Krebsrisiko: Nur 12 Prozent schätzen die eigene Gefahr als hoch ein
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Wahrnehmung des eigenen Krebsrisikos weicht in der Bevölkerung deutlich von den statistischen Realitäten ab. Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einem Bericht vom 12.10.2026 auf Basis einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung unter 1.581 Menschen ab 16 Jahren darlegt, schätzen lediglich 12% der Befragten ihr persönliches Erkrankungsrisiko als eher oder sehr hoch ein.
Diese Selbsteinschätzung steht in starkem Kontrast zur epidemiologischen Realität, nach der fast jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens eine Krebsdiagnose erhält.
Diskrepanz zwischen Lebensstil und Risikobewusstsein
Die Erhebung verdeutlicht eine spürbare Kluft zwischen dem subjektiven Empfinden und dem tatsächlichen Verhalten. Zwar gaben zwei Drittel der Teilnehmenden an, ihre Lebensweise als gesund zu bewerten, gleichzeitig berichteten sie jedoch von Faktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht sowie dem Konsum von Alkohol und Tabak.
Klassische Risikofaktoren wie Rauchen, Passivrauchen, mangelnde Bewegung und Sonnenbrände sind den Menschen weitgehend bewusst und werden als Gefahrenquellen identifiziert. Andere wissenschaftlich belegte Risikofaktoren sind in der breiten Öffentlichkeit hingegen deutlich weniger bekannt.
Gleichzeitig besteht ein hohes subjektives Informationsgefühl: 61% der Befragten fühlen sich gut über Maßnahmen zur Krebsvorbeugung informiert, während 62% dies in Bezug auf die Krebsfrüherkennung angeben. Dennoch zeigt sich im Alltag eine erhebliche Verunsicherung.
Nur 12 Prozent der Menschen schätzen ihr persönliches Krebsrisiko als hoch ein – dabei erhält fast jeder Zweite im Leben eine Krebsdiagnose. Wer sein eigenes Risiko realistisch kennt, kann gezielt vorsorgen statt sich von widersprüchlichen Angaben verunsichern zu lassen. Kostenlosen Gesundheits-Leitfaden anfordern
Jede zweite befragte Person gab an, durch widersprüchliche Angaben irritiert zu sein. Bei der Suche nach Orientierung greifen die Menschen in erster Linie auf Suchmaschinen zurück, gefolgt von Gesundheitsfachkräften. Als bevorzugte Ansprechpartner für verlässliche Auskünfte nannten die Befragten das ärztliche Personal.
Mythen erschweren gezielte Prävention
Ergänzend zu den bundesweiten Daten verweist das DKFZ auf Ergebnisse der sogenannten CLARO-Studie, für die 1.232 Bürger in Stuttgart befragt wurden. Auch in dieser Untersuchung erkannten die Teilnehmenden Risiken wie Tabakkonsum, Passivrauchen, Bewegungsmangel und Sonnenbrände zuverlässig.
Allerdings offenbarte die Erhebung erhebliche Wissenslücken im Umgang mit Falschinformationen. Weit verbreitete Mythen – etwa zu angeblichen Krebsrisiken durch Plastikflaschen, Deosprays oder genetisch veränderte Lebensmittel – wurden von den meisten Befragten nicht als unzutreffend entlarvt.
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Vor diesem Hintergrund betont die Studienautorin Ursula Will, dass reine Informationsvermittlung allein nicht ausreiche, um tatsächliche Verhaltensänderungen herbeizuführen. Entscheidend sei vielmehr, dass Menschen den direkten Bezug zu ihrem persönlichen Erkrankungsrisiko herstellen und verstehen können.
Die detaillierten Befunde zu den Erhebungen wurden in den Fachjournalen Forum (Ausgabe 5/2026, DOI 10.1007/s12312-026-01616-4) sowie Frontiers in Public Health (2026, DOI 10.3389/fpubh.2026.1868556) veröffentlicht. Sie unterstreichen die Notwendigkeit, Präventionskampagnen künftig noch gezielter auf die Überwindung von Fehlinformationen und die realistische Selbsteinschätzung auszurichten.
