Krebsprävention: WHO-Daten zeigen, dass vier von zehn Fällen vermeidbar sind
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 07:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Weltweit erkranken nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr rund 20 Millionen Menschen an Krebs, etwa die Hälfte davon verläuft tödlich. Ein erheblicher Teil dieser Diagnosen ließe sich jedoch durch präventive Maßnahmen und eine verbesserte Gesundheitsversorgung verhindern.
Daten der WHO-Krebsforschungsagentur IARC sowie eine Anfang 2026 in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Untersuchung belegen, dass bezogen auf das Jahr 2022 weltweit vier von zehn Krebsdiagnosen auf vermeidbare Risikofaktoren zurückzuführen sind. Zu den Hauptursachen zählen Tabakkonsum, Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV), Alkoholkonsum, Übergewicht sowie übermäßige UV-Strahlung.
Lebensstil und regionale Unterschiede
Das Ausmaß der Vermeidbarkeit unterscheidet sich regional, bleibt aber auch in wohlhabenden Ländern hoch. Für die Schweiz zeigt sich, dass rund ein Drittel aller Krebserkrankungen verhindert werden könnte, wobei der Anteil bei Männern etwas höher liegt als bei Frauen. Allein der Verzicht auf das Rauchen hätte dort fast ein Fünftel aller Krebserkrankungen abwenden können.
Besonders drastisch verstärken sich Risiken bei kombinierten Belastungen: Während starkes Rauchen oder starker Alkoholkonsum für sich genommen das Risiko für Mundhöhlenkrebs jeweils um das Drei- bis Vierfache erhöhen, lässt das Zusammentreffen beider Faktoren das Risiko um das 35-Fache steigen.
Regionale Schwerpunkte spiegeln diese Zusammenhänge wider; so verzeichnet die Mongolei die weltweit höchste Rate an Leberkrebs, was auf eine Kombination aus Hepatitisviren und hohem Alkoholkonsum bei Männern zurückgeführt wird.
In Deutschland versterben jährlich etwa 44.000 Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum. Fachleute weisen darauf hin, dass es bei Alkohol keine risikofreie Menge gibt. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) führt ein Alkoholverzicht nicht nur zur Entlastung der Leber, zu Blutdrucknormalisierung, Gewichtsverlust und besserem Schlaf, sondern senkt auch das Risiko für alkoholbedingte Krebserkrankungen messbar.
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Risiken durch Übergewicht und Nahrungsergänzungsmittel
Neben Genussmitteln rückt Fettleibigkeit zunehmend in den Fokus. Das US National Cancer Institute bringt Übergewicht mit mindestens 13 verschiedenen Krebsarten in Verbindung. Weltweit lebte im Jahr 2022 jeder achte Mensch mit Adipositas; mehr als 2,5 Milliarden Erwachsene und über 390 Millionen Kinder und Jugendliche galten als übergewichtig.
Gleichzeitig mahnen Experten zur Vorsicht bei vermeintlich gesundheitsfördernden Präparaten. Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt davor, dass eine Überversorgung mit Vitaminen das Krebsrisiko steigern kann.
Eine Studie aus dem Jahr 2019 stellte einen Zusammenhang zwischen hohen Dosen von Vitamin B12 und einem erhöhten Lungenkrebsrisiko fest: Das Vitamin verursacht den Tumor nicht direkt, kann aber das Wachstum bestehender Krebszellen beschleunigen.
Eine im Journal of Clinical Investigation erschienene Untersuchung aus dem Jahr 2023 kam zudem zu dem Schluss, dass zusätzliche Dosen der Antioxidantien Vitamin A, C und E bösartige Lungentumore begünstigen können, indem sie die Neubildung von Blutgefäßen anregen.
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Über die gewöhnliche Nahrung aufgenommen, stellen diese Vitamine kein Problem dar. Nahrungsergänzungsmittel sind im Regelfall nur in spezifischen Lebenslagen wie einer Schwangerschaft oder bei Aufnahmestörungen angezeigt. Eine Ausnahme bildet Vitamin D: Nach Berechnungen des DKFZ könnte eine tägliche Einnahme die Krebssterblichkeit in der Bevölkerung um 12 Prozent senken.
