L-Thyroxin im Alter: Bei niedriger Dosis gelang 63,6 Prozent das Absetzen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 07:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion mit dem Hormonpräparat L-Thyroxin gehört weltweit zu den am häufigsten verordneten Therapien. Eine offene prospektive Studie hat nun untersucht, ob bei älteren Patientinnen und Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion unter bestimmten Voraussetzungen auf die dauerhafte Einnahme von L-Thyroxin verzichtet werden kann. Die Ergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte dafür, bei welchen Betroffenen ein vorsichtiger Ausstieg aus der Medikation Erfolg verspricht.
Schrittweise Dosisreduktion bei Patientengruppe ab 60 Jahren
An der Untersuchung nahmen 370 Patientinnen und Patienten im Alter ab 60 Jahren teil. Das Medianalter der Kohorte lag bei 70 Jahren, der Frauenanteil betrug 80 %. Im Rahmen des Studienprotokolls wurde die Zufuhr von L-Thyroxin nicht abrupt gestoppt, sondern schrittweise alle 6 Wochen reduziert, um die Reaktion des Körpers und insbesondere der Schilddrüsenwerte engmaschig zu beobachten.
Nach einem Beobachtungszeitraum von 1 Jahr gelang es 95 von 370 Teilnehmenden (25,7 %), die Hormontherapie vollständig abzusetzen, ohne dass ein klinisch relevanter Anstieg des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) eintrat. Das mittlere freie Thyroxin lag in dieser Gruppe bei 1,01 ng/dl.
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Hohe Erfolgsquote bei geringer Ausgangsdosierung
Die Auswertung der Daten verdeutlicht, dass die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Absetzens stark von der zuvor verabreichten Wirkstoffmenge abhängt. Bei Personen, die vor Beginn des Ausschleichens eine Dosis von höchstens 50 µg täglich eingenommen hatten, zeigte sich eine deutlich höhere Quote: In dieser Untergruppe gelang das vollständige Absetzen bei 56 von 88 Patientinnen und Patienten, was einem Anteil von 63,6 % entspricht.
Hinsichtlich des allgemeinen Wohlbefindens zeigte sich ein stabiles Bild. Die schilddrüsenspezifische Lebensqualität veränderte sich durch das Ausschleichen beziehungsweise Beenden der Hormongabe im Studienverlauf nicht signifikant.
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Regelmäßige Überprüfung der Therapieindikation
Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse empfiehlt das Fachportal gesund.at, die Indikation für eine fortlaufende L-Thyroxin-Therapie bei über 60-Jährigen regelmäßig zu überprüfen. Dies gelte insbesondere für Fälle, in denen die Betroffenen lediglich eine niedrige Tagesdosis des Präparats erhalten.
Eine strukturierte ärztliche Neubewertung kann dazu beitragen, unnötige Dauermedikationen im Alter zu vermeiden, ohne den Hormonhaushalt oder die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu gefährden.
