Krebsdiagnostik, BIH-Plattform

Krebsdiagnostik: BIH-Plattform soll Ergebnisse in Stunden statt Wochen liefern

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Vorhaben verbinden Bildgebung, Genomdaten und KI; mehrere Anwendungen bleiben vorerst auf die Forschung beschränkt.

KI in der Onkologie: BIH eröffnet Plattform für schnellere Diagnostik
Abstrakte Nahaufnahme von biologischem Gewebe unter einem wissenschaftlichen Mikroskop in einem modernen Labor. Illustration mit AI erstellt.

Das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) hat die BIH Spatial Diagnostics Platform eröffnet. Sie verbindet 3D-Lichtmikroskopie, Genom- und Proteomanalyse sowie künstliche Intelligenz in einem gemeinsamen Verfahren. Damit reiht sich das BIH in eine Reihe von Projekten ein, die derzeit zeigen, wie stark KI-gestützte Verfahren Diagnostik und Therapieentwicklung in der Onkologie verändern.

Von Wochen zu Stunden

Kernanliegen der neuen Plattform ist die Beschleunigung der personalisierten Diagnostik. Während herkömmliche Verfahren bei Krebserkrankungen wie Eierstock- oder Prostatakrebs bislang ein bis drei Wochen bis zur Therapieempfehlung benötigten, soll die kombinierte Analyse künftig Ergebnisse innerhalb von Stunden liefern.

Zu den Partnern der Plattform zählen Roche Diagnostics, RoX Health, ZEISS, Bruker Daltonics, Hamilton Germany und LIMAA Technologies. Die Umsetzung ist in fünf Phasen von 2026 bis 2029 geplant, mit einer Pilotphase ab 2028, an die sich Studien mit Pharmaunternehmen anschließen sollen.

Einen wesentlichen Beitrag zur Beschleunigung soll die Sequenziertechnik von Roche Diagnostics leisten. Laut Daniela Kahlert von Roche Diagnostics Deutschland entschlüsselt die firmeneigene SBX-Sequenzierung das Genom in Stunden statt Tagen – ein Zeitgewinn, der unmittelbar in die Diagnostik-Pipeline des BIH einfließen soll.

Bildanalyse als zweite Front

Parallel zu genomischen Ansätzen entwickelt sich auch die bildbasierte KI-Diagnostik weiter. Leica Biosystems, ein Unternehmen des Danaher-Konzerns, kündigte die Integration zweier KI-Produkte des Anbieters Paige von Tempus in den hauseigenen Aperio AI Store an.

Paige PanCancer Detect identifiziert verdächtige Bereiche über mehr als 40 Krebsarten hinweg auf Basis eines Pathologie-Foundation-Modells von Tempus. Paige Prostate wiederum umfasst eine Suite aus Erkennung, Grading, Quantifizierung und der Bewertung perineuraler Invasion in H&E-Ganzschnittbildern.

Beide Produkte sind ausdrücklich nur für Forschungszwecke bestimmt, nicht für die klinische Diagnostik. Der Aperio AI Store läuft exklusiv über die Software Aperio HALO AP in Zusammenarbeit mit Indica Labs; der US-Launch erfolgte im Oktober 2025. Leica Biosystems will die Integration auf der Pathology Visions 2026 vom 16. bis 18. Oktober in San Diego vorstellen.

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KI in der Therapieentwicklung

Auch in der Wirkstoffentwicklung gewinnt KI an Bedeutung. Das Unternehmen Turbine weitet seine Zusammenarbeit mit Daiichi Sankyo nach einem erfolgreichen Machbarkeitsprogramm zur prädiktiven Modellierung in der Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten aus.

Die vLab-Plattform von Turbine soll künftig in firmeneigenen Programmen von Daiichi Sankyo eingesetzt werden, mit dem Ziel virtueller Assays und schnellerer Datengenerierung in sogenannten „Lab-in-the-Loop“-Zyklen.

Turbine-CEO Szabolcs Nagy verwies darauf, dass virtuelle Assays einen nahezu unbegrenzten Suchraum böten und Laborversuche erheblich reduzierten. Turbine kooperierte zuvor bereits mit AstraZeneca und MSD.

Im Bereich der Zelltherapie erweitert das US-Unternehmen Creative Biolabs seine Forschungskapazitäten für CAR-T- und TCR-T-Zelltherapien um einen KI-gestützten Entwicklungsservice, der arbeitsintensives Rezeptor-Screening, Persistenz-bedingte Designeinschränkungen und Off-Target-Toxizitäten adressieren soll.

KI kommt dabei über den gesamten Workflow zum Einsatz, von der Zielstruktur- und Binder-Entdeckung über das Konstrukt-Engineering bis zur Sicherheitsprofilierung – auch dies zunächst nur für Forschungszwecke.

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Finanzierung für Präzisionsonkologie

Auch auf Finanzierungsseite zeigt sich Bewegung: Das Schweizer Unternehmen Prevision Medicine, 2024 gegründet und auf Präzisionsonkologie spezialisiert, sammelte in einer von ACE Ventures angeführten Seed-Runde 5,4 Millionen US-Dollar ein, an der sich unter anderem GoHub Ventures, SICTIC und Angel-Investoren beteiligten.

Das Kapital soll der Kommerzialisierung des funktionellen Präzisionsmedizin-Tests PrevisionOne dienen, der bei hämatologischen Malignomen und soliden Tumoren zum Einsatz kommen soll, sowie behördlichen Genehmigungen, der Erstattung durch Krankenkassen und der Expansion in Europa. Die Einzelzell-Plattform des Unternehmens wertet dabei lebende Tumorzellen gegen eine Behandlungsbibliothek aus. CEO ist Philip Zimmermann.

Einordnung

Die parallel laufenden Projekte – von der BIH-Plattform über Bildanalyse-Tools bis hin zu KI-gestützter Wirkstoffentwicklung – verdeutlichen, dass KI-Integration in der Onkologie derzeit auf mehreren Ebenen gleichzeitig voranschreitet: in der Diagnostik durch die Kombination von Bild- und Genomdaten, in der Pathologie durch spezialisierte Bilderkennungsmodelle und in der Therapieentwicklung durch virtuelle Simulationen, die Laborversuche reduzieren sollen.

Bemerkenswert ist dabei, dass ein Großteil der neuen Werkzeuge – etwa die Paige-Produkte von Leica Biosystems oder der Service von Creative Biolabs – zunächst ausschließlich für Forschungszwecke freigegeben ist. Der Weg von der Forschungsanwendung zur klinischen Zulassung bleibt damit ein entscheidender nächster Schritt, den viele der genannten Projekte erst noch vor sich haben.

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