Kurzsichtigkeit: Warum weder Augentraining noch Karotten helfen
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKurzsichtigkeit lässt sich nicht durch Augentraining, Karotten oder regelmäßige Aufenthalte in der Sonne heilen.
Messwerte können schwanken
Im Internet kursieren zahlreiche Tipps zur angeblichen Selbstheilung der Myopie. Ein Nutzer auf Facebook führt eine gesunkene Dioptrienzahl unter anderem darauf zurück, seine Brille nicht mehr getragen, täglich Karottensalat gegessen und sich regelmäßig in der Sonne aufgehalten zu haben.
Eine solche Verbesserung der Sehstärke ist wissenschaftlich nicht belegt. Einzelne Abweichungen bei Messungen können durch Tagesform und Untersuchungsbedingungen entstehen und bedeuten nicht automatisch, dass die Kurzsichtigkeit zurückgegangen ist.
Ursache liegt meist in der Augenlänge
Bei Myopie werden entfernte Objekte unscharf gesehen, weil der Augapfel im Verhältnis zu seiner Brechkraft meist zu lang ist. Das Licht wird dadurch vor der Netzhaut gebündelt; nahe Gegenstände erscheinen dagegen scharf.
Das ausgewachsene menschliche Auge ist durchschnittlich etwa 24 Millimeter lang. Bei Kindern kann sich Kurzsichtigkeit während des Wachstums entwickeln. Dabei wirken nach Angaben von Fachgesellschaften sowohl genetische als auch Umweltfaktoren mit.
Tageslicht beugt vor, heilt aber nicht
Mehr Zeit im Freien bei Tageslicht kann den Beginn einer Myopie bei Kindern verhindern oder verzögern. Längere Naharbeit, etwa an Bildschirmen, wird dagegen mit einem erhöhten Risiko für ihre Entwicklung in Verbindung gebracht.
Dieser vorbeugende Effekt des Tageslichts macht eine bereits entstandene strukturelle Veränderung des Augapfels jedoch nicht rückgängig. Das gilt auch für Erwachsene.
Übungen verkürzen den Augapfel nicht
Augentraining kann die Länge des Augapfels nicht relevant verkürzen. Eine Meta-Analyse zu Augenübungen kam zu dem Ergebnis, dass deren Wirkung auf die Vorbeugung oder Begrenzung des Fortschreitens einer Kurzsichtigkeit begrenzt bis nicht vorhanden ist.
Die Augenmuskulatur ist nicht die Ursache der durch einen zu langen Augapfel bedingten Myopie. Eine Veränderung der Dioptrienzahl beweist daher keine Verkürzung des Augapfels.
Karotten unterstützen die Netzhaut
Karotten enthalten Beta-Carotin, aus dem der Körper Vitamin A bilden kann. Vitamin A ist für die Funktion der Netzhaut wichtig, doch Karotten oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können die strukturelle Ursache einer bestehenden Kurzsichtigkeit nicht beseitigen.
Brillen und Kontaktlinsen korrigieren die Brechkraft, damit das Bild wieder scharf auf der Netzhaut ankommt. Auch eine Laseroperation verändert die Brechkraft des Auges, verkürzt aber nicht den Augapfel.
Myopie entsteht vor allem in der Kindheit
Kurzsichtigkeit, medizinisch Myopie, entsteht meist während des Wachstums, wenn der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft zu lang wird. Genetische Faktoren spielen dabei ebenso eine Rolle wie Umweltbedingungen. Besonders viel Naharbeit und Bildschirmnutzung werden mit einem höheren Risiko für die Entwicklung in Verbindung gebracht.
Regelmäßige Zeit im Freien hat eine andere Funktion: Tageslicht kann bei Kindern den Beginn einer Myopie verzögern oder ihr Fortschreiten bremsen. Dieser vorbeugende Effekt darf nicht mit einer Heilung verwechselt werden. Ist die strukturelle Verlängerung des Augapfels bereits eingetreten, verändern Spaziergänge, Sonnenlicht oder eine andere Ernährung die Augenlänge nicht zurück.
Korrektur und Vorsorge bleiben getrennt
Für Betroffene bedeutet das: Brillen und Kontaktlinsen korrigieren die Brechkraft und ermöglichen scharfes Sehen, beseitigen aber nicht die Ursache. Eine Laserbehandlung verändert ebenfalls die Brechkraft des Auges. Bei Kindern sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen wichtig, weil sich die Sehstärke während des Wachstums verändern kann.
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die allgemeine Gesundheit der Augen. Karotten liefern Beta-Carotin, aus dem der Körper Vitamin A bilden kann; daraus folgt jedoch keine rückgängig machende Wirkung auf eine bestehende Myopie. Veränderungen einzelner Messwerte sollten deshalb fachgerecht beurteilt werden, statt daraus eine Heilung abzuleiten.
