19,8 Jahren, während sie in Schleswig-Holstein 22,9 bzw. 20,0 Jahre betragen.

Ein wesentlicher Faktor für die Lebenserwartung bleibt jedoch der soziale Status. Eine vom Robert Koch-Institut (RKI) im Jahr 2025 veröffentlichte Studie für den Zeitraum 2020 bis 2022 belegt, dass die Lebenserwartung in sozial am stärksten benachteiligten Regionen bei Männern um 7,2 Jahre und bei Frauen um 4,3 Jahre niedriger ausfällt als in den am wenigsten benachteiligten Gebieten.

Sicherheitsaspekte und technische Prävention im häuslichen Bereich

Mit der längeren Verweildauer in der eigenen Wohnung steigen auch die Anforderungen an die Sicherheit. Schätzungen zufolge stürzen jährlich rund 30 von 100 zuhause lebenden Menschen über 65 Jahre mindestens einmal. Vor diesem Hintergrund raten Experten zu einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit der Barrierefreiheit.

Der Geschäftsführer von ProLift, Jörg Kutta, empfiehlt, das Haus bereits frühzeitig aus der Perspektive des älteren Ichs zu prüfen. Dabei müsse der erste Schritt nicht zwingend ein Umbau sein. Er betont, dass für einen 65-Jährigen die beste Entscheidung zum aktuellen Zeitpunkt sogar darin bestehen könne, vorerst keine baulichen Veränderungen vorzunehmen, sofern die Analyse des Wohnraums dies zulasse. Ziel sei vielmehr die Sensibilisierung für potenzielle Gefahrenquellen.

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Das Raumklima als gesundheitlicher Faktor

Ein weiterer Aspekt des altersgerechten Wohnens betrifft die thermische Behaglichkeit und den Gesundheitsschutz. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt, Wohnungen tagsüber nicht unter 19 bis 20 Grad abkühlen zu lassen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt 18 Grad als allgemeinen Orientierungswert für die kalte Jahreszeit, weist jedoch darauf hin, dass ältere Menschen und chronisch Kranke oft höhere Mindesttemperaturen benötigen.

Verbraucherzentralen raten in ihren im September 2026 aktualisierten Ratgebern zu einer temperatur von etwa 20 Grad im Wohnzimmer und 16 bis 18 Grad im Schlafzimmer bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent. Als Faustregel gilt dabei, dass jedes Grad weniger Raumtemperatur rund 6 Prozent Heizenergie einspart.

Das UBA warnt jedoch vor einem stark erhöhten Schimmelrisiko bei Temperaturen unter 16 bis 18 Grad. Juristen des Mieterbundes Darmstadt sehen bei Werten unter 18 Grad über mehrere Tage einen deutlichen Handlungsbedarf, während bei weniger als 16 Grad sofortiges Einschreiten erforderlich sei.

Soziale Einflüsse und die Psychologie des Alterns

Das Wohlbefinden im Alter hängt laut einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Krankenkasse BARMER auch stark vom Umfeld ab. Während 91 Prozent der Befragten ihr Wohnumfeld als eher oder sehr gesund bewerten, sehen 58 Prozent Grünflächen und Parks als besonders gesundheitsförderlich an.

Kritisch werden von Teilen der Bevölkerung die Luftqualität (24 Prozent negativ) sowie Lautstärke (27 Prozent negativ) und Kriminalität (18 Prozent negativ) gesehen.

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Die innere Einstellung zum Älterwerden scheint zudem einen messbaren Einfluss auf die Lebensspanne zu haben. Die Psychologin Jana Nikitin von der Universität Wien verweist darauf, dass Menschen mit realistischen und positiven Altersbildern im Schnitt sieben Jahre länger leben.

Diese Erkenntnis deckt sich mit Forschungen der Yale-Professorin Becca Levy, nach denen eine positive Selbstwahrnehmung des Alterns die Lebenserwartung um durchschnittlich 7,5 Jahre erhöhen kann.

In der Fachwelt wird das Altern dabei zunehmend differenziert betrachtet. Professor Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), warnt davor, das Altern selbst zu pathologisieren. Er betont, Altern sei keine Krankheit.

Sogenannten „Longevity“-Trends zur biologischen Verzögerung des Alterns steht er skeptisch gegenüber und verweist darauf, dass es bisher kein Produkt gebe, das eine lebensverlängernde Wirkung beim Menschen zweifelsfrei belegt habe.

Als gut erforschte Faktoren für ein gesundes Altern nennt er stattdessen Bewegung, gesunde Ernährung, den Verzicht auf Tabak, moderaten Alkoholkonsum sowie regelmäßige Vorsorge und soziale Kontakte. Die Fachdiskussion zu dieser Thematik wird unter anderem auf einem Kongress von Geriatern und Gerontologen Ende September in Frankfurt am Main vertieft.

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