Langlebigkeitsforschung, Biomarker

Langlebigkeitsforschung: Warum ein Biomarker sieben Jahre Verjüngung nicht belegt

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute betonen personalisierte Vorsorge, geprüfte Biomarker und praxistaugliche Konzepte für die Betreuung älterer Menschen.

Geriatrie-Kongress 2026: Prävention und Versorgung im Alter im Fokus
Heller, minimalistischer Innenraum einer modernen medizinischen Einrichtung mit Fokus auf Architektur und natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Fachkonferenzen und systematische Untersuchungen widmen sich verstärkt der wachsenden Krankheitslast durch altersassoziierte chronische Erkrankungen wie Osteoarthritis sowie den Erfordernissen zeitgemäßer geriatrischer Versorgungsstrukturen.

Wie aktuelle Debatten im Fachbereich zeigen, rückt angesichts des demografischen Wandels die Frage nach einer zielgerichteten Anpassung medizinischer Konzepte an ältere Patientengruppen in den Mittelpunkt.

Fachkongress beleuchtet Herausforderungen einer alternden Bevölkerung

Vom 23. bis 26. September 2026 veranstalteten die 1985 gegründete Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG), die rund 1.800 Mitglieder zählt, und die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) ihren gemeinsamen Jahreskongress in Frankfurt am Main.

Die Veranstaltung versammelte rund 1.200 Teilnehmende sowie Vortragende aus sieben Ländern, um den Austausch über die medizinische und gesellschaftliche Betreuung hochaltriger Menschen zu vertiefen.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand unter anderem die Frage, wie Gesundheitssysteme auf die zunehmende Zahl chronischer Leiden reagieren können. Der DGGG-Kongresspräsident Hans-Werner Wahl hob hervor, dass nicht allein die bloße Lebensdauer im Vordergrund stehen dürfe. Vielmehr gelte es, die Gesundheit, die Selbstständigkeit sowie die Lebensqualität älterer Menschen so lange wie möglich zu sichern.

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Skepsis gegenüber vereinfachten Langlebigkeits-Versprechen

Ein zentraler Diskussionspunkt betraf aktuelle Trends in der Langlebigkeitsforschung. Brian Kennedy vom Centre for Healthy Longevity an der National University of Singapore mahnte auf der Fachtagung zur Zurückhaltung bei einfachen Heilsversprechen. Er erläuterte, dass ein Testergebnis, welches ein biologisches Alter von 55 anstelle von 62 Jahren ausweise, nicht automatisch eine Verlangsamung des Alterns um sieben Jahre belege. Ausschlaggebend bleibe die exakte wissenschaftliche Validierung des jeweiligen Biomarkers.

Hinsichtlich der Erfassung von Alterungsprozessen über epigenetische Marker, Proteine, Stoffwechsel- sowie Entzündungsparameter verwies der Forscher darauf, dass es keine universelle medikamentöse Lösung für alle gebe. Anstelle einer einzelnen Tablette sei eine personalisierte Prävention erforderlich, die sich am individuellen Risikoprofil orientiert.

Dazu zählen Faktoren wie Bewegung, der Erhalt der Muskelkraft, gezielte Ernährung sowie die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen. Für zahlreiche Wirkstoffe und biologische Altersuhren fehle es beim Menschen bislang an belastbaren Langzeitdaten.

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Strategien zwischen Prävention und Praxis

Als praktisches Beispiel für die Bewältigung des demografischen Wandels diente auf der Fachtagung Singapur. In dem Stadtstaat ist rund jeder fünfte Einwohner älter als 65 Jahre, während die Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 2025 über beide Geschlechter hinweg bei fast 84 Jahren lag.

Das Land setzt auf staatliche Initiativen wie die Programme Healthier SG und Age Well SG, um präventive Maßnahmen und die Betreuung im Alter strukturell zu verankern.

Die Diskussionen verdeutlichen, dass geriatrische Versorgungsstrategien künftig verstärkt auf valide wissenschaftliche Evidenz und alltagstaugliche Konzepte setzen müssen, um dem Anstieg chronischer Beeinträchtigungen wirksam zu begegnen.

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