Langlebigkeit: Kurorte und Messen setzen auf Bewegung und Prävention
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Traditionelle Kurorte, Tourismusregionen und Messeveranstalter erweitern ihr Portfolio zunehmend um moderne Formate zur Förderung der persönlichen Gesundheit.
Neben klassischen Erholungsangeboten gewinnen strukturierte Langlebigkeits- und Präventionsprogramme an Bedeutung. Dabei trifft das wachsende Interesse an gesunder Lebensführung gleichermaßen auf traditionsreiche Heilbäder, neue Messekonzepte und die wissenschaftliche Einordnung durch die Altersmedizin.
Neuausrichtung in Heilbädern und Tourismuszentren
Traditionsreiche Kurorte nutzen ihre gewachsenen Strukturen, um sich im Segment der gesunden Lebensspanne neu aufzustellen. Bad Wörishofen knüpft an die Lehre von Sebastian Kneipp an, der 1886 seine Wasserkur veröffentlichte.
Heute bietet der Ort Fasten, Schlafkuren, einen Heilwald und eine Gradieranlage sowie ein neues Format speziell für Frauen. Der Kurausschuss investiert zusätzlich 100.000 Euro in das Innenstadt-Marketing durch eine Werbeagentur. Bürgermeister Daniel Pflügl zielt dabei auf eine Image-Kur des Standorts ab.
An der Ostsee stellte Kühlungsborn laut einem Bericht vom 20. September 2026 eine Tourismusstrategie bis 2035 unter dem Leitgedanken „Kühlungsborn bewegt“ vor. Statt steigender Gästezahlen stehen dort Qualität, Bewegung, Naturerlebnis und Ganzjährigkeit im Mittelpunkt von sechs Handlungsfeldern.
In Bad Krozingen greift die 32. Bad Krozinger Gesundheitsmesse am 26. und 27. September 2026 ähnliche Schwerpunkte auf. Kurdirektor Rolf Rubsamen benennt Bewegung, richtige Ernährung, bewusste Entspannung und soziale Kontakte als vier wesentliche Säulen.
Internationale Standorte setzen auf vergleichbare Akzente: Im slowenischen Zdraviliš?e Radenci widmet sich das Kurbad im September 2026 mit Bewegungsprogrammen, natürlichem CO?-reichen Mineralwasser und Fachvorträgen der Herzgesundheit.
In Porto Cervo stehen vom 25. September bis 11. Oktober 2026 die vom Consorzio Costa Smeralda und der Smeralda Holding veranstalteten Longevity Weeks auf dem Programm, die Sportarten, Diagnostik und Fachvorträge zur Langlebigkeitswirtschaft bündeln.
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Interaktive Formate und Erlebnismessen
Parallel zu den Kurorten entstehen neue Erlebnis- und Messeformate, die auf aktive Teilhabe setzen. Am 3. Oktober 2026 findet in Wien-Meidling im Springer Schlössl erstmals die Erlebnismesse „(T)Räume fürs Leben“ statt.
Mehr als 30 Unternehmerinnen bieten dort Mitmachformate und Vorträge von Selbstfürsorge über Kreativität bis hin zu Finanzthemen an. Mitinitiatorin Elisabeth Walter hob hervor, Menschen dazu ermutigen zu wollen, ihr Leben aktiv zu gestalten.
Gleichzeitig verknüpfen Freizeiteinrichtungen Gesundheit und Umweltwissen. Die Klimaerlebniswelt Oerlinghausen führt ab dem 18. Oktober 2026 ein Exit Game ein, das spielerische Elemente mit Klimabildung verbindet.
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Digitale Plattformen und medizinische Einordnung
Flankiert wird der Trend durch öffentlich geförderte Informationsangebote. In Bayern bündelt ein digitaler Präventionspool unter Federführung des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mehr als 400 Angebote von über 200 Anbietern für gezielte Prävention vor Ort. Gesundheitsministerin Judith Gerlach erklärte dazu, Bürger sollten mit wenigen Klicks die passende Unterstützung finden.
Der Hype um spezielle Langlebigkeits-Therapien wird in der Fachwelt jedoch differenziert bewertet. Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie vom 23. bis 26. September 2026 in Frankfurt am Main betonte Verbandspräsident Michael Denkinger, dass das Älterwerden keine Krankheit sei und eine Pathologisierung erhebliche Risiken berge.
Für viele beworbene Langlebigkeits-Präparate gebe es keine wissenschaftlichen Belege beim Menschen. Nachweisbare Wirksamkeit bescheinigt die Geriatrie vor allem bekannten Basisfaktoren: regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung, dem Verzicht auf Tabak, geringem Alkoholkonsum sowie funktionierenden sozialen Kontakten.
