Ladendiebstahl, Milliarden

Ladendiebstahl: 4,3 Milliarden Euro Rekordschaden in Deutschland

23.06.2026 - 12:13:09 | boerse-global.de

Diebstähle im Einzelhandel erreichen 2025 neue Höchstmarke. Kunden verursachen mit 3,05 Milliarden Euro den größten Schaden, die Dunkelziffer liegt bei über 98 Prozent.

Ladendiebstähle 2025: Rekordverlust von 4,3 Milliarden Euro
Ladendiebstahl - Eine unscharfe Hand, die diskret ein Produkt in eine Manteltasche in einem Einzelhandelsgang gleiten lässt, symbolisiert Ladendiebstahl. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Laut aktueller Studie des EHI Retail Institutes summierten sich die Verluste auf über 4,3 Milliarden Euro – ein Plus von 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rechnet man alle Inventurdifferenzen zusammen, inklusive organisatorischer Mängel, liegt der Gesamtschaden sogar bei 5,11 Milliarden Euro.

Kunden als Haupttäter

Den größten Posten macht der Diebstahl durch Kunden aus: 3,05 Milliarden Euro. Der Anstieg im Langzeitvergleich ist enorm. Zwischen 2020 und 2025 legten die Schäden durch Kundendiebstähle um 41 Prozent zu. Zum Vergleich: Der Gesamtschaden durch Diebstahl stieg im selben Zeitraum um knapp 29 Prozent.

Neben externen Tätern verursachen auch Mitarbeiter Verluste – 910 Millionen Euro. Lieferanten und Servicekräfte schlagen mit 370 Millionen Euro zu Buche.

Warum steigt die Zahl? Experten sehen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als Treiber. Die Inflation ließ Verbraucherpreise in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent steigen, Lebensmittel verteuerten sich sogar um etwa 35 Prozent. Geschätzt ein Drittel der Kundendiebstähle geht zudem auf organisierte Kriminalität zurück.

Dunkelziffer bei 98 Prozent

Die polizeiliche Statistik erfasste 2025 rund 380.000 bis 383.000 Diebstahlsdelikte. Die Realität sieht anders aus. Die EHI-Studie wertete Daten von 103 Unternehmen mit über 21.000 Verkaufsstellen aus – und kommt auf eine Dunkelziffer von mehr als 98 Prozent. Rechnerisch bleiben jährlich etwa 24,8 Millionen Diebstähle unentdeckt. Der durchschnittliche Warenwert pro Fall: 123 Euro.

Die Folgen treffen nicht nur den Handel. Dem Fiskus entgehen durch die nicht realisierten Umsätze jährlich schätzungsweise 590 Millionen Euro an Umsatzsteuer.

3,3 Milliarden für Sicherheit

Die Branche rüstet auf. Insgesamt investierte der Einzelhandel 3,3 Milliarden Euro in Prävention. Davon flossen 1,7 Milliarden in technische Vorrichtungen und Sicherheitspersonal, 1,6 Milliarden in interne Prozessoptimierungen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert härtere Strafen. Besonders bei bandenmäßigem Diebstahl plädiert der Verband für eine Mindeststrafe von einem Jahr. Die Abschreckungswirkung sei bislang zu gering.

Aktuelle Fälle belegen das Problem. Erst am vergangenen Wochenende nahm die Polizei in Hagen einen Tatverdächtigen fest. Er soll gemeinsam mit Komplizen 35 Parfums im Wert von über 3.000 Euro aus einer Drogerie gestohlen haben. Auch in Halle und Hüttenberg kam es in den letzten Tagen zu Diebstählen aus Bahnhöfen und Verkaufsautomaten.

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Online-Handel mit eigenem Problem

Nicht nur der stationäre Handel kämpft mit Verlusten. Auch im E-Commerce steigen betrügerische Aktivitäten. 2025 wurden fast 39 Prozent der Betrugsfälle von regulären Kunden begangen – Fachleute sprechen von First-Party-Betrug. Die gängigsten Methoden: unberechtigte Reklamation angeblich nicht erhaltener Ware oder vorsätzliches Nichtbezahlen von Rechnungen. In Europa liegt der Anteil laut Branchenberichten sogar bei über 50 Prozent.

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