Kurkumin-Bioverfügbarkeit, Pfeffer-Kombination

Kurkumin-Bioverfügbarkeit: Pfeffer-Kombination steigert Aufnahme um 2.000%

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 09:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Unpad-Team meldet bessere Gedächtnisleistungen im Alzheimer-Tiermodell, während Fachleute fehlende klinische Belege und geringe Aufnahme kritisieren.

Kurkuma-Forschung: Neue Alzheimer-Ansätze treffen auf Expertenkritik
Frische Kurkumawurzeln liegen auf einer dunklen Steinoberfläche vor einem unscharfen Laborhintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Kurkumin, der gelbe Farbstoff der Kurkumapflanze, gehört zu den meistuntersuchten Naturstoffen der Medizin. Aktuelle Forschung an der indonesischen Universität Unpad liefert nun neue Ansätze zur Bekämpfung neurodegenerativer Prozesse, während andere Fachleute vor überzogenen Erwartungen an die Gewürzwurzel warnen.

Neuer Wirkstoffkomplex gegen Alzheimer

Ein Forschungsteam der Fakultät für Pharmazie der Universität Padjadjaran (Unpad) unter Leitung von Karen Gabriella Angelina Lubis hat einem Bericht von medcom.id zufolge ein sogenanntes co-amorphes System aus Kurkumin und Ascorbinsäure entwickelt. Ziel ist ein neuroprotektiver Wirkstoffkandidat gegen Alzheimer.

Hergestellt wurde die Verbindung per Lösungsmittelverdampfung, anschließend testete das Team die Eigenschaften mittels Molecular Docking, Löslichkeits- und Permeabilitätsanalysen sowie mit physikalisch-chemischen Verfahren wie PXRD, DSC, FTIR und SEM.

In einem In-vivo-Versuch an Wistar-Ratten mit einem Alzheimer-Modell zeigte sich laut den Forschenden eine signifikant verbesserte räumliche Gedächtnisfunktion, gemessen über den Morris-Water-Maze-Test. Ergänzend wurde eine histopathologische Untersuchung mittels Hämatoxylin-Eosin-Färbung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden von der Universität veröffentlicht.

Der Unpad-Ansatz reiht sich in eine wachsende Zahl paralleler Forschungsprojekte ein: Auch die Daegu-Gyeongbuk Medical Innovation Foundation (K-Medihub) und das Gyeongsangbuk-do Forest Environment Research Institute in Südkorea untersuchten kürzlich einen Extrakt aus Nachtkerzen-Sprossen, der über 14 Wochen oral an 5xFAD-transgenen Alzheimer-Mäusen verabreicht wurde. Dabei verbesserte sich die Lern- und Gedächtnisleistung deutlich, während Entzündungsmarker in Blut und Hirngewebe sanken und die Amyloid-Beta-Akkumulation im Gehirn signifikant reduziert wurde. Die Ergebnisse erschienen in den Fachzeitschriften Food Science and Biotechnology und Applied Biological Chemistry.

Grenzen der Bioverfügbarkeit

Trotz solcher Fortschritte bleibt eine zentrale Hürde bestehen: die geringe Aufnahmefähigkeit von Curcumin im menschlichen Körper. Nach Angaben des National Institutes of Health (NIH), zitiert von tuasaude.com, liegt die orale Bioverfügbarkeit von isoliertem Curcumin bei unter 2 Prozent.

Eine in Planta Medica veröffentlichte Studie zeigte allerdings, dass die Kombination von 2 Gramm Curcumin mit 20 Milligramm Piperin – dem scharfen Wirkstoff aus schwarzem Pfeffer – die Bioverfügbarkeit bei gesunden Probanden um bis zu 2.000 Prozent steigern kann, wenngleich die Studie nur mit einer kleinen Stichprobe arbeitete.

Fachleute empfehlen entsprechend, Kurkuma mit Pfeffer und Fett zu kombinieren, etwa einen Teelöffel pro Tag; bei chronischen Erkrankungen, der Einnahme von Antikoagulanzien oder in der Schwangerschaft sollte vorab ärztlicher Rat eingeholt werden.

