Kryptobetrug: 12,7 Milliarden Dollar Verluste in drei Jahren
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Überwachung digitaler Finanzströme steht international vor neuen Herausforderungen. Aktuelle Analysen der nigerianischen Financial Intelligence Unit (NFIU) sowie Berichte internationaler Aufsichtsbehörden verdeutlichen, wie Terrororganisationen und kriminelle Netzwerke zunehmend technologische Nischen nutzen, um staatliche Kontrollmechanismen zu umgehen. Besonders die Nutzung von Crowdfunding-Plattformen und digitalen Kleinsttransaktionen rückt dabei in den Fokus der Ermittler.
Verschleierungstaktiken in Nigeria: Crowdfunding und Mikrotransaktionen
Der Jahresbericht der NFIU für das Jahr 2025 gibt detaillierte Einblicke in die Methoden der Terrorfinanzierung in Westafrika. Den Erkenntnissen zufolge nutzen Akteure verstärkt Crowdfunding-Plattformen, Konten von Verstorbenen sowie sogenannte Geldmulis, um die Herkunft von Mitteln zu verschleiern. Ein zentrales Merkmal dieser Strategie ist die Durchführung von Mikrotransaktionen in einer Größenordnung von 50 bis 500 US-Dollar.
Durch diese geringen Beträge gelingt es den Akteuren häufig, etablierte Systeme zur Geldwäschebekämpfung zu umgehen, die auf größere Summen programmiert sind. Die Gelder werden laut dem Bericht zunächst auf Offshore-Sammelkonten gebündelt und anschließend über Remittance-Apps nach Nigeria transferiert.
Die NFIU hat diese Erkenntnisse bereits an nationale Sicherheitsbehörden wie den DSS, die EFCC sowie die NSA weitergeleitet, um die operativen Gegenmaßnahmen zu koordinieren.
Auswirkungen auf militärische Operationen
Die finanzielle Austrocknung zeigt laut nigerianischen Regierungsangaben bereits Wirkung. Der nigerianische Verteidigungsminister Christopher Musa wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Störung der Finanzierungsnetzwerke von Gruppen wie Boko Haram und ISWAP dazu geführt habe, dass diese Organisationen verstärkt auf Entführungen als alternative Einnahmequelle angewiesen seien.
Um dieser Entwicklung zu begegnen, hat das nigerianische Militär seine Kapazitäten von 8 auf 12 Divisionen erweitert. In den vergangenen Monaten konnten zudem über 700 entführte Personen befreit werden. Die enge Zusammenarbeit zwischen der NFIU und dem Militär gilt als wesentlicher Baustein dieser Sicherheitsstrategie.
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Kryptowährungen und internationales Krypto-Laundering
Nicht nur in Afrika, auch auf globaler Ebene nutzen kriminelle Organisationen digitale Vermögenswerte. US-Behörden führten im Jahr 2025 mehrere Aktionen durch, um die Finanzierung der Al-Qassam-Brigaden der Hamas zu unterbinden. Dabei wurden unter anderem am 25. März, 25. Juni und 10. Oktober 2025 Durchsuchungsbeschlüsse umgesetzt, die zur Beschlagnahmung von über 560.000 US-Dollar in Kryptowährungen führten.
Bereits im März 2025 konnten 201.400 US-Dollar aus einem Netzwerk sichergestellt werden, das seit Ende 2024 Transaktionen im Wert von über 1,5 Millionen US-Dollar verarbeitet hatte.
Auch im Bereich der organisierten Kriminalität spielen digitale Währungen eine wachsende Rolle. So bekannte sich der mexikanische Staatsbürger Carlos Érick Vázquez González schuldig, rund 4 Millionen US-Dollar für das Cartel Jalisco Nueva Generierung über Kryptowährungen gewaschen zu haben. Er erhielt für den Tausch von digitalen Währungen in US-Dollar eine Provision von 40.000 US-Dollar. Ein Urteil in diesem Fall wird für den 17. Dezember erwartet.
Zunahme von Anlagebetrug und informellen Geldnetzen
Neben der Terrorfinanzierung bereitet der massive Anstieg von Anlagebetrug den Regulierungsbehörden Sorgen. Die US-Behörde FinCEN meldete für den Zeitraum von September 2023 bis Dezember 2025 insgesamt 33.904 Meldungen über Investmentbetrug mit digitalen Vermögenswerten, die ihren Ursprung in Kambodscha, Laos und Burma haben. Das Gesamtvolumen dieser Betrugsfälle beläuft sich auf 12,7 Milliarden US-Dollar.
Dabei stiegen die monatlichen Meldungen im Schnitt um 18 Prozent. Die Täter nutzten vor allem Ethereum sowie die Stablecoins USDT und USDC. Um diese grenzüberschreitende Kriminalität zu bekämpfen, unterzeichneten das US Attorney's Office for DC sowie britische Strafverfolgungsbehörden wie die National Crime Agency ein Memorandum of Understanding zur gemeinsamen Bekämpfung von Scam-Centern.
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Die Notwendigkeit dieser Kooperation zeigen die Zahlen: Die gemeldeten Verluste durch Cyber-basierten Anlagebetrug in den USA stiegen von 4,57 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 8,65 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.
Parallel dazu beobachten internationale Gremien wie die FATF die Evolution informeller Geldnetzwerke (Hawala). Über 80 Prozent der untersuchten Jurisdiktionen bezeichnen dieses Underground-Banking als Hauptmethode der Geldwäsche.
Fast 70 Prozent der befragten Experten berichteten vom Aufstieg des sogenannten „digitalen Hawala“, bei dem traditionelle informelle Systeme durch digitale Werkzeuge ergänzt werden, um kriminelle Erlöse schnell und unauffällig zu bewegen. Einige dieser Systeme transferierten laut FATF innerhalb weniger Monate über 500 Millionen Euro.
