Krebsimpfstoff, TG4050

Krebsimpfstoff TG4050: 100% krankheitsfreies Überleben über 3 Jahre

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 15:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien zeigen Fortschritte bei SCLC, Krebsimpfstoffen und Zelltherapien; NRW fördert zudem KI-Forschung mit 200 Millionen Euro.

Onkologie: Neue Ansätze für Lungenkrebs und weitere Tumore
Ein steriles Labor mit einer Petrischale und einer Flüssigkeitsprobe in einer modernen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der onkologischen Forschung zeichnen sich signifikante Fortschritte bei der Behandlung schwer therapierbarer Tumore ab. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC), für das Wissenschaftler der Universität zu Köln eine neue molekulare Schwachstelle identifiziert haben.

Wie aus einer im September 2026 in der Fachzeitschrift „Molecular Cancer“ veröffentlichten Studie hervorgeht, sind SCLC-Tumorzellen in hohem Maße auf den sogenannten NMD-Signalweg (Nonsense-mediated mRNA decay) angewiesen.

Die Kölner Forscher stellten fest, dass eine gezielte Hemmung der NMD-Kinase SMG1 zum Absterben der Tumorzellen führt. Ein entscheidender Nebeneffekt dieser Inhibition ist, dass der Tumor für das Immunsystem besser sichtbar wird, was neue Kombinationstherapien mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren ermöglichen könnte.

Klinische Fortschritte bei fortgeschrittenen Karzinomen

Parallel zu den Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung werden in klinischen Studien neue Therapiestandards evaluiert. AstraZeneca präsentierte Anfang September 2026 Ergebnisse der Phase-III-Studie DeLLphi-305. In dieser Untersuchung mit 563 randomisierten Patienten wurde der Einsatz von Durvalumab in Kombination mit Tarlatamab als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC) geprüft.

Die Daten belegen laut Studienbericht eine statistisch signifikante Verbesserung sowohl des Gesamtüberlebens als auch des progressionsfreien Überlebens im Vergleich zur alleinigen Therapie mit Durvalumab. Diese Entwicklung unterstreicht den Trend hin zu dualen Immuntherapie-Ansätzen in der Onkologie.

Personalisierte mRNA-Vakzinierung und Langzeitergebnisse

Ein weiteres dynamisches Feld ist die Entwicklung individualisierter Krebsimpfstoffe. Im Bereich des Melanoms zeigt eine Kooperation von Moderna und Merck vielversprechende Tendenzen. Ein personalisierter mRNA-Impfstoff in Kombination mit dem Wirkstoff Keytruda konnte das Rückfallrisiko bei Patienten senken.

Branchenexperten halten eine Zulassung dieses Verfahrens für das Jahr 2027 für möglich. Moderna selbst prognostiziert für sein Onkologie-Portfolio bis zum Jahr 2030 einen Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar, nachdem die Aktie des Unternehmens im August 2026 bereits deutliche Kursgewinne verzeichnete.

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Auch beim HPV-negativen Kopf-Hals-Krebs liegen neue Langzeitdaten vor. Der individualisierte Neoantigen-Impfstoff TG4050, entwickelt von Transgene und NEC, erreichte in einer Phase-1-Studie bei 16 Patienten ein krankheitsfreies Überleben von 100 Prozent über einen Zeitraum von drei Jahren. Das mediane Follow-up betrug dabei 41 Monate, wie in „Nature Communications“ dargelegt wurde.

Innovative Zelltherapien und regulatorische Meilensteine

Die Forschung an Zelltherapien erweitert sich zunehmend auf solide Tumore. Wissenschaftler der UCLA Health stellten im September 2026 Daten zu sogenannten AlloESO-T-Zellen vor, die aus Nabelschnurblut gewonnen werden. Diese Zellen kontrollierten in Mausmodellen für Eierstockkrebs und Melanom das Tumorwachstum. Mit geschätzten Herstellungskosten von rund 5.000 US-Dollar pro Dosis gilt dieses Verfahren als potenziell skalierbar.

Ergänzt werden diese Entwicklungen durch neue Zulassungen und Wirkstoffkandidaten:
* Daraxonrasib: Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte Ende August 2026 die Zulassung für diesen Wirkstoff bei metastasiertem Pankreaskarzinom.

In der Studie RASolute 302 verlängerte das Medikament das mediane Gesamtüberleben auf 13,2 Monate gegenüber 6,7 Monaten unter konventioneller Chemotherapie.
* VS-7375: Verastem Oncology präsentierte erste Wirksamkeitsdaten für diesen oralen KRAS-Inhibitor bei Lungen-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, für den die FDA bereits den Fast-Track-Status vergeben hat.

Ausbau der Forschungsinfrastruktur und KI-Integration

Um die Translation von Forschungsergebnissen in die Klinik zu beschleunigen, investiert das Land Nordrhein-Westfalen massiv in technologische Infrastruktur. Anfang September 2026 startete das Projekt AI4CancerCure.NRW mit einem Fördervolumen von 200 Millionen Euro.

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Unter Beteiligung von sieben Universitätskliniken und der TU Dortmund soll Künstliche Intelligenz entlang der gesamten onkologischen Kette eingesetzt werden, insbesondere im Bereich des Wirkstoffdesigns. Die Standorte Essen (32,5 Millionen Euro), Bonn und Münster (jeweils 25 Millionen Euro) bilden hierbei zentrale Knotenpunkte.

Die bündelnde Relevanz dieser Entwicklungen wird auch Thema der Jahrestagung der onkologischen Fachgesellschaften DGHO, OeGHO, SGMO und SGH sein, die für Oktober 2026 in Wien angesetzt ist. Im Fokus stehen dort neben der molekularen Diagnostik und Immuntherapien auch neue Wege der Prävention und Früherkennung.

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