LASV75: Britische Werft enthüllt 75-Meter-Drohnenschiff
27.05.2026 - 01:30:06 | boerse-global.deAuf der „Combined Naval Event" in Farnborough enthüllte Navantia UK Mitte Mai 2026 das Konzept für ein großes, unbemanntes Überwasserschiff. Die LASV75 genannte Plattform ist als unbemannte Eskorte und Unterstützungseinheit konzipiert – entwickelt für den Dauereinsatz in anspruchsvollen Umgebungen wie dem Nordatlantik.
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Das Bristol-Designteam entwarf das Schiff von Grund auf als reines Drohnensystem. Das unterscheidet es von vielen bisherigen Modellen, die oft von bemannten Schiffen abgeleitet wurden. Die Folge: Keine Unterkünfte, keine Lebenserhaltungssysteme – maximaler Platz für Nutzlast, Treibstoff und Sensoren.
Technische Daten und modulares Design
Die LASV75 ist 75 Meter lang, verdrängt über 1.000 Tonnen und hat eine Breite von 11,8 Metern. Ihre modulare Hülle erlaubt verschiedene Konfigurationen: Containerisierte Missionssysteme, austauschbare Sensoren und ein Deck, das auch Schiffsgeschütze aufnehmen kann. Ein modularer Mast ermöglicht maßgeschneiderte Sensorpakete.
Um die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zu erleichtern, setzt die Werft auf NATO-Standards und sogenannte „NavyPOD"-Module. Die LASV75 soll so als Vorposten-Sensor, elektronische Kampfstation oder Eskorte in einem größeren Flottenverband dienen können.
157 Millionen Euro für „Shipyard 5.0"
Parallel zur Schiffsvorstellung treibt Navantia UK die Modernisierung seiner vier Werften voran: Appledore, Arnish, Belfast und Methil. Rund 157 Millionen Euro fließen in die Transformation zu hochautomatisierten Fertigungsstätten – das Unternehmen spricht von einem „Shipyard 5.0"-Konzept.
Herzstück ist eine automatisierte Panel-Linie in Belfast. Sie ermöglicht die schnelle und präzise Fertigung großer Stahlsektionen mit hohem Mechanisierungsgrad. Ähnliche digitale Werkzeuge und automatisierte Prozesse werden an allen vier Standorten eingeführt – angelehnt an die fortschrittlichen Systeme in Navantias spanischen Werften.
Die Technologie soll die Zeit für Entwurf und Bau großer Marineschiffe um bis zu 30 Prozent verkürzen. Das passt zu den Zielen der Strategic Defence Review von 2025, die eine Vertragsvergabe innerhalb von zwei Jahren und eine Auslieferung nach fünf Jahren vorsieht.
Die „Hybride Marine" als strategisches Konzept
Die LASV75 ist für den Betrieb in einer „hybriden Marine" ausgelegt: Bemannte Kriegsschiffe werden durch eine Flotte unbemannter Eskorten und Hilfsschiffe ergänzt. Dieser Wandel der Marinedoktrin spiegelt einen globalen Trend zur verteilten Seekriegsführung wider. Ziel: Die Flottenpräsenz erhöhen, ohne Personalaufwand oder langfristige Betriebskosten entsprechend zu steigern.
In Hochrisiko-Umgebungen können die autonomen Plattformen als Köder, Kommunikationsrelais oder Aufklärungsplattformen dienen – ein Schutzschild für bemannte Fregatten und Zerstörer. Angesichts wachsender Bedrohungen durch U-Boote und umkämpfte Seewege suchen westliche Marinen nach flexibleren und überlebensfähigeren Systemen.
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Die Entwicklung profitiert zudem vom EDINAF-Projekt (European Digital Naval Foundation), das Ende 2025 abgeschlossen wurde. Unter der Leitung von Navantia und mit 31 Partnern aus ganz Europa definierte das Projekt die digitale Architektur und gemeinsame technologische Rahmenbedingungen für künftige Interoperabilität. Diese Standards sollen in die LASV75 integriert werden.
Ausblick: Der Weg zur Serienreife
Die Royal Navy integriert bereits ihre ersten mittelgroßen unbemannten Überwasserschiffe (USVs). Die LASV75 markiert den nächsten Schritt: deutlich größer, komplexer und ausdauernder als frühere Projekte wie der spanische 10-Meter-Vendaval-USV, der vor allem in der Hafen- und Umweltsicherung erprobt wurde.
Navantia UK arbeitet derzeit mit seiner Lieferkette an der Festlegung von Vorlaufzeiten für Hauptausrüstung und Systeme. Parallel läuft das 1,6 Milliarden Euro schwere Fleet-Solid-Support-Programm – der erste Stahlschnitt für das Versorgungsschiff erfolgte im Dezember 2025 in Appledore. Der Stapellauf der Seahorse-Transportbarge Anfang Mai 2026 zeigt: Das integrierte Fertigungsmodell in den britischen Werften nimmt Gestalt an.
Branchenanalysten betonen: Der Erfolg der LASV75 und ähnlicher großer unbemannter Systeme wird davon abhängen, ob sie ihre Zuverlässigkeit im autonomen Betrieb und ihre Kosteneffizienz im Vergleich zu traditionellen Kriegsschiffen beweisen können. Gelingt das, könnten modulare Drohnen-Kriegsschiffe bald zum festen Bestandteil der maritimen Sicherheitsstrategien von NATO-Staaten und indopazifischen Mächten werden.
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