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Warnung vor überzogenen Erwartungen

Der Kardiologe Aurelio Rojas mahnt laut einem Bericht von elconfidencial.com zur Vorsicht: Der Ruhm der Kurkumawurzel übersteige die tatsächliche wissenschaftliche Beweislage bei weitem. Er verweist darauf, dass das MD Anderson Cancer Center bereits 2012 eine Untersuchung zu Curcumin-Studien eröffnete und in der Folge 30 Studien wegen Bildmanipulation oder Problemen mit der Datenintegrität zurückgezogen wurden.

Zudem werde Curcumin im Körper schnell metabolisiert und nur in geringem Maße aufgenommen – ein Punkt, den bereits eine 2017 im Journal of Medicinal Chemistry erschienene kritische Übersichtsarbeit thematisierte.

Rojas zufolge zeigen spätere Arbeiten zwar einen gewissen Nutzen bei einzelnen Entzündungs- und Stoffwechselmarkern, sie belegten jedoch keine tatsächliche Vorbeugung von Krebs, Alzheimer oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auf molekularer Ebene wirkt Curcumin nach Angaben von tuasaude.com über eine Modulation von Entzündungswegen wie NF-?B, TNF-?, IL-6 und COX-2 – Mechanismen, die im Labor gut dokumentiert sind, deren klinische Übertragbarkeit auf den Menschen aber umstritten bleibt.

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Industrielle Anwendung als natürlicher Farbstoff

Neben der medizinischen Forschung spielt Kurkuma auch als natürlicher Farb- und Zusatzstoff eine wachsende Rolle. Laut naturalinru.com wird der aus dem Rhizom der Pflanze Curcuma longa gewonnene Extrakt in Südostasien angebaut und findet als natürliches Farbmittel mit antioxidativer, entzündungshemmender und immunregulierender Wirkung Verwendung – etwa in Backwaren, Getränken und Süßwaren, im Gesundheitswesen sowie in der Tierfuttermittelproduktion für Masthühner, Legehennen, Schweine und Wassertiere. Anbieter werben dabei mit Bio-Zertifizierung sowie GMO-, gluten- und allergenfreier Herstellung.

Ein Bericht von IndexBox bestätigt das wirtschaftliche Wachstumspotenzial dieses Marktsegments: Der Weltmarkt für mikroverkapselte Lebensmittelfarbstoffe soll zwischen 2026 und 2035 jährlich um 6 bis 9 Prozent wachsen.

Natürliche Farbstoff-Mikrokapseln machen demnach bereits heute 55 bis 65 Prozent des Marktwerts aus, bis 2035 soll dieser Anteil auf über 70 Prozent steigen. Die fünf größten Hersteller halten 50 bis 60 Prozent der Weltproduktion, wobei die Produktionskosten mikroverkapselter natürlicher Farbstoffe 50 bis 100 Prozent über denen nicht verkapselter Vergleichsprodukte liegen.

Zulassungsverfahren dauern demnach 12 bis 18 Monate, während wasserdispergierbare Pulver-Mikrokapseln eine Haltbarkeit von 18 bis 24 Monaten aufweisen. Größte Abnehmersegmente sind Getränke mit 30 Prozent sowie Milchprodukte und Tiefkühldesserts mit 25 Prozent Marktanteil.

Fazit

Die Forschung zu Kurkuma und seinem Hauptwirkstoff Curcumin zeigt ein zweigeteiltes Bild: Im Labor und in Tiermodellen liefern neue Formulierungen wie das co-amorphe System der Unpad-Forschenden vielversprechende Ansätze gegen neurodegenerative Prozesse.

Gleichzeitig mahnen Fachleute zur Zurückhaltung, solange belastbare klinische Daten am Menschen fehlen. Für Verbraucher bleibt Kurkuma vor allem als Gewürz und natürlicher Farbstoff relevant – mit einem wachsenden industriellen Markt, der von der wissenschaftlichen Debatte um seine gesundheitlichen Wirkungen weitgehend unabhängig verläuft.

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