Lärm, Luftverschmutzung

Lärm und Luftverschmutzung: Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko fast verdreifacht

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Luftverschmutzung und Verkehrslärm belasten das Herz-Kreislauf-System; die Stiftung setzt neben Alltagstipps auch auf politische Maßnahmen.

Deutsche Herzstiftung fordert mehr Schutz vor Umweltbelastungen
Eine neblige, urbane Stadtlandschaft mit dichter Luftverschmutzung und grauen Häuserfassaden in der Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Umweltfaktoren wie Feinstaub, Lärm, Mikroplastik und extreme Hitze rücken zunehmend in das Blickfeld der Kardiologie. Die Deutsche Herzstiftung fordert eine stärkere Berücksichtigung dieser Einflüsse bei der Prävention sowie beim Management chronischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Umweltstressoren setzen dem menschlichen Gefäßsystem in einem Ausmaß zu, das mit den Auswirkungen von Tabakkonsum oder Bluthochdruck vergleichbar ist. Anfang 2026 veröffentlichten führende kardiologische Fachgesellschaften einen entsprechenden Handlungsaufruf in den Publikationen European Heart Journal, JACC und Circulation.

Luftverschmutzung als globales Hauptrisiko

Nach Daten der Untersuchung Global Burden of Disease verkürzt Tabakrauchen die mittlere Lebenserwartung weltweit um rund 2,2 Jahre, während Luftverschmutzung zu einem statistischen Verlust von etwa 2,9 Jahren führt.

Eine Modellrechnung aus dem Jahr 2020 ergab, dass die weltweite Lebenserwartung ohne Luftverschmutzung um knapp drei Jahre höher läge, während der Verzicht auf Tabak ein Plus von 2,2 Jahren brächte. Jährlich gehen laut der Deutschen Herzstiftung zwischen 7 und 9 Millionen vorzeitige Todesfälle auf verunreinigte Luft zurück, wovon mehr als die Hälfte kardiovaskulär bedingt ist.

Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz sieht hierin einen Paradigmenwechsel, da sich die Herzmedizin verstärkt den tatsächlichen Lebensbedingungen der Menschen zuwende. Luftverschmutzung sei weltweit inzwischen der Risikofaktor Nummer eins, noch vor dem Rauchen.

Thomas Lüscher vom Imperial College London mahnt den dringendsten Handlungsbedarf bei Lärm und Luftverschmutzung an und vergleicht das Schadensausmaß mit einer Situation, in der die gesamte Bevölkerung rauchen würde.

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Belastungen durch Verkehrslärm und gegenseitige Verstärkung

Neben verunreinigter Luft stellt Verkehrslärm ein erhebliches Krankheitsrisiko dar. Mehr als ein Fünftel der europäischen Bevölkerung ist dauerhaft gesundheitsschädlichem Lärm ausgesetzt, wobei der Straßenverkehr mit rund 92 Millionen Betroffenen die primäre Quelle darstellt.

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung verursacht Verkehrslärm in Europa jährlich rund 73.000 vorzeitige Todesfälle sowie etwa 49.000 Neuerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden beträgt mindestens 100 Milliarden Euro pro Jahr.

Verkehrslärm führt im Organismus zur Ausschüttung von Stresshormonen, Schlafstörungen, Bluthochdruck und Entzündungsprozessen. Zudem nimmt die innere Zellschicht der Blutgefäße Schaden.

Lärm und Luftverschmutzung verstärken sich dabei in ihrer Wirkung: Eine Studie aus dem Jahr 2023 belegt, dass eine hohe Belastung durch beide Faktoren das Risiko für schwere Ereignisse wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall gegenüber einer niedrigen Belastung nahezu verdreifacht.

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Prävention im Alltag und gesellschaftliche Aufgaben

Ungeachtet der neu bewerteten Umwelteinflüsse bleiben die klassischen Risikofaktoren wie Cholesterin, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht für die Herzgesundheit weiterhin zentral. Allerdings können Umweltgifte eine bereits bestehende Erkrankung zusätzlich befeuern, wie Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung erläutert.

Für den persönlichen Alltag empfiehlt die Deutsche Herzstiftung, körperliche Aktivitäten an Tagen mit hoher Schadstoffbelastung im Freien zu reduzieren, nicht direkt an stark befahrenen Straßen Rad zu fahren oder zu joggen sowie Holz- und Pelletöfen sparsam einzusetzen.

Gegen den Lärm helfen baulicher Schallschutz oder Ohrstöpsel während der Nachtruhe. Gleichzeitig betont die Stiftung, dass Herzgesundheit nicht allein auf individueller Ebene gelöst werden könne, sondern maßgeblich von Entscheidungen in Stadtplanung, Energiepolitik, Verkehr, Industrie und sozialer Gerechtigkeit abhängt.

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