Langzeitpflege, Verbände

Langzeitpflege: 40 Verbände fordern 9 Milliarden für Digitalisierung

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesärztekammer verlangt ein neues Krisengesetz, während Pflegeverbände mehr Geld für Digitalisierung und eine stabile Finanzierung fordern.

Gesundheitswesen: Bundesärztekammer fordert neue Krisenstrukturen
Ein minimalistisches, modernes Arztzimmer mit einem Stethoskop auf einem Holztisch vor einem unscharfen Klinikflur. Illustration mit AI erstellt.

Die Sicherstellung einer stabilen Gesundheitsversorgung in Krisenzeiten erfordert grundlegende strukturelle Anpassungen und gesetzliche Neuregelungen.

In einem Anfang September 2026 in Berlin vorgestellten Strategiepapier mit dem Titel „Im Krisenfall handlungsfähig: Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht“ analysiert die Bundesärztekammer die bestehenden Defizite und formuliert konkrete Handlungsanweisungen für die Politik. Die Kernforderung der Ärzteschaft zielt auf eine umfassende gesetzliche Grundlage ab, um die Reaktionsfähigkeit des Systems dauerhaft zu erhöhen.

Strukturen für eine krisenfeste Gesundheitsversorgung

Ein zentrales Element der vorgestellten Strategie ist die Forderung nach einem neuen Gesundheitssicherstellungsgesetz. Nach Ansicht von Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, ist eine solche gesetzliche Basis notwendig, um Verantwortlichkeiten und Abläufe im Ernstfall klar zu definieren.

Das Strategiepapier identifiziert hierfür drei wesentliche Handlungsfelder: das effektive Zusammenwirken der verschiedenen Akteure, die materielle Ausstattung und Bevorratung sowie die personellen Kapazitäten.

Um die Koordination im Krisenfall zu verbessern, schlägt die Bundesärztekammer die Einrichtung eines Lagezentrums Gesundheit auf Bundesebene vor. Dieses Zentrum solle als zentrale Schnittstelle fungieren, um Informationen zu bündeln und Maßnahmen bundesweit zu harmonisieren. Bisherige Erfahrungen hätten gezeigt, dass eine dezentrale Organisation in akuten Lagen zu Zeitverlusten und Abstimmungsschwierigkeiten führen könne.

Materielle Vorsorge und personelle Kapazitäten

Neben organisatorischen Strukturen fordert die Bundesärztekammer eine deutliche Stärkung der materiellen Resilienz. Konkret wird der Aufbau einer Nationalen Reserve Gesundheitsschutz (NRGS) vorgeschlagen.

Diese Reserve solle so dimensioniert sein, dass eine Bevorratung mit essenziellen medizinischen Gütern für einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten gewährleistet ist. Damit soll die Abhängigkeit von globalen Lieferketten in kritischen Phasen reduziert werden.

Ein weiteres kritisches Feld stellt die personelle Absicherung dar. Die Ärzteschaft drängt auf eine bessere Personalerfassung, um im Krisenfall schnell verfügbare Ressourcen identifizieren und mobilisieren zu können. Eine präzise Übersicht über die vorhandenen Fachkräfte sei eine Grundvoraussetzung für eine effektive Einsatzplanung.

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Finanzielle und digitale Herausforderungen in der Langzeitpflege

Ergänzend zu den ärztlichen Forderungen artikulierten Anfang September 2026 auch über 40 Vertreter der Langzeitpflege im Rahmen der „Zukunftswerkstatt Pflegepolitik 2026“ massiven Handlungsbedarf.

Die Verbände, darunter unter anderem der VdDD, die AGVP und der DPR, forderten in Berlin substanzielle Nachbesserungen am Referentenentwurf zum Pflege-Nachhaltigkeitsgesetz (PNOG). Kritisiert werden vor allem drohende Versorgungsengpässe durch kurzfristige Einsparmaßnahmen.

Ein Schwerpunkt der Kritik liegt auf der Finanzierung der Digitalisierung. Während im PNOG-Entwurf 1,6 Milliarden Euro vorgesehen sind, beziffert etwa der VdSP den tatsächlichen Bedarf für eine flächendeckende Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) auf mindestens 9 Milliarden Euro.

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Zudem fordern die Pflegevertreter, dass die Tariftreueregelungen uneingeschränkt erhalten bleiben und tarifliche Personalaufwendungen vollständig refinanziert werden. Eine Deckelung auf die Grundlohnsummenrate minus 1 Prozentpunkt wird abgelehnt.

Weitere Forderungen der Zukunftswerkstatt umfassen die sofortige Rückzahlung der Corona-Hilfen an die Pflegeversicherung sowie die Finanzierung der medizinischen Behandlungspflege in stationären Einrichtungen über das SGB V. Auch die soziale Absicherung pflegender Angehöriger durch Rentenbeiträge aus Steuermitteln und die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres sind Teil des Forderungskatalogs zur langfristigen Systemstabilität.

Eine neue Evaluation des Pflegebegutachtungssystems wird ebenfalls als notwendig erachtet, um die Versorgung chronisch kranker und pflegebedürftiger Menschen zukunftsfest zu gestalten.

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