Kreislaufwirtschaft, Pilotanlage

Kreislaufwirtschaft: Pilotanlage in Leuna produziert 15.000 Tonnen Protein

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Von Protein aus Melasse bis zu Recyclingbeton: Zahlreiche Pilotprojekte treiben die Transformation zur ressourcenschonenden Wirtschaft voran.

Kreislaufwirtschaft: Industrie entdeckt Abfälle als wertvolle Rohstoffquellen
Moderne industrielle Anlage zur Abfallverwertung und Rohstoffrückgewinnung in einer technologischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Industrie entdeckt Abfälle als wertvolle Rohstoffquellen. Ob Proteine aus Melasse, Recyclingbeton oder geschlossene Reifenkreisläufe – die Transformation hin zu einer ressourcenschonenden Wirtschaft gewinnt an Fahrt.

Protein aus Melasse: Pilotanlage in Leuna

In Leuna entsteht eine industrielle Pilotanlage zur Gewinnung von Protein aus Melasse, einem Nebenprodukt der Zuckerherstellung. Das Projekt nutzt einen 24-stündigen Fermentationsprozess und soll jährlich bis zu 15.000 Tonnen Eiweiß produzieren. Der Rohproteingehalt liegt dabei über 60 Prozent. Die Produktion soll in der ersten Jahreshälfte 2028 anlaufen. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Vorhaben mit bis zu 5,46 Millionen Euro.

Parallel dazu setzt der Handel auf Insekten zur Verwertung von Lebensmittelresten. Ein Gemeinschaftsunternehmen von Prezero und Reploid plant in Buchen eine Anlage, die täglich 50 bis 100 Tonnen organische Abfälle verarbeitet. Larven der Schwarzen Soldatenfliege wandeln die Reste in Proteine, Fette und Düngemittel um. Die kartellrechtliche Freigabe steht noch aus.

Recycling: Von Baustoffen bis zu Altreifen

Im Baubereich läuft die nassmechanische Aufbereitung mineralischer Abfälle auf Hochtouren. In Achstetten ging eine neue Bodenwaschanlage mit einer Kapazität von 250.000 Tonnen pro Jahr in Betrieb. Zusammen mit einem bestehenden Standort erreicht das Netzwerk eine Gesamtkapazität von einer halben Million Tonnen jährlich. Ein weiterer Standort in Offingen ist bereits geplant. Der dort produzierte Recyclingbeton nutzt Zement mit reduziertem Klinkeranteil und hohen Anteilen an Recyclingkörnungen.

Die Automobilzulieferindustrie startete ein „Tyre-to-Tyre“-Projekt für geschlossene Reifenkreisläufe. Durch Pyrolyse von Altreifen aus deutschen Sammlungen und Ausschussmaterial entstehen wiedergewonnener Industrieruß (rCB) und Pyrolyseöl (TPO). Der Ruß ersetzt direkt konventionelles Material in der Reifenherstellung. Das Öl dient als Basis für zertifizierten Synthesekautschuk. Beteiligt sind Unternehmen aus Pyrolyse-Technik, Chemie und Reifenproduktion.

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Steigende Rohstoffkosten und regulatorischer Druck zwingen zum Umdenken. Die Pilotanlage in Leuna zeigt, wie aus Melasse 15.000 Tonnen Protein pro Jahr entstehen – gefördert mit 5,46 Millionen Euro aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Erfahren Sie in unserem Leitfaden, wie Sie Ihr eigenes Kreislaufprojekt finanzieren und die richtige Technologie scouten. Kostenlosen Leitfaden anfordern

Neue Wege für Klärschlamm und Agrarreste

Auch kommunale Infrastruktur und Agrarabfälle bieten Potenzial. Das sächsische Verbundprojekt „ReKlär“ entwickelt ein System zur wirtschaftlichen Klärschlammverwertung für kleine und mittlere kommunale Anlagen. Die Sächsische Aufbaubank finanziert das Projekt mit 1,9 Millionen Euro.

In Vietnam wird die Nutzung von Durian-Schalen erprobt. Ein Pilotmodell wandelt die Schalen in Biokohle um, die als Dünger oder Brennstoff dient. Eine Anlage in Quang Ninh nutzt ein hydrothermales Karbonisierungsverfahren, für das im Mai 2025 ein Patent erteilt wurde. Sie transformiert gemischte Abfälle innerhalb von zwei Stunden in Biokohle und Flüssigdünger.

In Estland untersuchen Forscher die Extraktion von Calciumcarbonat aus Ölschieferasche. Das Verfahren bindet CO2 aus der Luft und stellt Rohstoffe für die Bau- und Kunststoffindustrie bereit.

Batterien und Textilien im Kreislauf

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Fehlende skalierbare Technologien bremsen viele Kreislaufprojekte. Dabei liefern Beispiele wie die Bodenwaschanlage in Achstetten (250.000 Tonnen Kapazität) oder das Tyre-to-Tyre-Projekt mit Pyrolyse konkrete Blaupausen. Unser Schritt-für-Schritt-Guide zeigt, wie Sie Technologien bewerten und Ihr Pilotprojekt aufsetzen. Technologie-Scouting-Guide jetzt sichern

Die Kreislaufwirtschaft erfasst zunehmend technologisch anspruchsvolle Produkte. In Indien entsteht eine großtechnische hydrometallurgische Anlage für das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien – betrieben von einem neu gegründeten Joint Venture.

Im Textilsektor belegen Untersuchungen die Machbarkeit geschlossener Kreisläufe für Bodenbeläge. Versuche zeigten: 100 Prozent recyceltes Polyester-Teppichmaterial lässt sich ohne Zugabe von neuem Polymer zu Garnen verarbeiten, die für neue Teppiche geeignet sind.

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