Künstliche Süßstoffe: Hoher Konsum hängt mit 62 Prozent schnellerem Verfall zusammen
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 05:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie aus Brasilien lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Ersatzstoffen für Zucker: Personen mit dem höchsten Konsum künstlicher Süßstoffe wiesen bei einer durchschnittlichen Aufnahme von 191 Milligramm pro Tag einen um 62 Prozent schnelleren kognitiven Verfall auf als jene in der Gruppe mit dem geringsten Verzehr.
Dieser Unterschied entspricht rechnerisch 1,6 Jahren zusätzlicher Alterung. Die Untersuchung reiht sich in eine wissenschaftliche Debatte ein, in der bereits im Jahr 2023 die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer Leitlinie eine bedingte Empfehlung gegen den Einsatz nicht-zuckerhaltiger Süßstoffe zur Gewichtskontrolle aussprach.
Stoffwechseleffekte und Blutzuckerreaktionen
Frühere Untersuchungen zu den metabolischen Folgen zeichnen ein differenziertes Bild. Eine Meta-Analyse von 29 randomisierten Studien mit insgesamt 741 Teilnehmenden ergab, dass die Blutglukose nach der Aufnahme von Sucralose nicht anstieg, sondern allmählich abfiel. Dieser Befund gilt für zuckerfreie Süßstoffe insgesamt.
In einer offenen, zwölfwöchigen Studie mit 210 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, die Zucker in Kaffee und Tee durch Sucralose ersetzten, blieben Langzeitblutzucker, Nüchternglukose, Blutfette und Entzündungswerte unverändert, während Gewicht, Body-Mass-Index (BMI) und Taillenumfang geringfügig sanken.
Wer sich mit den Auswirkungen von Süßstoffen auf den Stoffwechsel befasst, sollte auch seine persönlichen Vitalwerte im Blick behalten. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft überbewertet werden. Was verraten Ihre Blutwerte wirklich?
Demgegenüber zeigte eine kleine Studie über 14 Tage an 33 gesunden Erwachsenen, dass die Insulinsensitivität nach der Verabreichung von Sucralose sank. Bezüglich Sucralose wurden Haut und Schleimhaut bislang lediglich als Geschmackskorrektur geprüft.
Welche Mengen und Einnahmedauern für Effekte auf den Stoffwechsel und die Darmbakterien ausschlaggebend sind, gilt weiterhin als offen; entsprechende Protokolle zu Typ-2-Diabetes und Übergewicht laufen.
Eine systematische Übersicht über sieben randomisierte Studien mit 1.003 Teilnehmenden sowie 30 Kohortenstudien mit 405.907 Teilnehmenden zeigte keinen klaren BMI-Effekt in den randomisierten Studien, wenngleich in den Beobachtungsstudien ein leichter Anstieg verzeichnet wurde.
Gewichtsverlauf in der SWITCH-Studie
Praktische Auswirkungen auf das Körpergewicht untersuchte die an der University of Liverpool durchgeführte und im British Journal of Nutrition veröffentlichte randomisierte SWITCH-Studie. Über einen Zeitraum von 104 Wochen wurden 493 Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren mit moderatem Übergewicht (BMI 27 bis 35) beobachtet.
Die Gruppe mit Light-Getränken, die mit Aspartam, Acesulfam-Kalium und Sucralose gesüßt waren, verlor durchschnittlich 4,8 Kilogramm, während die Vergleichsgruppe mit Wasser einen Verlust von 3,7 Kilogramm verzeichnete; die Differenz von 1,1 Kilogramm war statistisch nicht signifikant.
Da künstliche Süßstoffe die geistige Fitness beeinflussen können, ist eine gezielte Unterstützung der kognitiven Leistungsfähigkeit besonders wichtig. Ein kostenloser Ratgeber zeigt, wie Sie Konzentration und Gedächtnis durch einfache Methoden nachhaltig stärken. Gedächtnis-Methoden jetzt kostenlos entdecken
Zwar stieg das Hungergefühl in beiden Gruppen leicht an, signifikant war dieser Zuwachs jedoch nur in der Gruppe mit Light-Getränken. Der Unterschied zwischen den Gruppen erwies sich als statistisch nicht bedeutsam. Erstautorin Joanne Harrold hielt fest, dass die Ergebnisse Vorbehalte bezüglich einer Appetitstörung oder Gewichtszunahme nicht stützten.
Allerdings brachen 55 Prozent der Probanden die Untersuchung vorzeitig ab, sodass nur 220 von 493 Teilnehmenden die Studie abschlossen. Finanziert wurde die Forschungsarbeit von der American Beverage Association; die beteiligten Wissenschaftler betonten, dass der Geldgeber keinen Einfluss auf Gestaltung, Analyse oder Interpretation der Daten genommen habe.
Behördliche Einstufungen zu Aspartam und Acesulfam-Kalium
Acesulfam-Kalium ist ein synthetischer, kalorienfreier Süßstoff mit etwa 200-facher Süßkraft gegenüber Saccharose. Er beeinflusst den Blutzuckerspiegel nicht, ist hitzestabil und wird in zuckerfreien Getränken, Milchprodukten, Desserts oder Kaugummis verwendet, häufig synergistisch mit Aspartam und Sucralose.
Frühe Studien deuten auf mögliche Veränderungen von Zusammensetzung und Funktion der Darmbakterien hin, wobei umfassendere Humanstudien ausstehen. Behörden wie die US-amerikanische FDA und die europäische EFSA bewerten die Substanz innerhalb der akzeptablen täglichen Aufnahmemenge (ADI) als sicher, die deutlich über dem typischen Verzehr liegt.
Aspartam, ein Dipeptid-Methylester aus Asparaginsäure und Phenylalanin, besitzt ebenfalls etwa die 200-fache Süßkraft von Saccharose. Es findet Einsatz in Diät-Limonaden, Joghurts, Pharmazeutika und Kosmetika, eignet sich wegen geringerer Hitzestabilität jedoch weniger für längeres Backen. Die IARC stufte Aspartam bei begrenzter Beweislage als möglicherweise krebserregend für den Menschen ein.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023, die 22 Kohortenstudien und 46 Fall-Kontroll-Studien umfasste, fand bei der Mehrheit der Untersuchungen keinen Zusammenhang zwischen zuckerfreien Süßstoffen und Krebs. Sowohl die FDA als auch die EFSA stufen Aspartam bei Einhaltung des ADI-Werts von 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag als sicher ein.
