Kreislaufwirtschaft im Einzelhandel: Fundfabrik mit 120.000 Artikeln eröffnet
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Second-Hand-Kaufhäuser, Pfandsysteme für Kosmetik und Reparatur-Cafés: Der Einzelhandel entdeckt die Kreislaufwirtschaft. In Freiburg öffnete am Samstag die „Fundfabrik“ – mit 3.000 Quadratmetern eines der größten Gebrauchtwarenhäuser Deutschlands.
Der regionale Abfallwirtschaftsbetrieb betreibt das Projekt auf drei Etagen mit rund 120.000 Artikeln. Spenden von Wertstoffhöfen werden geprüft, aufbereitet und günstig weiterverkauft. Bücher kosten teils nur ein bis zwei Euro, Uhren weniger als zehn Euro. Filialleiter Torsten Freese berichtet von enormer Resonanz – zeitweise musste der Einlass gestoppt werden.
Spezialgeschäfte und Mehrweg-Pfand für Kosmetik
Auch kleinere Konzepte setzen auf Gebrauchtes. In Tübingen eröffnete am Samstag „Greta – Slow Fashion“. Inhaberin Jana Chrobok kombiniert Second-Hand-Mode mit persönlicher Beratung, um die Nutzungsdauer von Textilien zu verlängern.
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Das Heilbronner Start-up Reo geht einen anderen Weg: Es testet ein Pfandsystem für Kosmetikverpackungen in acht Filialen eines großen Lebensmittelhändlers. Leere Shampooflaschen kosten 29 Cent Pfand, die Rückgabe erfolgt an Automaten. Gründerin Steffanie Rainer rechnet vor: Bei fünffacher Wiederverwendung von einer Million Verpackungen ließen sich bis zu 61 Tonnen CO2 einsparen. Die Pilotphase läuft, eine bundesweite Ausweitung ist geplant.
Reparieren statt wegwerfen
Der Bedarf an Reparaturangeboten ist riesig. Rund 920.000 Tonnen Elektrogeräte landeten 2024 in Deutschland im Abfall – viele davon wären nach Einschätzung von Fachleuten noch rettbar gewesen. Das Leipziger „Café Kaputt“ bietet seit August wöchentliche Reparaturtermine an. Die Idee: Hilfe zur Selbsthilfe, damit Technik länger hält. Ein Vernetzungstreffen am 26. August soll die Reparatur-Szene stärker verzahnen.
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Preis bleibt der Knackpunkt
Doch die gute Nachricht fürs Klima hat eine Grenze: Zwar bekennen sich rund 60 Prozent der Deutschen zur Nachhaltigkeit – aber nur jeder Fünfte zahlt dafür einen Aufpreis. Und der liegt meist bei maximal fünf Prozent.
Neue Versorgungsmodelle setzen deshalb auf andere Vorteile. In Oettingen eröffnete am Samstag Bayerns erster personalloser Mini-Baumarkt – rund um die Uhr zugänglich. Und die Genossenschaftskette „Tante Enso“ will weitere Standorte übernehmen, sobald in den Regionen genügend Anteile gezeichnet sind.
Der Erfolg nachhaltiger Konzepte hängt also von einer einfachen Formel ab: günstige Preise, kurze Wege und Technik, die den Alltag erleichtert.
