Laienreanimation: DRK sieht jährlich 10.000 zusätzliche Leben rettbar
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In medizinischen Ausnahmesituationen entscheiden oft die ersten Minuten über das Überleben. Dennoch zögern viele Menschen, rettende Maßnahmen einzuleiten. Aktuelle Initiativen und Ausbildungsangebote setzen deshalb verstärkt daran an, psychologische Hemmschwellen und die weit verbreitete Sorge vor Fehlern durch praxisnahe Übungen und strukturierte Anleitungen abzubauen.
Ängste vor Fehlern in der Laienreanimation
Ein wesentlicher Grund für das Ausbleiben rechtzeitiger Hilfeleistungen ist die Furcht, der betroffenen Person zusätzlichen Schaden zuzufügen. Beiträge im Umfeld des Welttags der Wiederbelebung greifen diese Unsicherheiten auf und verdeutlichen bestehende Hilfestellungen für Ersthelfende.
Dass eine breitere Befähigung der Bevölkerung enorme Effekte hätte, verdeutlicht eine Einschätzung des Deutschen Roten Kreuzes: Laut dem DRK-Bundesarzt könnten jährlich mindestens 10.000 zusätzliche Menschenleben gerettet werden, wenn alle Bürgerinnen und Bürger die Grundlagen der Laienreanimation beherrschten.
Um diese Kenntnisse frühzeitig zu verankern, fordern das DRK und das Jugendrotkreuz anlässlich des Welt-Erste-Hilfe-Tags, entsprechende Gesundheits-, Krisen- und Notfallkompetenzen mit mindestens 24 Unterrichtsstunden pro Schuljahr verbindlich in den Bildungsplänen aller Bundesländer festzuschreiben.
Vielfältige Angebote für Bevölkerung und Schulumfeld
Praktische Trainingskonzepte zielen darauf ab, Berührungsängste niedrigschwellig abzubauen:
- Aktionen im öffentlichen Raum: Im baden-württembergischen Schwetzingen organisieren die GRN-Klinik Schwetzingen, der Schulsanitätsdienst des Hebel-Gymnasiums und die Initiative „First Aid for All“ am 16. Oktober 2026 Reanimationsübungen auf den Kleinen Planken sowie vormittags an der Schule. Das kostenfreie Training richtet sich an alle Altersgruppen und setzt kein Vorwissen voraus.
- Kostenfreie Kurse im Bevölkerungsschutz: Das DRK-Bildungszentrum Nuthetal bietet ein vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gefördertes Schulungsformat an. Es richtet sich an Interessierte aus Potsdam, Potsdam-Mittelmark und dem Havelland und umfasst sechs Stunden zu medizinischer Erstversorgung in Notlagen. Geplante Kurstermine sind der 18. September sowie der 11. Dezember 2026.
- Förderung des Schulsanitätsdienstes: Im Landkreis Haßberge absolvierten rund 35 Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter aus vier Schulen einen Praxistag am Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz. Neben Einblicken in Rettungswagen und Notaufnahme trainierten die Jugendlichen Wiederbelebung, Verbände und die stabile Seitenlage.
- Mobile Angebote für Organisationen: In Österreich offeriert der Anbieter Nonstop ROSC GesbR mobile Kurse für Betriebe, Vereine und Gruppen vor Ort, die Reanimation, Defibrillatoreinsatz und Sofortmaßnahmen abdecken.
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Realitätsnahe Simulationen im klinischen Bereich
Auch beim medizinischen Fachpersonal dient regelmäßiges Üben dazu, Handlungssicherheit unter Stress zu gewährleisten. Das Landesklinikum Hainburg erweitert seine Schulungen um eine Neugeborenenpuppe, um Notfälle bei Säuglingen realitätsnah zu trainieren.
Am Kantonsspital Winterthur zeigte eine wissenschaftliche Auswertung im Auftrag der Eidgenössischen Qualitätskommission, dass Simulationstrainings mit interprofessionellen Übungen und Debriefings das Wissen, die Kommunikation, Fehlererkennung und Teamarbeit stärken. Inwieweit solche Trainings langfristig Patientenschäden mindern, ist der Auswertung zufolge bislang allerdings kaum untersucht.
Erweiterung auf psychische Krisen im Betrieb
Neben der rein somatischen Notfallhilfe rückt auch die Unterstützung bei seelischen Belastungen in den Blickpunkt. Das Beratungsunternehmen IBG fordert von Unternehmen mehr Vorbereitung auf psychische Krisen. Geschulte Beschäftigte sollten Signale frühzeitig wahrnehmen, stabilisieren und professionelle Hilfsangebote vermitteln.
Professionelle Unterstützung in schwierigen Situationen ist oft entscheidend für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Mitarbeitervertreter durch gezielte Mediation die psychische Gesundheit im Betrieb stärken können. Hier den kostenlosen Ratgeber für professionelle Mediation sichern
Psychische Erste Hilfe stelle dabei keine Therapie dar. Wie relevant die Prävention ist, zeigen betriebliche Daten: Psychisch bedingte Fehlzeiten dauern durchschnittlich mehr als 36 Tage je Fall, bei Langzeitkrankenständen sind es rund 68 Tage.

