Krebstherapie: Personalisierte Immuntherapien erzielen 40% Heilungsraten
30.05.2026 - 18:21:32 | boerse-global.de
Der Kampf gegen den Krebs wird immer präziser. Personalisierte Immuntherapien, zielgerichtete Medikamente und künstliche Intelligenz treiben die Onkologie rasant voran. Das zeigt der diesjährige ASCO-Kongress in Chicago.
Rund 40.000 Experten aus über 100 Ländern kamen Ende Mai 2026 in der US-Metropole zusammen. Die Botschaft war klar: Die Ära der Standardtherapie neigt sich dem Ende zu. Stattdessen rücken maßgeschneiderte Behandlungen auf Basis individueller Genprofile und Tumor-Eigenschaften in den Fokus.
Immuntherapie: Hoffnung für resistente Tumore
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Die Immuntherapie bleibt ein zentraler Pfeiler der klinischen Fortschritte. Besonders vielversprechend sind personalisierte Krebsimpfstoffe und bispezifische T-Zell-Aktivierer. Diese nutzen die Analyse von Tumorgenen, um das Immunsystem gezielt gegen bestimmte Antigene zu trainieren.
Bei Lymphomen erzielen Zelltherapien bereits Heilungsraten von bis zu 40 Prozent. Die Forschung konzentriert sich nun darauf, diese Erfolge auf Brust-, Lungen- und Darmkrebs zu übertragen.
Am heutigen Samstag vorgestellte Daten zeigen einen weiteren Durchbruch: Die Kombination der onkolytischen Immuntherapie RP1 mit dem Wirkstoff Nivolumab erzielte bei Patienten mit Anti-PD-1-resistentem Melanom eine mediane Gesamtüberlebenszeit von 32,9 Monaten. Der Hersteller Replimune Group kündigte bereits an, noch im Mai einen Zulassungsantrag bei der US-Arzneimittelbehörde FDA einzureichen.
Ein weiterer vielversprechender Kandidat ist IMA401. Dieser bispezifische T-Zell-Aktivierer richtet sich gegen das intrazelluläre Tumorantigen MAGEA4/8. In einer Studie mit 61 Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren zeigte sich das Mittel als gut verträglich. Bei mehreren Kopf-Hals-Tumoren beobachteten die Forscher eine Verkleinerung der Geschwulste. Die mediane Ansprechdauer lag bei 8,8 Monaten.
Präzisionsmedizin: Pillen statt Chemotherapie
Besonders beeindruckend sind die Fortschritte bei zielgerichteten Therapien. Die Phase-3-Studie WU-KONG28 verglich die orale Tablette Sunvozertinib mit herkömmlicher Chemotherapie bei fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) mit EGFR-Exon20ins-Mutationen. Das Ergebnis: Sunvozertinib verlängerte das progressionsfreie Überleben auf über zehn Monate – gegenüber 7,5 Monaten unter Chemotherapie. Die Tumorrückbildungsrate erreichte 58,9 Prozent.
Noch deutlicher fiel der Erfolg bei Bauchspeicheldrüsenkrebs aus. Der orale Pan-RAS-Inhibitor Daraxonrasib verdoppelte das Gesamtüberleben nahezu: von 6,7 auf 13,2 Monate im Vergleich zur Chemotherapie. Das belegt die RASolute-302-Studie.
Merck & Co. erhielt Ende Mai den FDA-„Breakthrough Therapy"-Status für Calderasib. Der orale KRAS-G12C-Hemmer soll künftig in der Erstlinientherapie von fortgeschrittenem NSCLC eingesetzt werden.
Neue Angriffspunkte entdeckt
Die Forschung der Universitätsmedizin Magdeburg identifizierte das Enzym DUSP14 als potenzielles neues Ziel bei Darmkrebs. Wird dieses Enzym blockiert, verlangsamt sich das Tumorzellwachstum. Die Wissenschaftler fanden zudem 31 assoziierte Gene, die als künftige therapeutische Ansatzpunkte dienen könnten. Die Ergebnisse wurden im International Journal of Cancer veröffentlicht.
KI und Diagnostik: Schneller, präziser, besser
Die Technologie hält rasant Einzug in die Onkologie. Tempus AI erhielt am 29. Mai die FDA-Zulassung für die „Tumor-only"-Indikation seiner xT CDx-Plattform. Dieser Hochdurchsatz-Sequenzierungstest deckt 648 Gene ab und dient als Begleitdiagnostik für Darmkrebstherapien. Besonders praktisch: Tumorproben können auch ohne passendes Normalgewebe verglichen werden.
In Deutschland fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt „TriNova" an der HHU Düsseldorf mit 1,59 Millionen Euro über 36 Monate. Das Projekt nutzt künstliche Intelligenz, um neue Wirkstoffe gegen den besonders aggressiven triple-negativen Brustkrebs (TNBC) zu entwickeln. Der Fokus liegt auf Tumorstammzellen und zwei kürzlich identifizierten molekularen Zielstrukturen.
Weniger ist manchmal mehr
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Die klinische Forschung untersucht zunehmend, ob eine Deeskalation der Behandlung die Lebensqualität der Patienten verbessern kann. Die OPTIMA-Studie deutet darauf hin, dass der Prosigna-Gentest jährlich rund 5.000 Brustkrebspatientinnen eine Chemotherapie ersparen könnte.
Bei Magenkrebs zeigte die Phase-3-Studie HERIZON-GEA-01 beeindruckende Ergebnisse: Die Kombination aus ZIIHERA, Tevimbra und Chemotherapie führte zu einem medianen Gesamtüberleben von 26,4 Monaten – deutlich mehr als die 19,2 Monate in der Kontrollgruppe. Der Vorteil zeigte sich unabhängig vom PD-L1-Status der Patienten.
Langzeitdaten der RELAZA2-Studie unterstreichen zudem den Wert der MRD-gesteuerten Therapie bei Leukämie. Die Studie mit über 50 Zentren zeigt: Frühzeitige Eingriffe auf Basis der Messung minimaler Resterkrankung können Rückfälle bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie und myelodysplastischen Syndromen wirksam verzögern oder verhindern.
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