Krebsrisiko: Nur 12 Prozent halten die eigene Erkrankungsgefahr für hoch
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bevölkerung in Deutschland unterschätzt das eigene Krebsrisiko und die damit verbundenen Ursachen in erheblichem Maße. Dies verdeutlicht ein Bericht des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) vom 12.10.2026, der sich auf die Auswertung zweier Befragungen stützt.
Obwohl statistisch gesehen fast jeder Zweite im Laufe seines Lebens eine Krebsdiagnose erhält, schätzen laut den Erhebungen lediglich 12 Prozent der Menschen hierzulande ihr persönliches Erkrankungsrisiko als eher oder sehr hoch ein.
Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und tatsächlichem Lebensstil
Die Daten einer bevölkerungsrepräsentativen DKFZ-Befragung unter 1.581 Personen ab 16 Jahren zeigen ein ausgeprägtes subjektives Sicherheitsgefühl. Demnach gaben 61 Prozent der Befragten an, sich gut oder sehr gut über die Möglichkeiten der Krebsvorbeugung informiert zu fühlen. Bei der Krebsfrüherkennung lag dieser Anteil mit 62 Prozent auf einem ähnlich hohen Niveau.
Gleichzeitig klafft eine deutliche Lücke zwischen der theoretischen Einschätzung und dem tatsächlichen Verhalten im Alltag. Zwei Drittel der Befragten bewerten ihre persönliche Lebensweise zwar als gesund, räumten in der Erhebung jedoch zugleich Faktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht sowie den Konsum von Alkohol und Tabak ein.
Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass gesundheitsschädliche Gewohnheiten häufig nicht mit einem erhöhten Risiko für onkologische Erkrankungen in Verbindung gebracht werden.
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Risikofaktoren im Alltag und die Verbreitung von Mythen
Differenzierte Einblicke in den Wissensstand liefert zudem die vom DKFZ durchgeführte CLARO-Studie, für die 1.232 Bürger in Stuttgart befragt wurden. Bei etablierten Gefahrenquellen zeigte sich ein solides Problembewusstsein: Klassische Risikofaktoren wie Rauchen, Passivrauchen, Bewegungsmangel und Sonnenbrände wurden von der Mehrheit der Teilnehmer korrekt als Auslöser identifiziert.
Gleichzeitig offenbarte die Untersuchung erhebliche Wissenslücken bei der Abgrenzung von wissenschaftlich belegten Risiken und populären Falschannahmen.
Weitverbreitete Mythen und Falschinformationen – etwa über angebliche Gefahren durch Plastikflaschen, Deosprays oder genmodifizierte Lebensmittel – wurden von den Befragten meist nicht als solche durchschaut. Dieses Unvermögen, fundierte Fakten von unbegründeten Vermutungen zu trennen, erschwert eine zielgerichtete Prävention.
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Informationssuche, Verunsicherung und Hürden im Alltag
Ein wesentlicher Grund für diese Fehlwahrnehmungen liegt im Nutzungsverhalten bei der gesundheitlichen Recherche. Laut dem DKFZ greifen die Menschen bei Fragen am häufigsten auf Internetsuchmaschinen zurück. Erst an zweiter Stelle folgen Gesundheitsfachkräfte, wenngleich Ärzte weiterhin als die bevorzugten Ansprechpartner gelten.
Die digitale Recherche birgt jedoch erhebliche Herausforderungen: Jede zweite Person fühlt sich den Erhebungen zufolge durch widersprüchliche Angaben verunsichert. Zudem zeigt sich, dass selbst ein vorhandenes Problembewusstsein nicht automatisch zu einem gesünderen Alltag führt. Wie Studienautorin Ursula Will vom DKFZ darlegte, reiche die bloße Vermittlung von Informationen allein nicht aus, um eine dauerhafte Verhaltensänderung herbeizuführen.
