Krebsernährung, Mageres

Krebsernährung: Mageres Rindfleisch kann Mangelernährung vorbeugen

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 23:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute betonen den Nutzen einer bedarfsgerechten Ernährung und raten zu magerem Fleisch sowie schonender Zubereitung.
Ein frisches, mageres Stück rotes Fleisch liegt zusammen mit Kräutern auf einem hölzernen Schneidebrett in einer hellen Küche. Illustration mit AI erstellt.

Mediziner weisen darauf hin, dass Krebspatienten nicht grundsätzlich auf den Verzehr von Rindfleisch verzichten müssen. Entscheidend seien vielmehr eine kontrollierte Menge und die gezielte Auswahl magerer Fleischstücke, um einer drohenden Mangelernährung wirksam vorzubeugen.

In der onkologischen Versorgung gewinnt die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Nährstoffzufuhr zunehmend an Bedeutung, da unzureichende Ernährung den Krankheits- und Therapieverlauf maßgeblich beeinträchtigen kann.

Nährstoffdichte gegen das Mangelernährungsrisiko

Rotes Fleisch liefert hochwertiges Protein, Häm-Eisen, Vitamin B12 sowie Zink. Fachleute empfehlen für Patienten insbesondere magere Zuschnitte wie Patinho, Lagarto, Coxão mole oder Filé-Mignon, bei denen sichtbare Fettauflagen vor der Zubereitung entfernt werden.

Laut Daten des US-amerikanischen National Cancer Institute betrifft Mangelernährung zwischen 30% und 85% der Krebspatienten in unterschiedlichen Krankheits- sowie Behandlungsphasen. Zudem trägt dieser Zustand zu 10% bis 20% der krebsassoziierten Todesfälle bei.

Wie Professor Dr. Bülent Karabulut, medizinischer Onkologe und Koordinator des Ac?badem Kent Onkologiezentrums, darlegt, steigere eine bedarfsgerechte Ernährung den Erfolg einer Krebsbehandlung um annähernd 25 Prozent. Parallel dazu verringere sich das Risiko behandlungsbedingter Komplikationen in ähnlicher Größenordnung.

Karabulut verweist zudem darauf, dass etwa 30 bis 60 Prozent der Krebspatienten bereits zum Diagnosezeitpunkt ein Risiko für eine Mangelernährung aufweisen. In den Leitlinien der europäischen Fachgesellschaft ESPEN wird die systematische Ernährungsbewertung entsprechend als fester Standardbestandteil der Behandlung definiert.

Schonende Zubereitung und Speiseplan-Gestaltung

Hinsichtlich der Zubereitung raten Experten zu schonenden Verfahren wie Kochen, Backen oder fettarmem Grillen. Verkohlte Stellen an den Fleischoberflächen sollten vermieden werden. Eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Meat Science aus dem Jahr 2012 zeigte, dass der Gehalt an heterozyklischen aromatischen Aminen (HCA) bei durchgegartem Fleisch etwa 3,5-fach höher ausfallen kann als bei der Garstufe medium-rare.

Mediziner betonen, dass Fleischportionen über die Woche verteilt und regelmäßig mit Fisch, Huhn, Eiern sowie Hülsenfrüchten abgewechselt werden sollten. Wurstwaren und stark verarbeitetes Fleisch wie Speck oder Salami seien hingegen möglichst selten zu konsumieren.

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Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation stuft verarbeitetes Fleisch wie Wurst, Schinken und Speck als sicher krebserregend in die Gruppe 1 ein, was vor allem das Risiko für Darmkrebs betrifft.

Rotes Fleisch wird als wahrscheinlich krebserregend geführt. Berechnungen der IARC zufolge erhöht sich das relative Darmkrebsrisiko bei einem täglichen Verzehr von 50 g verarbeitetem Fleisch um 18 Prozent gegenüber Personen ohne Konsum.

Eine im Jahr 2025 in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Metastudie brachte den Verzehr verarbeiteter Fleischprodukte mit einem um mindestens 11 Prozent höheren Risiko für Typ-2-Diabetes und einem um mindestens 7 Prozent höheren Risiko für Darmkrebs in Verbindung, zeigte jedoch keine gesicherte Erhöhung für ischämische Herzkrankheiten.

