Krebs-Leitlinie: Sport wird zur Soll-Empfehlung, Vitamin D neu bewertet
08.06.2026 - 05:34:01 | boerse-global.de
Die aktualisierte S3-Leitlinie Komplementärmedizin bei Krebs hat Bewegung erstmals mit einer „Soll“-Empfehlung versehen. Sport rückt damit von einer Kann-Maßnahme zum zentralen Bestandteil der Therapie auf.
Herausgegeben unter der Leitung von Prof. Jutta Hübner von der Universitätsklinik Jena, empfiehlt die Leitlinie zudem die Messung und gezielte Substitution des Vitamin-D-Spiegels. Akupunktur darf zur Linderung von Nebenwirkungen eingesetzt werden – allerdings nur als „Kann“-Empfehlung.
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Auch die Misteltherapie bleibt eine Option. Allerdings weisen die Autoren einschränkend darauf hin: Sie ist nicht für alle Krebsarten gleichermaßen geeignet. Um Patienten vor unseriösen Angeboten zu schützen, enthält die Leitlinie jetzt eine Kriterienliste für qualifizierte Anbieter.
Fasten während der Chemotherapie: Pilotstudie liefert vielversprechende Daten
Neue Erkenntnisse zur Ernährungssteuerung präsentierten Forscher auf dem onkologischen Fachkongress ASCO 2026. Eine Pilotstudie aus Rom untersuchte Kurzzeitfasten bei 36 Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom. Die Frauen – im Schnitt 62 Jahre alt – fasteten 36 Stunden vor bis 24 Stunden nach der neoadjuvanten Chemotherapie.
Erlaubt waren maximal 350 Kilokalorien pro Tag: Wasser, Kräutertee oder Gemüsesäfte. Die Ergebnisse deuten auf ein verbessertes pathologisches Ansprechen und längeres progressionsfreies Überleben hin. Als primärer Endpunkt galt eine signifikante Insulinreduktion nach drei Behandlungszyklen.
Vorsicht vor Wechselwirkungen: Grapefruit, Kurkuma und Johanniskraut
Trotz aller positiven Effekte begleitender Maßnahmen warnt die Leitlinie explizit vor Risiken. Grapefruit ist tabu. Auch Kurkuma und Johanniskraut können die Wirksamkeit der Standardtherapie beeinflussen – Vorsicht ist geboten.
US-Onkologen empfehlen parallel eine pflanzenbasierte Ernährung: 70 bis 80 Prozent der Mahlzeiten sollten aus pflanzlichen Lebensmitteln bestehen. Die tägliche Ballaststoffzufuhr sollte mindestens 30 Gramm betragen. Dazu kommt Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche – etwa Kniebeugen.
Eine Studie im Fachjournal Life zeigt: Bereits ein vierwöchiges Pilates-Programm verbessert bei inaktiven Frauen Blutdruck, BMI und Nüchternblutzucker.
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Neue Beratungsangebote: „OPAL“ startet in Leipzig
Damit die Erkenntnisse im Alltag ankommen, entstehen neue Strukturen. Am Universitären Krebszentrum Leipzig startete Anfang Juni die spezialisierte Pflegeberatung „OPAL“. Qualifizierte Pflegekräfte unterstützen Patienten stationär und ambulant – bei Fragen zu Nebenwirkungen, Ernährung und Alltagsbewältigung.
Auch die Langzeitbetreuung von Überlebenden rückt in den Fokus. Fünf spanische Fachgesellschaften schlossen eine strategische Allianz, um die Versorgung der über 2,2 Millionen Krebsüberlebenden zu verbessern. Ziel ist ein multidisziplinäres Modell, das Krankenhäuser und Gesundheitszentren besser vernetzt – für eine gezieltere Behandlung von Spätfolgen und bessere berufliche Wiedereingliederung.
In Deutschland setzt man auf Aufklärung: Ein Aktionstag in München informierte Anfang Juni über Komplementärmedizin, Polyneuropathie-Prävention und Kopfhautkühlung. Der aktuelle Stand der unterstützenden Therapien – direkt für Betroffene.
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