Krebsnachsorge, Positiver

Krebsnachsorge: Positiver ctDNA-Test erhöht Rückfallrisiko um das 24-Fache

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine retrospektive Studie verbindet positive ctDNA-Befunde mit höherem Rückfallrisiko; der Nutzen angepasster Therapien bleibt unbestätigt.
Eine Nahaufnahme einer Labor-Zentrifugenröhre mit einer biologischen Probe in einer sterilen Laborumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Erkennung von verbleibenden Tumorzellen nach einer Operation gilt in der Onkologie als entscheidender Faktor für die weitere Behandlungsstrategie. Eine im Fachjournal The Oncologist publizierte Untersuchung analysiert die Leistungsfähigkeit von Signatera Genome, einer auf Ganzgenomsequenzierung basierenden Version des Signatera-Tests des Herstellers Natera. Die Daten zeigen, dass das Verfahren 93 Prozent der Fernrezidive vorhersagen kann.

Die pan-onkologische Studie stützt sich auf 386 Patientinnen und Patienten mit fünf soliden Tumorarten sowie auf insgesamt 2.674 Blut- und Plasmaproben. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 22,5 Monaten.

Die Verteilung der Fälle umfasste 227 Personen mit Brustkrebs (entsprechend 58,8 Prozent, wovon 61 Prozent eine triple-negative Form aufwiesen), 76 mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC), 33 mit Melanom, 26 mit Nierenkrebs und 24 mit kolorektalem Karzinom.

Deutliche Risikounterschiede nach dem chirurgischen Eingriff

Ein zentraler Befund der Untersuchung betrifft den Nachweis zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) beziehungsweise einer molekularen Resterkrankung (MRD) im Zeitfenster von drei Monaten nach der Operation.

Bei einem positiven Testbefund innerhalb dieses Zeitraums war das Risiko für ein Fernrezidiv um das rund 24-fache erhöht. Die ermittelte Hazard Ratio lag bei 23,7 (95-Prozent-Konfidenzintervall 8,7 bis 64,5) für ein schlechteres fernrezidivfreies Überleben.

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Konkret erreichten Patientinnen und Patienten mit positivem ctDNA-Befund nach 36 Monaten eine Rate des fernrezidivfreien Überlebens von 35,3 Prozent. Bei einem negativen Testergebnis lag dieser Wert hingegen bei 93,9 Prozent.

Signifikanz in der Nachsorge und Sensitivitätswerte

Auch in der Nachsorgephase nach Beendigung der primären Therapie ergaben sich deutliche prognostische Abstände. In diesem Beobachtungszeitraum blieben nach 36 Monaten 15 Prozent der ctDNA-positiven Personen frei von Fernmetastasen, verglichen mit 99 Prozent der durchgehend negativ getesteten Personen. Für diesen Nachsorgeabschnitt beziffern die Daten eine Hazard Ratio von 104,7.

Die Sensitivität des Verfahrens lag bei 93 Prozent (beziehungsweise über 90 Prozent), während die Spezifität mit 100 Prozent angegeben wird. Bei diesen Werten wurden Hirnmetastasen und rein lokoregionäre Rezidive methodisch nicht berücksichtigt. Zudem wiesen 62 Prozent der ctDNA-positiven Patientengruppe Werte von unter 100 ppm auf.

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Hinsichtlich des Nutzens einer adjuvanten Weiterbehandlung zeigte sich bei nachgewiesener Resterkrankung ein Unterschied: Unter adjuvanter Therapie betrug das 12-Monats-Überleben 67,1 Prozent, ohne adjuvante Behandlung lag es bei 33,3 Prozent, was einer Differenz von 33,8 Prozentpunkten entspricht. Bei MRD-negativen Personen war hingegen kein klarer Nutzen einer adjuvanten Therapie erkennbar.

Methodische Grenzen und offene Fragen

Trotz der deutlichen Kennzahlen verweisen die Autoren auf wesentliche Einschränkungen der Erhebung. Es handelt sich um eine retrospektive Auswertung einer Unternehmensdatenbank mit kleinen Behandlungsgruppen und nicht-randomisierten Therapieentscheidungen. Ein patientenrelevanter Nutzen veränderter Therapiestrategien auf Basis eines positiven Befunds ist bislang nicht durch randomisierte Studien belegt.

Zudem bestehen personelle Verflechtungen: Von 38 beteiligten Autoren sind 30 beim Hersteller Natera beschäftigt. Zur Bestätigung der klinischen Konsequenzen seien prospektive Studien erforderlich.

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