Krebs-Immuntherapie: Wie Tumorzellen T-Zellen mit PRDX1 entwaffnen
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie liefert neue Erkenntnisse darüber, warum Immuntherapien bei manchen Krebserkrankungen versagen. Im Zentrum steht ein körpereigenes Antioxidans namens PRDX1, das Tumorzellen offenbar gezielt einsetzen, um T-Zellen des Immunsystems zu entwaffnen.
Ein molekularer Schutzschild
Wie wissenschaft.de zur Studie berichtete, produzieren Tumorzellen PRDX1, um freie Radikale abzufangen und dadurch T-Zellen zu deaktivieren. Medicalxpress.com beschrieb den Mechanismus ergänzend: Die Tumorzellen setzen das Antioxidans frei und entziehen den T-Zellen so die reaktiven Sauerstoffspezies, die diese für ihre Funktion benötigen.
Reaktive Sauerstoffspezies gelten normalerweise als Signalmoleküle, die Immunzellen bei der Bekämpfung von Krebszellen unterstützen. Indem Tumorzellen diese Moleküle mithilfe von PRDX1 neutralisieren, entziehen sie den T-Zellen offenbar ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen die Krebszellen.
Experimente mit CRISPR liefern Hinweise
Um die Rolle von PRDX1 genauer zu untersuchen, griffen die Forschenden laut medicalxpress.com auf die Genschere CRISPR zurück. Wurde PRDX1 in Tumorzellen gezielt ausgeschaltet, verbesserte sich die Immunantwort, und das Tumorwachstum ließ sich begrenzen.
Auch wissenschaft.de bestätigte, dass die Blockade von PRDX1 Tumoren wieder anfälliger für Immuntherapien macht. Diese Beobachtung deutet darauf hin, dass das Antioxidans ein zentraler Faktor dafür sein könnte, warum manche Tumoren gegenüber immunonkologischen Behandlungen widerstandsfähig sind.
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Mögliche Erklärung für die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln
Ein weiterer Aspekt der Studie betrifft die Einnahme von Antioxidanzien-Präparaten durch Krebspatienten. Laut medicalxpress.com könnten solche Supplemente die Wirkung von Immuntherapien schwächen, da sie denselben Mechanismus bedienen, den Tumorzellen zu ihrem eigenen Schutz nutzen.
Auch die spanische Zeitung abc.es griff diesen Punkt auf und stellte fest, dass die Studie erklären könnte, warum Vitaminpräparate die Krebsprognose bei manchen Patienten verschlechtern können.
Sollte sich dieser Zusammenhang in weiteren Untersuchungen bestätigen, hätte das relevante Implikationen für die Beratung von Krebspatienten, die während einer Behandlung häufig zu Nahrungsergänzungsmitteln mit antioxidativer Wirkung greifen.
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Bedeutung für künftige Behandlungsansätze
Die Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die komplexe Wechselwirkung zwischen Tumorzellen und dem Immunsystem. Indem Tumorzellen aktiv in den oxidativen Stoffwechsel von T-Zellen eingreifen, verschaffen sie sich offenbar einen Überlebensvorteil, der bislang wenig beachtet wurde.
Die Erkenntnis, dass eine gezielte Hemmung von PRDX1 die Wirksamkeit von Immuntherapien wiederherstellen kann, eröffnet potenziell neue Ansatzpunkte für die Krebsforschung. Ob und wie sich dieser Mechanismus therapeutisch nutzen lässt – etwa durch gezielte Wirkstoffe gegen PRDX1 – bleibt Gegenstand weiterer Forschung.
Klar wird aus der Studie aber bereits jetzt, dass die Rolle von Antioxidanzien im Kontext einer Krebstherapie differenzierter betrachtet werden muss, als es die verbreitete Annahme nahelegt, wonach solche Stoffe grundsätzlich gesundheitsfördernd wirken.
