Kroatiens, Ankerpreise

Kroatiens Ankerpreise: Start am 1. Oktober verschoben, neuer Rahmen geplant

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 20:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach Kritik aus der Wirtschaft soll die Preiskennzeichnung überarbeitet werden; ein neues Modell mit Grundpreis ist für November vorgesehen.

Kroatien verschiebt Ankerpreise und plant neuen Rahmen ab November
Ein minimalistischer, leerer Gastraum eines Restaurants mit hellen Holzmöbeln und natürlichem Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die kroatische Regierung verfolgt mit der Einführung sogenannter Ankerpreise das Ziel, die Preistransparenz für Verbraucher in der Dienstleistungs- und Gastronomiebranche zu erhöhen. Eine ursprünglich für Anfang Oktober 2026 vorgesehene Regelung sollte weite Teile des privaten Sektors dazu verpflichten, neben dem aktuellen Preis auch einen Referenzwert aus dem September 2026 auszuweisen.

Jüngste Entwicklungen deuten jedoch auf eine zeitliche Verschiebung und inhaltliche Anpassung des Vorhabens hin, da erhebliche Bedenken hinsichtlich des administrativen Aufwands laut wurden.

Kernpunkte der geplanten Preiskennzeichnung

Nach den im kroatischen Amtsblatt vom 11. September 2026 veröffentlichten Plänen müssen Restaurants, Cafés, Handwerksbetriebe, Friseure, Kosmetiker, Mietwagenverleiher und Einzelhändler ihre Preisauszeichnung anpassen.

Die Regelung sieht vor, dass neben dem aktuellen Verkaufspreis ein Referenzpreis vom 10. September 2026 angegeben werden muss. Diese beiden Werte sind unmittelbar nebeneinander und klar erkennbar zu platzieren. Diese Pflicht gilt laut der Veröffentlichung auch dann, wenn der Preis seit dem Stichtag unverändert geblieben ist.

Die Transparenzvorgaben erstrecken sich zudem auf sämtliche Werbeformate, darunter Flyer, Plakate, digitale Anzeigen und Websites. Für Unternehmen mit einer Internetpräsenz wurde festgelegt, dass Preislisten in maschinenlesbaren Formaten wie CSV oder XML veröffentlicht werden müssen.

Diese Listen sind an Werktagen bis 8 Uhr morgens zu aktualisieren, wobei ältere Versionen für mindestens 30 Tage öffentlich zugänglich bleiben müssen. Bei Sonderangeboten erhöht sich die Informationspflicht auf mindestens drei Preisangaben. Ausgenommen von diesen spezifischen Regeln sind lediglich Unterkunftspreise.

Für bestimmte Warenkategorien, die bereits früher erfasst wurden – darunter Lebensmittel, Getränke sowie Reinigungs- und Toilettenartikel –, bleibt der Referenzwert vom 2. Mai 2025 bestehen, ohne dass eine doppelte Kennzeichnung im selben Format wie bei den neuen Dienstleistungskategorien erforderlich ist.

Kritik aus der Wirtschaft und rechtliche Vorbehalte

Die angekündigten Maßnahmen stießen bei Branchenvertretern auf deutliche Ablehnung. Der kroatische Gastronomieverband, vertreten durch Präsident Franz Letica, bezeichnete die Regelung als verwirrend und gab bekannt, dass Gastronomen rechtliche Schritte prüfen würden.

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Gordan Šesti? von der kroatischen Wirtschaftskammer (HGK) kritisierte, dass die Entscheidung ohne vorherige Konsultationen getroffen worden sei. Er wies darauf hin, dass Preislisten innerhalb von nur 15 Tagen neu gedruckt werden müssten.

Auch die Arbeitgebervereinigung HUP warnte vor den administrativen Belastungen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Laut Ana Kneževi? vom Verbraucherschutzverband HUZP hätten Konsumenten keinen unmittelbaren Nutzen von der Maßnahme, da sie den Preisanstieg nicht stoppe. Es bestehe zudem die Sorge, dass Handwerker aufgrund der digitalen Pflichten ihre Websites schließen könnten. Gastronomen aus Rijeka reichten bereits eine Verfassungsbeschwerde gegen die Verordnung ein.

Demgegenüber steht die Position der kroatischen Landwirtschaftskammer (HPK). Deren Präsident Željko Miheli? begrüßte die Einführung der Ankerpreise, merkte jedoch an, dass ein Preisetikett allein nicht aufzeige, an welcher Stelle der Lieferkette eine Verteuerung tatsächlich entstehe.

Ministerielle Anpassung und wirtschaftlicher Hintergrund

Aufgrund der massiven Einwände von Unternehmern und Händlern kündigte der kroatische Wirtschaftsminister Ante Šušnjar an, die für den 1. Oktober 2026 geplante Einführung zu verschieben. Die im September veröffentlichten Entscheidungen sollen zurückgezogen werden.

Stattdessen sei für November 2026 ein neuer Rahmen geplant, der einen „Grundpreis“ und eine Pflicht zur Veröffentlichung von Preislisten vorsieht, dabei jedoch Ausnahmen für bestimmte Betriebe berücksichtigen soll. Das Ziel, die Verbraucherinformation zu verbessern, bleibe bestehen.

Der regulatorische Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund einer starken Teuerung. Statistiken belegen, dass die Preise in Kroatien im Zeitraum von 2015 bis 2024 um 70 % gestiegen sind.

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Eine Umfrage des Portals tportal vom 27. September 2026 unter 829 Teilnehmern verdeutlicht das geteilte Echo in der Bevölkerung: Während 37,3 % die Maßnahme als sinnvoll erachten, halten ein ebenso großer Anteil von 37,3 % die Regelung für unnötig kompliziert. Rund ein Viertel der Befragten gab an, ohnehin nur auf den aktuellen Preis zu achten.

Bei Verstößen gegen die Kennzeichnungspflichten wurden ursprünglich Bußgelder von bis zu knapp 2.000 Euro vorgesehen, während für Handelsketten und GmbHs Strafen von bis zu 27.000 Euro im Raum stehen. Ob diese Strafmaße im neuen Entwurf für November erhalten bleiben, ist Gegenstand der laufenden politischen Abstimmungen.

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