Kudzu gegen Alkohol: Rauschtrink-Wochen sinken von 88 auf 58 Prozent
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin pflanzlicher Ansatz aus der traditionellen chinesischen Medizin rückt zunehmend in das Blickfeld der Suchtforschung: Eine randomisierte und placebokontrollierte Untersuchung unter Beteiligung der University of California, San Francisco (UCSF) widmete sich der Frage, ob Extrakte aus der Kudzupflanze das Verlangen nach Alkohol verringern können.
Die im American Journal of Psychiatry veröffentlichte Arbeit analysiert den Einsatz der Pflanze bei Personen mit diagnostizierter Alkoholgebrauchsstörung.
Studiendesign und messbare Effekte auf das Trinkverhalten
An der vom National Institutes of Health unter dem Förderkennzeichen NIH R01AA025930 unterstützten Untersuchung nahmen 120 Erwachsene mit einer Alkoholgebrauchsstörung teil.
Als Eingangskriterium galt unter anderem ein regelmäßiges Rauschtrinken von mindestens einmal pro Woche, definiert als der Konsum von mindestens fünf Drinks pro Anlass bei Männern beziehungsweise mindestens vier Drinks bei Frauen.
Über einen Zeitraum von zwölf Wochen hinweg erhielt eine Gruppe einen standardisierten Kudzu-Extrakt, während die Kontrollgruppe ein Placebo einnahm. Beide Studienarme wurden zudem durch wöchentliche Kurzberatungen begleitet.
Die Einnahme erfolgte bedarfsorientiert etwa 2,5 Stunden vor einem erwarteten hohen Alkoholkonsum. Im Rahmen der Untersuchung wurde eine Dosierung von 2.000 mg Kudzu-Extrakt bei akutem Verlangen verabreicht, was im Durchschnitt zu 32 Einnahmen über die drei Monate führte – umgerechnet rund 2,7-mal wöchentlich.
Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen:
- Die Zahl der Episoden mit Rauschtrinken pro Woche sank in der Kudzu-Gruppe von durchschnittlich 2,15 auf 1,42 Tage, während der Wert in der Placebo-Gruppe von 2,15 auf 2,06 Tage fiel.
- Der Anteil der Wochen mit Rauschtrinken verringerte sich bei den Probanden mit Kudzu-Gabe von 88 % auf 58 %, verglichen mit einem Rückgang von 88 % auf 81 % unter Placebo.
- Selbst drei Monate nach Beendigung der aktiven Interventionsphase verzeichneten die Forschenden in der Kudzu-Gruppe weiterhin signifikant weniger Tage mit exzessivem Alkoholkonsum.
Schwere Nebenwirkungen traten im Studienverlauf nicht auf, und im Vergleich zur Placebogruppe war keine Zunahme unerwünschter Begleiterscheinungen zu beobachten.
Wer sich für die Auswirkungen von Vitalstoffen auf die eigene Gesundheit interessiert, findet in diesem Leitfaden wertvolle Einblicke zur Interpretation wichtiger Körperwerte. Erfahren Sie in dem kostenlosen 25-Seiten-Report, welche Parameter wirklich entscheidend sind. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos herunterladen
Wirkmechanismus und medizinische Einordnung
Biochemisch steht insbesondere das Isoflavon Daidzin im Mittelpunkt des Interesses. Den wissenschaftlichen Erhebungen zufolge beeinflusst diese Substanz den Serotonin-Stoffwechselweg, was zu einem Anstieg von 5-Hydroxyindol-3-acetaldehyd führt. Erstautor Glenn-Milo Santos hob hervor, dass das Konzept einer Einnahme bei Bedarf eine Alternative zu starren täglichen Medikationsschemata darstellen könnte.
Frühere kleinere Untersuchungen hatten bereits Hinweise geliefert, dass Kudzu den Drang zu Alkoholexzessen dämpfen und teils die konsumierte Menge pro Trinkepisode senken kann. Nach Einschätzung von Fachleuten bleibt jedoch zu klären, wie stark der Effekt im klinischen Alltag tatsächlich ausfällt, wie lange ein therapeutischer Nutzen anhält und welche spezifischen Patientengruppen am stärksten profitieren.
Hoher Behandlungsbedarf und offene Forschungsfragen
Der Bedarf an zusätzlichen Behandlungsoptionen ist beträchtlich. Laut Daten der UCSF ist Rauschtrinken für mehr als 50 % der jährlich rund 80.000 Todesfälle infolge übermäßigen Alkoholkonsums in den USA verantwortlich.
Gleichzeitig erhalten weniger als 10 % der betroffenen Personen jemals eine entsprechende medikamentöse Therapie. Sollten künftige Studien die Resultate stützen, könnte ein standardisierter Extrakt eine kostengünstige Ergänzung zu bestehenden Beratungsangeboten, medizinischer Versorgung und Arzneimitteln darstellen.
Viele Menschen möchten ihre Gesundheitsvorsorge selbst aktiver gestalten und die Bedeutung ihrer medizinischen Daten besser verstehen. Dieser Ratgeber eines Vitalstoffexperten gibt praxisnahe Tipps, wie man die eigenen Werte richtig nutzt. Hier kostenlosen 25-Seiten-Report sichern
Zugleich weisen die Forschenden auf bestehende Limitationen hin. Neben der verhältnismäßig kleinen Stichprobengröße ist insbesondere die Beschaffenheit der Präparate entscheidend: In der Studie kam eine streng standardisierte Formulierung zum Einsatz, während frei im Handel erhältliche Nahrungsergänzungsmittel stark in Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt variieren. Rezeptfreie Supplemente seien wissenschaftlich nicht als Behandlungsmaßnahme belegt, betonen die Studienautoren.
Zudem deuten tierexperimentelle Daten zur Vorsicht: In einer Rattenstudie wurden bei sehr hohen Dosen Anzeichen einer Lebertoxizität beobachtet. Um die Wirksamkeit und vor allem die langfristige Sicherheit zweifelsfrei zu belegen, sind daher nach Ansicht des Forschungsteams umfassendere klinische Studien erforderlich.
