Krebsimmuntherapie, Mikrobiom-Transfer

Krebsimmuntherapie: Mikrobiom-Transfer senkt Progressionsrisiko um 50 Prozent

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 01:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Mikrobiom-Transfer verlängerte in einer Phase-2a-Studie das progressionsfreie Überleben; weitere Befunde stammen überwiegend aus präklinischer Forschung.

Darmmikrobiom und Krebsimmuntherapie: Studien zeigen erste klinische Signale
Petri-Schale mit mikrobiellen Kulturen in einem sterilen Laborumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt der Frage, wie spezifische Darmbakterien und daraus gewonnene Stoffwechselprodukte die Wirksamkeit von Immuntherapien bei Krebspatienten modulieren können. Neben Beobachtungen zur mikrobiellen Zusammensetzung rücken zunehmend konkrete Wirkmechanismen und Ernährungsfaktoren in den Fokus der präklinischen und klinischen Forschung.

Stoffwechselprodukte und Diäten im präklinischen Fokus

Forschende der University of Florida untersuchten das Molekül Bac429, einen Metaboliten bestimmter Bacteroides-Stämme. In Mausmodellen verstärkte dieser Stoff die Wirkung einer Anti-PD-1-Behandlung ausschließlich in Kombination mit der Immuntherapie. Bei Tieren mit schlecht ansprechendem Lungenkrebs verringerte sich das Tumorwachstum nach einer direkten Injektion in das Tumorgewebe um 50 Prozent.

In Laborversuchen erhöhte Bac429 zudem die IFN-gamma-Signale von CD8+-T-Zellen, während Tests an menschlichen Blutproben variierende Reaktionen zeigten. Die Daten verbleiben im präklinischen Stadium; Aspekte wie Verabreichungsformen, Sicherheit und Nebenwirkungen sind weiterhin Gegenstand künftiger Analysen.

An der McGill-Universität untersuchte ein Forschungsteam in einer im Fachjournal Nature publizierten Arbeit zwölf verschiedene Ernährungsweisen in Mausmodellen hinsichtlich ihres Einflusses auf das Mikrobiom und Checkpoint-Inhibitoren. Bestimmte gewichtsfördernde Diäten verbesserten das Ansprechen auf die Immuntherapie bereits nach kurzer Zeit.

Die Autoren merkten an, dass dieser Effekt primär auf dem Zusammenspiel von Ernährung und Bakterien statt auf dem Körpergewicht an sich beruhen könnte. Eine direkte Ernährungsempfehlung für Krebspatienten leitet sich daraus nicht ab, da beteiligte Nährstoffe und mikrobielle Metaboliten zunächst weiter erforscht werden müssen.

Zudem wurde auf einer Onkologiekonferenz eine präklinische Untersuchung vorgestellt, in der eine Einzeldosis eines aus der Amphibien-Darmflora stammenden Bakteriums Darmtumoren bei Mäusen vollständig eliminierte. Der beschriebene Mechanismus umfasste das Abtöten von Krebszellen sowie die Aktivierung des Immunsystems, bedarf jedoch noch Bestätigungen in weiterführenden Tier- und Sicherheitsstudien.

Klinische Signale bei fäkalen Mikrobiom-Transfers

Neben Tiermodellen liefern klinische Prüfungen erste Anhaltspunkte. In der Phase-2a-TACITO-Studie erhielten Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom die Kombination aus Pembrolizumab und Axitinib.

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Unter einem fäkalen Mikrobiom-Transfer (FMT) von Spendern betrug das mediane progressionsfreie Überleben 24,0 Monate, verglichen mit 9,0 Monaten in der Placebo-FMT-Gruppe, was einem um 50 Prozent geringeren Progressionsrisiko entsprach (Hazard Ratio 0,50). Das mediane Gesamtüberleben lag bei 41,0 Monaten gegenüber 28,3 Monaten, wobei dieser Unterschied statistisch nicht signifikant ausfiel.

Die objektive Ansprechrate belief sich auf 52 Prozent gegenüber 32 Prozent. In einer Post-hoc-Analyse von Patienten mit intermediärer oder schlechter Prognose lag das mediane progressionsfreie Überleben bei 18,8 Monaten gegenüber 5,1 Monaten und die Ansprechrate bei 50 Prozent gegenüber 8 Prozent. Trotz dieser Signale begründen die Ergebnisse noch keinen neuen Behandlungsstandard.

Ein in Molecular Cancer erschienener Übersichtsartikel hob hervor, dass Mikroben auch direkt in Geweben wie Bauchspeicheldrüsen-, Lungen-, Brust-, Leber- sowie Kopf-Hals-Tumoren nachgewiesen wurden. Der Einfluss solcher intratumoralen Keime hängt von Art, Funktion und räumlicher Lage ab; dieselbe Art kann je nach Milieu Ansprechen oder Resistenzen begünstigen.

Bakterielle Signaturen und Therapieverträglichkeit

Erkenntnisse zu systemischen Effekten lieferte eine in Cell veröffentlichte Studie der Mayo Clinic, in der Stuhlproben von 1.364 Krebspatienten aus 40 US-Bundesstaaten vor Therapiebeginn mit Daten von 287 Personen ohne Krebs verglichen wurden. Dabei waren 341 Bakterienarten mit fünf Krebsgruppen assoziiert.

Bei Leber- und Gallengangskrebs korrelierte Bifidobacterium longum mit einem längeren, Blautia A massiliensis hingegen mit einem kürzeren Überleben. Zudem wiesen Patienten unter einer 5-FU-Chemotherapie, die Durchfall entwickelten, weniger Gene zum Abbau des Wirkstoffs auf, wobei ein Großteil dieser Abbaukapazität von Anaerostipes hadrus stammte; bei Carboplatin trat dies nicht auf.

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In der prospektiven TORCH-Studie an 44 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom unter Radiochemotherapie und Toripalimab zeigten sich mikrobielle Unterschiede zwischen den 29 Respondern und 15 Non-Respondern. Die Daten belegen jedoch reine Assoziationen und erlauben bislang weder prognostische Vorhersagen noch standardisierte Interventionen.

Auch eine Analyse in BMC Cancer zu Helicobacter pylori ergab mit einer Odds Ratio von 0,79 keine statistisch signifikante Verbindung zum objektiven Ansprechen auf Immuntherapien, was die Notwendigkeit weiterer ursächlicher Prüfungen unterstreicht.

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