Makronährstoffe und Differenzierung zu Geflügel

Ernährungswissenschaftlerin Nichola Ludlam-Raine beziffert den Nährwertgehalt pro 100 g gegartem, magerem Rindfleisch auf circa 2,5 mg Eisen, 5 bis 6 mg Zink und 2,5 µg Vitamin B12. Eine Hähnchenbrust liefere im Vergleich rund 1 mg Eisen, 1 mg Zink sowie 0,3 µg B12. Ein Sirloin-Steak enthalte etwa 8 g Fett und 2 g gesättigte Fettsäuren.

Im Gegensatz dazu wiesen drei Hähnchenschenkel oder Hähnchenflügel mit Haut den dreifachen Fett- und vierfachen Gehalt an gesättigten Fettsäuren auf. Während ein Filetsteak bei etwa 3 g gesättigten Fettsäuren liege, erreiche ein Ribeye bis zu 20 g gesättigte Fettsäuren.

Eine umfassende Analyse früherer Daten ergab zudem, dass der Konsum von Rindfleisch bei über einer Million Menschen keinen Unterschied beim Schlaganfallrisiko verursachte. Ergänzende Studien aus den Jahren 2022 und 2025 wiesen ebenfalls kein gesteigertes Risiko für Herzkrankheiten, Adipositas oder Krebs aus.

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Demgegenüber steht eine Analyse im Fachjournal Frontiers in Nutrition, die Daten von 16 Studien mit knapp 2 Millionen Teilnehmern untersuchte. Diese ermittelte beim höchsten gegenüber dem niedrigsten Konsum an rotem Fleisch ein um 16 Prozent erhöhtes relatives Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs; pro zusätzlichen 100 g rotem Fleisch täglich stieg das relative Risiko um 10 Prozent, wenngleich die Autoren keinen klaren Schwellenwert ermitteln konnten.

Für verarbeitetes Fleisch wiesen elf betrachtete Studien dort keinen statistisch signifikanten Zusammenhang auf. Eine weitere Metaanalyse von Daten von über 1,8 Millionen Menschen zeigte ein um 21 Prozent geringeres relatives Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Vegetariern gegenüber Fleischessern, stützte sich jedoch überwiegend auf Beobachtungsstudien ohne Kausalitätsnachweis.

Eine am 15. Oktober 2026 im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Untersuchung des US-amerikanischen National Cancer Institute mit 461.682 Teilnehmern der NIH-AARP Diet and Health Study über einen mittleren Zeitraum von 18,8 Jahren stellte zudem keinen generellen Zusammenhang zwischen dem Gesamtkonsum ultraverarbeiteter Lebensmittel und Darmkrebs fest.

Zwar ging ein hoher Verzehr von Fleischbestandteilen aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln mit höheren Fallzahlen einher, ein hoher Konsum von Vollkorn, Ballaststoffen und Milchprodukten aus dieser Gruppe war jedoch mit geringerem Auftreten verbunden.

Empfehlungen für den Behandlungsalltag

Nach onkologischen Therapien raten Fachärzte zu einer Ernährung, die reich an Proteinen ist, kontinuierlich auf Flüssigkeitszufuhr achtet und über leicht verdauliche Mahlzeiten fraktioniert wird.

In Fachseminaren für Patienten, etwa durch die Mediziner Andrei Medwedew und Denis Tschernjajew im regionalen Onkodispensar, wird für die Phase nach Operationen oder während Strahlentherapien eine Verteilung auf vier bis sechs Mahlzeiten am Tag empfohlen. Dabei gelte eine Orientierung von mindestens 1,2 bis 1,5 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Scharfe Gewürze, Räucherwaren, fettreiches Gebäck und Frittiertes sollten dagegen gemieden werden.

Ärztin und Ernährungswissenschaftlerin Dr. Diana Petri?evi? mahnt zudem zur Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln. Die American Cancer Society weise darauf hin, dass Antioxidantien wie Vitamin C und Vitamin E die Wirksamkeit bestimmter Chemotherapien mindern können.

Hoch dosierte Präparate mit Vitamin C, E, A oder Coenzym Q10 sollten keinesfalls ohne onkologische Rücksprache eingenommen werden. Eine Substitution von Eisen, Vitamin B12 oder Vitamin D solle leitliniengerecht ausschließlich bei nachgewiesenem Mangel über ein entsprechendes Blutbild erfolgen.

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