LDL-Cholesterin, Ernährung

LDL-Cholesterin: Ernährung senkt den Wert laut Experten höchstens um 10 Prozent

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 23:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erbliche Faktoren prägen den LDL-Spiegel stark; bei hohem Risiko gelten niedrigere Zielwerte und Medikamente können nötig sein.
Heller, minimalistischer medizinischer Laborraum mit sauberer, steriler Ästhetik und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen laut Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation seit über 20 Jahren die häufigste Todesursache weltweit dar. Sie fordern jährlich fast 20 Millionen Menschenleben und machen rund jeden dritten weltweiten Todesfall aus.

Als wesentlicher Risikofaktor für Herzinfarkte und ischämische Schlaganfälle gilt ein erhöhter Spiegel von Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin, kurz LDL. Das Cholesterin lagert sich in den Arterienwänden ab und treibt die Entstehung von Gefäßverkalkungen voran.

Reißt eine solche Plaque auf, drohen akute Gefäßverschlüsse. Nach Daten des Robert-Koch-Instituts weisen rund 58 Prozent der Menschen in Deutschland erhöhte Cholesterinwerte auf.

Genetische Faktoren und Grenzen von Verhaltensänderungen

Mediziner weisen darauf hin, dass der Cholesterinspiegel in hohem Maße genetisch determiniert ist. Die Deutsche Herzstiftung beziffert den Anteil der körpereigenen Cholesterinbildung auf etwa 80 Prozent.

Fachärztin Juliane Willecke vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen betont, dass der Organismus 80 bis 90 Prozent des Cholesterins selbst herstelle. Auch sportliche und schlanke Personen können aufgrund erblicher Veranlagungen stark erhöhte Werte aufweisen.

Kardiologin Prof. Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung hebt hervor, dass sich das LDL-Cholesterin über eine gezielte Ernährungsumstellung um maximal rund 10 Prozent absenken lasse. Auch Kardiologe Johann Auer vom Krankenhaus Braunau St. Josef erklärt, dass LDL durch gesunde Kost und Bewegung nur in begrenztem Rahmen steuerbar sei.

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Dennoch raten Experten dazu, den eigenen Wert frühzeitig zu kennen. Gesetzlich Krankenversicherte haben in Deutschland ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre Anspruch auf einen Gesundheits-Check-up mit Nüchtern-Blutfettmessung. Willecke empfiehlt zudem, den Marker Lipoprotein(a) mindestens einmal im Leben bestimmen zu lassen.

Fette, Ballaststoffe und wissenschaftliche Studien

Bei der Ernährungsumstellung kommt es vor allem auf die Fettqualität an. Nach Angaben von Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollten gesättigte Fettsäuren, wie sie in Butter, Sahne, fetter Wurst sowie Kokos- und Palmfett vorkommen, das LDL steigern. Sie rät zu maximal 30 Prozent Fett an der täglichen Gesamtenergiezufuhr, wobei gesättigte Fette höchstens 10 Prozent ausmachen sollten.

Rapsöl gilt mit einem Anteil von 92 Prozent ungesättigten Fettsäuren sowie reichlich Alpha-Linolensäure und Vitamin E als bevorzugte Wahl. Leinöl liefert über 50 Prozent Omega-3-Fettsäuren, während Distelöl rund 75 Prozent Linolsäure aufweist.

Frühere Ernährungsmythen wurden durch Untersuchungen relativiert. So beeinflusst das über die Nahrung aufgenommene Cholesterin den Blutspiegel kaum, da die Leber die Synthese entsprechend drosselt. Eine moderate Eierzufuhr gilt daher als unbedenklich.

Konkrete Effekte zeigen sich bei funktionellen Lebensmitteln und Ballaststoffen:
- Haferflocken senken durch ihren Gehalt an Beta-Glucan das Cholesterin um etwa 5 bis 7 Prozent.
- Walnüsse reduzierten in einer Untersuchung des Uniklinikums München die Cholesterinaufnahme um bis zu 5 Prozent.
- Eine Studie der Iowa State University zeigte bei Männern durch die tägliche Aufnahme von drei Teelöffeln Leinsamen über drei Monate eine Cholesterinsenkung um 10 Prozent.
- In einer Metaanalyse von 87 randomisierten Studien mit 6.529 Erwachsenen unter Leitung von Sina Naghshi an der Tabriz University of Medical Sciences reduzierten bereits 48 Gramm Vollkorn pro Tag das Körpergewicht und den Taillenumfang.

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Medizinische Zielwerte und Risiken für das Gehirn

Neben Gefäßleiden beeinflusst LDL-Cholesterin das zentrale Nervensystem. Neurologin Prof. Kathrin Reetz von der Deutschen Hirnstiftung verweist auf Untersuchungen, wonach hohes LDL allein für 7 Prozent aller Demenzerkrankungen verantwortlich sei. Werte unter 70 mg/dl gingen mit einem signifikant geringeren Alzheimer-Risiko einher.

Bei gesunden Menschen ohne Vorerkrankungen gelten LDL-Werte unter 116 mg/dl oder zwischen 120 und 130 mg/dl als akzeptabel. Bei mehreren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder Diabetes werden Zielwerte von etwa 70 mg/dl verlangt. Für Hochrisipatienten nach einem akuten Koronarsyndrom sehen medizinische Leitlinien Werte unter 55 mg/dl vor.

Aktuell erreichen jedoch nur etwa 25 Prozent dieser Patienten diesen Zielbereich. Wenn Lebensstilmaßnahmen nicht genügen, kommen Lipidsenker wie Statine oder injizierbare PCSK9-Hemmer zum Einsatz. Um die ambulante Versorgung zu verbessern, bereitet die Apotheke des Klinikums Fulda gemeinsam mit Kardiologen für November 2026 Schulungen für niedergelassene Mediziner vor.

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