Krebsversorgung: 100 Millionen Fachkräfte weltweit bis 2050 gesucht
03.06.2026 - 02:01:46 | boerse-global.deDer Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité, Heyo Kroemer, schlug am Dienstag Alarm: Das System sei nicht auf den demografischen Wandel vorbereitet.
Die Lage ist paradox. Qualifizierte Arbeitskräfte fehlen – gleichzeitig kehren sie als ältere Patienten zurück. Allein die Charité verliert laut Prognosen in den nächsten zehn Jahren ein Drittel ihrer Belegschaft durch Renteneintritte.
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Prävention als Ausweg – doch das Geld fehlt
Seit 2020 setzt das Universitätsklinikum auf die Strategie „Gesundheit neu denken". Ein Beispiel: das geplante Herz-Kreislauf-Präventionszentrum am Campus Benjamin Franklin. Eine Spende von Friede Springer in Höhe von 70 Millionen Euro macht es möglich.
Der Haken: Trotz Verankerung im Koalitionsvertrag fließen gerade einmal 0,2 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen in die Gesundheitsförderung. Das ist zu wenig, um den Trend zu brechen.
Reformpläne verschärfen die Misere
Dazu kommen politische Reformvorhaben, die das System zusätzlich belasten. Frank Bergmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, kritisierte die Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) scharf.
Die geplante Streichung außerbudgetärer Vergütungen für Zusatztermine könnte in der Region Nordrhein über eine Million Sprechstunden kosten. Besonders betroffen: die psychotherapeutische und onkologische Versorgung.
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Weltweit fehlen 100 Millionen Krebshelfer
Die Probleme sind nicht nur national. Die Lancet Oncology Commission prognostiziert bis 2050 eine globale Lücke von rund 100 Millionen Beschäftigten in der Krebsversorgung. Besonders dramatisch: 65 Millionen fehlende Pflegekräfte und 16 Millionen fehlende Diagnostiker.
Die Zahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen soll von etwa 20 Millionen (2022) auf über 35 Millionen (2050) steigen. Rund 70 Prozent der Neudiagnosen werden in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen erwartet. Die Versorgungsunterschiede sind enorm: Während die Fünf-Jahres-Überlebensraten in Nordamerika bei über 60 Prozent liegen, erreichen sie in Afrika lediglich rund 34 Prozent.
Die Studienautoren fordern dringende Investitionen in Ausbildung, digitale Gesundheitstechnologien und künstliche Intelligenz.
Deutsche Kliniken in der roten Zone
Die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Das Krankenhaus-Konjunkturbarometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) wies am 1. Juni ein Geschäftsklima-Saldo von minus 63 aus – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebungen.
74 Prozent der Krankenhäuser bewerten ihre Lage als unbefriedigend. Bei Häusern mit mehr als 600 Betten stieg der Wort auf 95 Prozent. Die Liquiditätsreserven sind vielerorts aufgebraucht: Die Median-Liquidität reicht nur noch für sechs Wochen.
Gerald Gaß, Vorstand der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), spricht von einem wirtschaftlichen Notruf. Institute wie das RWI und das IGES-Institut prognostizieren im Zuge der Krankenhausreform einen massiven Strukturwandel. Bis zu 900 Kliniken könnten umstrukturiert oder geschlossen werden – mit dem Wegfall von 40.000 bis 60.000 Betten.
Schweiz: Abhängigkeit von ausländischen Ärzten
Ähnliche Warnungen kommen aus der Schweiz. FMH-Präsidentin Yvonne Gilli wies auf die hohe Abhängigkeit von ausländischem Fachpersonal hin: Drei von vier Ärzten stammen aktuell aus dem Ausland.
Gilli kritisierte jahrelange Versäumnisse bei den inländischen Ausbildungskapazitäten und fehlende Mittel für die Digitalisierung. Der Trend zur Teilzeitbeschäftigung verschärft die Lage: Oft braucht es zwei junge Mediziner, um eine Vollzeitstelle der in Rente gehenden Babyboomer-Generation zu ersetzen.
Schmerztherapie vor dem Aus
Auch spezialisierte Fachbereiche geraten unter Druck. Die Deutsche Schmerzgesellschaft warnte, dass rund 22 Prozent der Standorte für interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (IMST) existenzgefährdet seien.
Das Problem: Diese Therapieform bietet kaum Renditepotenzial. Die Deckelung von Pflegebudgets führt dazu, dass Versorgungskapazitäten abgebaut werden – obwohl Patienten bereits jetzt jahrelang auf Behandlungsplätze warten.
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