Kunststoff-Kekse, Forscher

Kunststoff-Kekse: Forscher wandeln Plastikmüll in Eiweiß um

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wissenschaftler der SIU Carbondale entwickeln µBites: Aus PET-Abfällen entstehen per Biotechnologie Proteine und Vitamine für die Raumfahrt.

US-Forscher verwandeln PET-Kunststoff mit CRISPR-Hefen in essbare Kekse
Kleine, 3D-gedruckte Nährstoff-Proben in einer Petrischale in einem modernen Labor, im Hintergrund eine Hefekultur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Verwertung von Kunststoffabfällen könnte künftig über das klassische Recycling hinausgehen und einen Beitrag zur globalen Nahrungsmittelversorgung leisten.

Ein Forschungsteam der Southern Illinois University (SIU) Carbondale hat mit den sogenannten „µBites“ ein Konzept vorgestellt, bei dem Polyethylenterephthalat (PET) mithilfe biotechnologischer Prozesse in essbare Proteine und Vitamine umgewandelt wird.

Das Projekt, das im Rahmen eines Programms der US-Weltraumbehörde NASA entwickelt wurde, nutzt genetisch modifizierte Hefen, um synthetische Polymere in organische Nährstoffe zu transformieren.

Biotechnologische Veredelung von PET-Abfällen

Der Herstellungsprozess der µBites basiert auf einer Kombination aus chemischen und biologischen Verfahren. Zunächst werden PET-Kunststoffe sowie landwirtschaftliche Abfälle einer oxidativen hydrothermalen Auflösung unterzogen. Dabei wird das Material in kleinere, chemisch verwertbare Bestandteile zerlegt.

Im nächsten Schritt kommen Hefen zum Einsatz, die mittels der CRISPR-Technologie programmiert wurden. Diese Mikroorganismen sind in der Lage, die Abbauprodukte des Kunststoffs zu verstoffwechseln und dabei Proteine, Fette sowie spezifische Mikronährstoffe wie Beta-Carotin zu produzieren.

Neben den reinen Nährwerten erzeugen die Hefen auch Aromastoffe wie Vanillin, um die Akzeptanz des Endprodukts zu erhöhen. Die finale Formgebung der Nahrungsmittel erfolgt durch 3D-Druckverfahren, woraufhin die Masse in einer Mikrowelle zubereitet wird. Das Ergebnis sind Kekse, die laut den beteiligten Wissenschaftlern der Southern Illinois University Carbondale bereits einen positiven Geruchstest bestanden haben.

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Einsatzpotenziale in der Raumfahrt und Krisenvorsorge

Die Entwicklung der µBites ist eng mit den Anforderungen der modernen Raumfahrt verknüpft. Das Projekt wurde als Teil der „NASA Deep Space Food Challenge“ konzipiert, um Lösungen für die Ernährung von Astronauten auf mehrjährigen Missionen zu finden. In Umgebungen, in denen Ressourcen begrenzt sind und Abfallmanagement eine kritische Rolle spielt, bietet die Umwandlung von Verpackungsmaterialien in Lebensmittel einen doppelten Nutzeffekt.

Über die Raumfahrt hinaus sehen die Forscher Einsatzmöglichkeiten bei der Bekämpfung des Welthungers. Die Technologie könnte theoretisch dort eingesetzt werden, wo herkömmliche Landwirtschaft aufgrund klimatischer Bedingungen oder mangelnder Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Eine Präsentation der detaillierten Ergebnisse erfolgte im Rahmen der Fachtagung ACS Fall 2026, die vom 23. bis zum 27. August 2026 in Chicago stattfindet.

Herausforderungen bei der Skalierung und Zulassung

Trotz der technologischen Fortschritte steht die Kommerzialisierung des Verfahrens vor erheblichen Hürden. Kritiker geben zu bedenken, dass das Verfahren angesichts einer weltweiten Belastung von jährlich 400 Millionen Tonnen Plastikmüll derzeit noch keine umfassende Lösung für das globale Abfallproblem darstellt. Die Skalierbarkeit des Prozesses von der Laborumgebung auf ein industrielles Niveau ist bisher ungeklärt.

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Zudem stehen wichtige regulatorische Schritte noch aus. Zwar wird die biologische Sicherheit des Prozesses von der Forschungsgruppe betont und der Verzehr als unbedenklich eingestuft, doch die offizielle Genehmigung der Universität für umfassende Geschmackstests liegt derzeit noch nicht vor.

Das Team der Southern Illinois University hofft jedoch, dass die Technologie innerhalb weniger Jahre eine Marktreife erlangen könnte, um als ergänzende Nahrungsquelle in spezifischen Einsatzszenarien zur Verfügung zu stehen.

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