Krebs und Ernährung: Mangelernährung verursacht 20% der Todesfälle
08.06.2026 - 23:51:17 | boerse-global.de
Experten setzen deshalb auf gezielte Ernährungsstrategien, die Heilungschancen verbessern und Nebenwirkungen lindern.
Kalorien und Eiweiß: Die Basis für starke Patienten
Prof. Dr. Lars Selig vom Universitätsklinikum Leipzig und Prof. Dr. Volkmar Nüssler empfehlen eine tägliche Energiezufuhr von 25 bis 30 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht. Besonders kritisch: die Eiweißversorgung. Sie sollte zwischen 1,0 und 1,5 Gramm pro Kilogramm liegen.
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Der Hintergrund ist ernst: Mangelernährung ist für 10 bis 20 Prozent der Todesfälle bei Krebserkrankungen verantwortlich. Kleine, häufige Mahlzeiten helfen ebenso wie eiweißreiche Lebensmittel – Eier, Joghurt, Hülsenfrüchte, Fisch. Vorsicht gilt bei Chemotherapie: rohe Lebensmittel wie Sushi oder Rohmilchkäse sind dann tabu.
Was die Leitlinie wirklich empfiehlt
Die S3-Leitlinie Komplementärmedizin gibt klare Vorgaben. Prof. Jutta Hübner vom Universitätsklinikum Jena nennt eine Soll-Empfehlung für körperliche Aktivität und regelmäßige Vitamin-D-Kontrollen. Akupunktur kann zusätzlich Nebenwirkungen lindern.
Gleichzeitig warnen Mediziner eindringlich vor „Krebsdiäten“. Sie versprechen Heilung, erhöhen aber das Risiko der Auszehrung. Eine Ernährungsumstellung allein heilt keinen Krebs. Auch Nahrungsergänzungsmittel sind riskant: Johanniskraut, Kurkuma und Grapefruit können mit onkologischen Medikamenten wechselwirken.
Gegen die bleierne Müdigkeit
Krebsbedingte Fatigue betrifft viele Patienten. Ernährungsstrategien setzen auf nährstoffdichte Mahlzeiten mit geringem Zubereitungsaufwand – „One-Pot“-Gerichte oder „Meal Prep“ sind ideal.
Bewegung wirkt ebenfalls. Die auf dem ASCO Annual Meeting 2026 vorgestellte YOCAS-Studie zeigt: Zwei wöchentliche Yoga-Einheiten à 75 Minuten über vier Wochen verbessern Schlafqualität, Angstzustände und Stimmung messbar. 410 Krebsüberlebende nahmen teil, 75 Prozent davon nach Brustkrebs.
Neue Beratungsangebote und vielversprechende Forschung
Zum 1. Juni 2026 startete am Universitären Krebszentrum Leipzig die „Onkologische Pflegeberatung am UCCL“ (OPAL). Das Team berät stationäre und ambulante Patienten zur medikamentösen Tumortherapie. Der Patientinnentag „MUT. WISSEN. LEBEN.“ am 10. Juni in Halle behandelt Themen von Immuntherapie bis Kunsttherapie.
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Die Forschung entdeckt neue Zusammenhänge zwischen Stoffwechsel und Krebsrisiko:
Omega-3-Fettsäuren senkten in einer Yale-Studie das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Mäusen um 50 Prozent. Bestimmte einfach ungesättigte Fettsäuren förderten dagegen das Tumorwachstum.
Noch spektakulärer: GLP-1-Rezeptoragonisten – bekannt als Abnehmmedikamente – senken das Risiko für 13 Krebsarten um durchschnittlich 41 Prozent. Die Analyse von 113 Millionen Patientendaten in den „Annals of Oncology“ zeigt besonders deutliche Effekte bei multiplem Myelom, Bauchspeicheldrüsen- und Endometriumkrebs (je rund 60 Prozent). Ein kausaler Zusammenhang muss allerdings noch bestätigt werden.
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