Krebstherapie: App-basierte Überwachung lindert Fatigue nachweislich
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die onkologische Versorgung erfährt durch digitale Anwendungen und gezielte Bewegungsprogramme eine signifikante Weiterentwicklung. Aktuelle Studienergebnisse und Förderentscheidungen unterstreichen das Potenzial dieser Ansätze, sowohl die Lebensqualität als auch die klinischen Ergebnisse bei Krebspatienten zu verbessern. Insbesondere App-basierte Konzepte zur Überwachung von Symptomen gewinnen an Bedeutung für die Regelversorgung.
PRO-B-Konzept: Digitale Überwachung lindert Fatigue
Ein zentraler Fortschritt zeigt sich in der Behandlung von Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs. In einer im August 2026 in JAMA Oncology (DOI: 10.1001/jamaoncol.2026.2661) veröffentlichten Untersuchung der Charité Berlin wurde das sogenannte PRO-B-Konzept evaluiert.
An der Studie nahmen 909 Patientinnen im Alter zwischen 19 und 81 Jahren teil, die über 52 Zentren hinweg betreut wurden. Der Studienzeitraum erstreckte sich von Oktober 2020 bis September 2024.
Die Ergebnisse belegen, dass die App-basierte Erfassung von patientenberichteten Endpunkten (Patient-Reported Outcomes) Fatigue-Erscheinungen lindern und die körperliche Funktion verbessern kann. Aufgrund dieser Erkenntnisse empfahl der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im August 2026 die Übernahme der PRO-B-Betreuung in die medizinische Regelversorgung.
Förderung der Sporttherapie in der pädiatrischen Onkologie
Neben der digitalen Symptomerfassung rückt die physische Aktivität stärker in den Fokus der Kostenträger. Die DAK-Gesundheit fördert gemeinsam mit der AOK Rheinland/Hamburg, der Barmer und der Techniker Krankenkasse (TK) das Projekt „BEPPO“. Dabei handelt es sich um eine Sport- und Bewegungstherapie für krebskranke Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren an der Charité Berlin.
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Das Vorhaben wird mit 7,3 Millionen Euro über einen Zeitraum von 3,5 Jahren aus dem Innovationsfonds des G-BA unterstützt. Die Relevanz solcher Programme wird durch Daten des Deutschen Kinderkrebsregisters (DKKR) untermauert, wonach es jährlich rund 2.350 Krebsneuerkrankungen bei Minderjährigen gibt (Stand 2025).
Internationale Forschung zu digitalem Monitoring und Immunantwort
Die Wirksamkeit digitaler Unterstützungsprogramme wird auch durch internationale Daten gestützt. Der IMPROVE-Trial des Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC) untersuchte das 12-wöchige digitale Programm „IM@Home“ bei 200 Patienten mit soliden Tumoren.
Bei einem medianen Follow-up von 28,6 Monaten wurde das mediane Gesamtüberleben in der Interventionsgruppe noch nicht erreicht, während es in der Kontrollgruppe bei 26,3 Monaten lag. Die 24-Monats-Überlebensrate betrug 69,1 % gegenüber 52,6 % in der Vergleichsgruppe.
Zudem liefern biologische Untersuchungen Hinweise auf die Wirkweise von körperlicher Aktivität. Eine in den Annals of Surgery veröffentlichte Studie des Roswell Park Comprehensive Cancer Center zeigt, dass Bewegung bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) die Immunantwort verbessert.
Beobachtet wurde eine Reduktion regulatorischer T-Zellen und eine Zunahme von CD8+ T-Zellen, was mit einem verringerten Tumorwachstum assoziiert wurde.
Ergänzende Ansätze zur Steigerung der Lebensqualität
Über die rein physische Therapie hinaus werden integrative und technologiegestützte Verfahren erprobt:
- Integrative Onkologie: Daten von University Hospitals Connor Whole Health zeigen, dass Methoden wie Akupunktur, Massage und Reiki Symptome wie Schmerz (Reduktion um 2,08 Punkte), Stress (-2,70) und Angst (-2,28) mindern können. Die Patientenzufriedenheit lag in diesem Bereich bei 87,1 %.
- Schlaftherapie: Da etwa 60 % der Krebsüberlebenden unter Schlafstörungen leiden, wurde an der Memorial University unter der Leitung von Dr. Sheila Garland die App „iCANSleep“ entwickelt. Diese nutzt kognitive Verhaltenstherapie und führte bei über 70 % der Nutzer zu Verbesserungen.
- Virtual Reality (VR): Am Landeskrankenhaus Hohenems wurden VR-Brillen bei 16 Palliativpatienten eingesetzt. 15 Patienten berichteten von positiven Eindrücken, wobei die Technologie ohne Nebenwirkungen blieb und nun fester Bestandteil der Station ist.
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Zudem wurden durch die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) neue Rahmenempfehlungen für die kardiologische und muskuloskeletale Rehabilitation veröffentlicht, um einheitliche Qualitätsstandards in der ambulanten und stationären Versorgung zu gewährleisten.
Private Initiativen, wie die 4.400 Kilometer lange Radtour der Patientin Fabienne Hermant oder die Benefiz-Regatta „Rudern gegen Krebs“ in Essen, die über 40.000 Euro an Spenden generierte, verdeutlichen zudem die wachsende Bedeutung von Bewegung als Teil der Krankheitsbewältigung.
