Krypto-Diebstahl bei Ledger: 93,2 Millionen Dollar aus 315 Wallets abgeflossen
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 00:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Berichte über einen versteckten Chip in Hardware-Wallets des Herstellers Ledger sorgen für erhebliche Verunsicherung unter Krypto-Anlegern. Nach Berichten über umfangreiche Krypto-Diebstähle steht der Verdacht im Raum, dass unautorisierte Hardware sensible Nutzerdaten ausliest und digitale Vermögenswerte kompromittiert.
Der Hersteller bestätigte am 10. Oktober 2026 die Existenz eines unautorisierten Hardware-Implantats in mindestens einem Gerät, das über den südostasiatischen Wiederverkäufer CryptoBilis vertrieben worden war.
Spionagemodule hinter dem Display entdeckt
Erste physische Nachweise lieferte unter anderem der frühere Mt.-Gox-Chef Mark Karpelès, der am 9. Oktober 2026 in einem aus Malaysia stammenden Ledger Nano X hinter dem Display ein zusätzliches Modul vorfand. Das Implantat umfasste einen Mikrocontroller des Typs ST STM32G431KBU6 mit Arm Cortex-M4 und 128 KB Flash, eine eSIM im Format 2×2 mm, LTE-Hardware sowie eine Antenne.
Technische Analysen ergaben, dass die verlötete Schaltung Display-Ausgaben und Tasteneingaben erfasst und die Seed-Phrase über das Mobilfunknetz versendet. Untersuchungen von Tibane Labs identifizierten mehrere Generationen des Implantats, darunter Konstruktionen mit kleinerem Ersatzakku sowie Varianten, die unter dem OLED-Display mit dem Originalakku verbaut wurden.
Die internen Schutzmechanismen der Geräte versagten vor dieser physischen Manipulation. Ledger warnte am 10. Oktober 2026 davor, dass die softwareseitige Integritätsprüfung unautorisierte physische Modifikationen nicht erkennt, solange das zertifizierte Secure Element intakt bleibt.
Millionenschwere Krypto-Abflüsse über mehrere Blockchains
Die nicht autorisierten Überweisungen bei Kunden von CryptoBilis begannen am 9. Oktober 2026. Am selben Tag flossen unter anderem 1.254 ETH in den Krypto-Mixer Tornado Cash. Zudem wurden 25 TRON-Wallets innerhalb von drei Sekunden geleert. Ein betroffener Käufer verlor wenige Tage nach der Einrichtung 80 Bitcoin.
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Das genaue Ausmaß der Schäden wird von verschiedenen Analysehäusern unterschiedlich beziffert. Eine Auswertung von Bitquery zeigte Abflüsse von 93,2 Mio. US-Dollar aus 315 Wallets über sechs Blockchains hinweg, darunter TRON, Bitcoin, Ethereum, BNB Chain, Polygon und Solana. Den größten Anteil machten Bestände auf TRON mit rund 70,5 Mio. US-Dollar sowie Bitcoin mit etwa 16,8 Mio. US-Dollar aus.
YFarmX ermittelte Abflüsse von 94,5 Mio. US-Dollar aus 521 Adressen und schätzte den potenziellen Gesamtschaden auf über 100 Mio. US-Dollar. Weitere Schätzungen von On-Chain-Forschern belaufen sich auf 86 bis 93 Mio. US-Dollar aus über 300 Wallets. Ledger selbst bestätigte bisher keine finale Schadenssumme.
Teile der entwendeten Gelder konnten gestoppt werden: Tether fror rund 10 Mio. US-Dollar USDT ein. Am 11. Oktober 2026 lagen zudem weitere 5,35 Mio. US-Dollar USDC in Wallets, die für ein Einfrieren durch Circle infrage kamen, während rund 81 Mio. US-Dollar weiterhin onchain nachverfolgbar blieben.
Ermittlungen und Empfehlungen für Betroffene
Der Reseller CryptoBilis, dessen Anteile laut Unterlagen vom 3. August 2026 vollständig an einen neuen Eigentümer übergingen, stoppte am 10. Oktober 2026 den Verkauf und Versand sämtlicher Hardware-Wallets. In einem Update vom 11. Oktober 2026 betonte Ledger, dass alle bestätigten Fälle des Vorfalls vom 9. Oktober 2026 Geräte beträfen, die über diesen Reseller in Südostasien verkauft wurden.
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Die eigene Infrastruktur sowie der Direktvertrieb seien nicht kompromittiert. Parallel kursierten Berichte von Nutzern über mögliche Fälle in Europa und bei weiteren Modellen, die von Ledger bislang nicht bestätigt wurden.
Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben mit Ermittlungsbehörden und der Sicherheitsinitiative SEAL 911 zusammen und richtete einen Bug-Bounty-Kanal ein. Kunden, die in den vergangenen 90 Tagen ein Gerät erworben haben, wird empfohlen, ungenutzte Wallets nicht zu initialisieren.
Bereits eingerichtete Konten sollten auf ein neues Gerät mit einer neu generierten Seed-Phrase übertragen werden. Zugleich warnte Ledger vor Betrugsversuchen und stellte klar, dass der Hersteller niemals nach der 24-Wort-Recovery-Phrase frage.
