Lästern in der Beziehung: Sharon Brehm warnt vor Vertrauensverlust
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 04:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wenn Paare im vertrauten Kreis über das Verhalten oder die Eigenheiten befreundeter Paare sprechen, dient dies häufig nicht bloß dem Zeitvertreib. Wie die Paartherapeutin Sharon Brehm laut einem Bericht von zeit.de vom 5. Oktober 2026 darlegt, erfüllt das gemeinsame Lästern über Dritte eine spürbare Funktion im Beziehungsalltag: Es kann kurzfristig entlasten, gemeinsame Werte abgleichen und ein Gefühl von Intimität stiften.
Gleichzeitig birgt diese Gewohnheit jedoch langfristige Risiken für das gegenseitige Vertrauen und ersetzt keineswegs die notwendige Auseinandersetzung mit der eigenen Partnerschaft.
Verbindende Wirkung und gemeinsamer Werteabgleich
Der Austausch über die Beziehungsdynamiken anderer Menschen fungiert im Alltag oft als soziales Bindemittel. Indem zwei Partner gemeinsam das Auftreten oder Konflikte Dritter bewerten, versichern sie sich gegenseitig ihrer eigenen Normen und Erwartungen.
Ein solches Gespräch bietet einen geschützten Raum, um unausgesprochene Maßstäbe abzugleichen: Was empfinden beide als angemessen, welche Verhaltensweisen lehnen sie ab und wo ziehen sie Grenzen im Zusammenleben?
Dieser Abgleich kann unmittelbare emotionale Entlastung verschaffen. Partner fühlen sich durch die gemeinsame Haltung bestätigt, was das Zusammengehörigkeitsgefühl temporär stärkt und eine gemeinsame Front gegenüber äußeren Maßstäben bildet.
Das Risiko schleichender Verunsicherung
Obwohl das Urteilen über andere Beziehungen im ersten Moment verbinden mag, warnt Brehm vor den negativen Spätfolgen für die Partnerschaft. Auf Dauer kann eine ausgeprägte Lästerkultur zu tiefer Verunsicherung führen. Wer regelmäßig miterlebt, wie der eigene Partner Fehler und Schwächen Dritter scharf verurteilt, beginnt unweigerlich zu fürchten, bei eigenen Unzulänglichkeiten ähnlich kritisch beäugt zu werden.
Gemeinsames Lästern über andere Paare entlastet im Moment und stiftet Nähe — doch wer den Partner regelmäßig scharf über Dritte urteilen hört, beginnt die eigene Verletzlichkeit zu verbergen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie aus dieser Vorsicht herauskommen und Ihre Beziehung ehrlich klären. Kostenlosen Paar-Leitfaden anfordern
Die ständige Ausrichtung an externen Negativbeispielen erzeugt somit eine trügerische Scheinsicherheit. Statt auf echtem Vertrauen zu fußen, entsteht eine unterschwellige Vorsicht, die eigene Verletzlichkeit vor dem Partner zu offenbaren, aus Sorge vor einer vergleichbaren Abwertung.
Grenzen wissenschaftlicher Befunde und Bedeutung interner Klärung
Wissenschaftliche Untersuchungen zu Klatsch und sozialen Vergleichen stützen zwar die beobachteten Wirkungsweisen auf zwischenmenschliche Beziehungen, weisen jedoch methodische Grenzen auf. Entsprechende Studien belegen vor allem statistische Zusammenhänge, lassen jedoch keine eindeutigen kausalen Rückschlüsse zu.
Wenn Konflikte im eigenen Paar über die Schwächen anderer verhandelt werden, bleibt das eigentliche Anliegen ungelöst. Der Leitfaden begleitet Sie mit einem Selbsttest zu Läster-Mustern und fünf Übungen Schritt für Schritt zu einem Gespräch, das wirklich verbindet. 5 Übungen für echtes Vertrauen entdecken
Zudem verdeutlicht die therapeutische Einordnung, dass die emotionale Entlastung durch Klatsch keine konstruktive Beziehungsarbeit ersetzen kann. Wenn Paare eigene Unzufriedenheiten oder unausgesprochene Konflikte dadurch kompensieren, dass sie den Fokus auf die Probleme anderer lenken, bleibt das eigentliche Anliegen ungelöst.
Für eine stabile Beziehung ist die direkte, ehrliche Klärung der eigenen Dynamik unumgänglich, anstatt den Zustand der Partnerschaft primär über die Schwächen Dritter zu definieren.
