Kunststoff-Protein, Forscher

Kunststoff-Protein: Forscher wandeln Plastik in essbare Kekse um

Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

US-Wissenschaftler präsentieren Verfahren, das Plastik und Agrarreste mithilfe modifizierter Hefen in proteinreiche Snacks umwandelt. Die NASA fördert das Projekt.

SIU-Forscher: Hefen verwandeln PET-Abfälle in essbare µBites-Kekse
Nahaufnahme von im Labor hergestellten Keksen aus mikrobiellem Protein neben wissenschaftlichen Apparaturen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Rahmen der ACS-Herbsttagung, die vom 23. bis 27. August 2026 in Chicago stattfand, präsentierten Wissenschaftler der Southern Illinois University (SIU) Carbondale einen technologischen Ansatz zur Bewältigung der weltweiten Kunststoffabfälle und der Nahrungsmittelknappheit.

Das Forschungsteam entwickelte ein Verfahren, bei dem modifizierte Hefen PET-Kunststoffe sowie landwirtschaftliche Abfälle in essbare Proteine umwandeln. Die daraus resultierenden Produkte, die unter dem Namen „µBites“ bekannt sind, wurden mithilfe von 3D-Drucktechnologie in Keksform gebracht.

Verfahren der oxidativen hydrothermalen Auflösung

Die technische Grundlage des Projekts bildet ein mehrstufiger Prozess. Zunächst wird das PET-Plastik einer sogenannten oxidativen hydrothermalen Auflösung unterzogen. Dabei wird das Material chemisch so aufgespalten, dass es als Nährboden für Mikroorganismen dienen kann. In der anschließenden Phase kommt ein Konsortium aus drei spezialisierten, genetisch modifizierten Hefestämmen zum Einsatz.

Diese Hefen sind darauf programmiert, die chemischen Bestandteile des aufgelösten Kunststoffs zu verarbeiten und dabei spezifische Inhaltsstoffe zu produzieren. Während ein Stamm für die Erzeugung von Proteinen verantwortlich ist, generieren die anderen Stämme Vanillin als Aromastoff sowie Beta-Carotin als Vitaminquelle. Das Endprodukt ist ein Hefeteig, der im 3D-Druckverfahren zu den µBites-Keksen verarbeitet wird.

Sensorische Bewertung und Sicherheitsaspekte

Ein wesentlicher Teil der aktuellen Untersuchungen betrifft die Akzeptanz und Sicherheit der synthetisierten Nahrungsmittel. Daten der Forscher deuten darauf hin, dass die µBites-Kekse sicher für den menschlichen Verzehr sind.

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In einem durchgeführten Geschmackstest erreichte das Produkt eine Bewertung von 6,5 von insgesamt 9 möglichen Punkten. Während die geschmackliche Zulassung durch offizielle Stellen noch aussteht, fielen Vorprüfungen der Geruchseigenschaften bereits positiv aus.

Die Forscher betonten, dass die Umwandlung von Plastik in Proteine, Vitamine und Aromen eine effiziente Methode darstellt, um Abfallstoffe direkt in den Nahrungsmittelkreislauf zurückzuführen. Dennoch steht eine endgültige behördliche Genehmigung für den breiten Verzehr noch aus.

Wirtschaftlichkeit und strategische Einsatzgebiete

Das Projekt wird unter anderem durch die NASA unterstützt, die im Rahmen der „Deep Space Food Challenge“ einen Zuschuss in Höhe von 25.000 US-Dollar gewährt hat.

Die Raumfahrtbehörde sieht in der Technologie Potenzial für die Versorgung von Weltraumsiedlungen, in denen Ressourcen knapp sind und Abfälle minimiert werden müssen. Weitere Einsatzgebiete könnten U-Boote oder Katastrophengebiete sein, in denen herkömmliche Lieferketten unterbrochen sind.

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Die Produktionskosten werden derzeit auf etwa 60 US-Dollar pro Kilogramm beziffert, was rund 51 Euro entspricht. Angesichts einer prognostizierten Steigerung der weltweiten Nahrungsmittelnachfrage um 35 bis 56 % bis zum Jahr 2050 gewinnt die Suche nach alternativen Proteinquellen an Bedeutung. Experten verweisen darauf, dass aktuell rund 30 % der Weltbevölkerung von Hunger bedroht sind.

Trotz der technologischen Fortschritte wird eine kommerzielle Anwendung der µBites erst in etwa 20 Jahren erwartet. Bis dahin müssen Fragen der Wirtschaftlichkeit, der langfristigen Sicherheit sowie regulatorische Hürden abschließend geklärt werden. Die Forscher der SIU Carbondale sehen in ihrem Verfahren jedoch einen wichtigen Baustein für eine zukünftige Kreislaufwirtschaft, die Kunststoffabfälle als wertvolle Ressource begreift.

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