Krebsgesellschaft, Antioxidantien

Krebsgesellschaft warnt: Antioxidantien können Tumorrisiko steigern

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 12:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien bringen hohe Dosen von Betacarotin und Vitaminen mit mehr Lungenkrebs in Verbindung, während gezielte Ergänzungen bei Mangel sinnvoll sein können.

Nahrungsergänzung: Hohe Vitamindosen können Lungenkrebsrisiko erhöhen
Ein steriler Laborarbeitsplatz mit wissenschaftlichen Glasgefäßen in einer hellen, medizinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Einnahme hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel steht zunehmend im Fokus der medizinischen Forschung. Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt vor der unkritischen Einnahme bestimmter Präparate, da diese das Risiko für Lungenkrebs erhöhen können. Insbesondere eine Überversorgung mit Vitaminen kann das Krebsrisiko steigern, anstatt die Gesundheit präventiv zu schützen.

Antioxidantien und Vitamine im Verdacht

Wissenschaftliche Untersuchungen untermauern die Bedenken hinsichtlich übermäßiger Vitamingaben. Eine Studie aus dem Jahr 2019 belegt, dass hohe Dosen von Vitamin B12 das Risiko für Lungenkrebs erhöhen. Weitere Erkenntnisse lieferte eine im Jahr 2023 im Fachblatt Journal of Clinical Investigation erschienene Untersuchung: Demnach können auch Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E bösartige Lungentumore begünstigen.

Besonders drastische Effekte zeigten sich in der Vergangenheit bei isoliert verabreichtem Betacarotin. In der ATBC-Studie erhielten circa 29.000 männliche Raucher täglich 20 mg Betacarotin. Nach einem Zeitraum von 5 bis 8 Jahren traten in der Verumgruppe circa 18 % mehr Fälle von Lungenkrebs im Vergleich zu Placebo auf.

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Ähnliche Resultate lieferte die CARET-Studie, an der über 18.000 Raucher und Asbestarbeiter teilnahmen: Die tägliche Gabe von 30 mg Betacarotin in Kombination mit Vitamin A führte zu 28 % mehr Lungenkrebsfällen und einer um 17 % höheren Sterblichkeit.

Eine Metaanalyse der USPSTF, die 4 Studien mit insgesamt 94.830 Teilnehmern auswertete, ermittelte durch die Einnahme von Betacarotin ein um 20 % höheres Lungenkrebsrisiko.

Differenzierte Betrachtung und gezielte Indikationen

Nicht jede Supplementierung wirkt sich jedoch nachteilig aus, sofern sie gezielt erfolgt. Daten des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigen, dass die tägliche Einnahme von Vitamin D die Krebssterblichkeit um 12 % senken könnte. Eine Kardiologin verweist darauf, dass es bei Vitamin D darauf ankomme, einen bestehenden Mangel zu beheben, anstatt die Werte im Blut künstlich zu maximieren.

Für gesunde Erwachsene böten Multivitaminpräparate keinen überzeugenden Nutzen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Eine gezielte Ergänzung sei nur in bestimmten Lebensphasen notwendig: So wird Folsäure vor beziehungsweise zu Beginn einer Schwangerschaft empfohlen, während vegan lebende Personen Vitamin B12 zuführen müssen.

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Auch für spezifische kardiologische Fragestellungen existieren positive Befunde. Eine im Fachjournal JAMA Cardiology veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2026 untersuchte 180 Menschen mit koronarer Herzkrankheit.

Die Teilnehmer nahmen über einen Zeitraum von 2 Jahren täglich 360 µg Menaquinon-7 (MK-7) oder ein Placebo ein. Unter der Gabe von MK-7 nahm die Koronarverkalkung langsamer zu als in der Kontrollgruppe.

Risiken durch verbotene Substanzen im Handel

Neben Fehldosierungen zugelassener Vitamine warnen Behörden vor nicht verkehrsfähigen Stoffen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) stellt klar, dass Lithium in Nahrungsergänzungsmitteln innerhalb der Europäischen Union generell verboten ist.

Das Verbot umfasst sämtliche Verbindungen wie Lithiumcarbonat und Lithiumorotat. Dessen ungeachtet bewerben Onlinehändler entsprechende Präparate immer wieder mit Attributen wie mentaler Klarheit oder innerer Ruhe.

BVL-Präsidentin Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl betont, dass bereits eine moderate Erhöhung des Lithiumspiegels schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen könne. Lithiumcarbonat ist als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen und bipolaren Störungen zugelassen. Die dafür notwendigen therapeutischen Dosen liegen dabei deutlich über der natürlichen Aufnahme über die Nahrung.

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