Krebs durch Infektionen: Zwölf Erreger verursachen 2,3 Millionen Fälle
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Infektionskrankheiten spielen bei der Entstehung bösartiger Tumore eine erhebliche Rolle. Eine am 28. September 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet Oncology veröffentlichte Untersuchung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) zeigt das globale Ausmaß dieses Zusammenhangs auf: Von den rund 20 Millionen im Jahr 2024 weltweit neu aufgetretenen Krebsfällen lassen sich 2,3 Millionen auf zwölf krebserregende Erreger zurückführen. Das entspricht einem Anteil von etwa 12 Prozent oder ungefähr jedem achten Fall. Studienautorin Harriet Rumgay betonte, dass Vorbeugung und Behandlung von Infektionen wichtige Hebel für die Krebsprävention darstellen.
Vier Haupterreger dominieren das Geschehen
Den Ergebnissen der IARC zufolge gehen rund 92 Prozent aller infektionsbedingten Krebserkrankungen auf das Konto von lediglich vier Erregern. Angeführt wird die Statistik von dem Magenbakterium Helicobacter pylori, das für etwa 760.000 Fälle verantwortlich ist und vor allem Magenkrebs auslöst.
Fast gleichauf liegen Humane Papillomviren (HPV) mit 750.000 Fällen; diese Viren verursachen Krebserkrankungen unter anderem an Gebärmutterhals, Penis, Rachen und Mund. Über 90 Prozent der Gebärmutterhalskrebsfälle sind auf HPV zurückzuführen.
Dahinter folgen Hepatitis B mit 360.000 Fällen sowie das Epstein-Barr-Virus mit 260.000 Fällen. Als fünfter wesentlicher Erreger verzeichnet die IARC-Analyse das Hepatitis-C-Virus, auf das 160.000 Fälle entfallen.
Ungleiche globale Verteilung und Impflücken
Die globale Last dieser Erkrankungen ist ungleich verteilt: Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen tragen 77 Prozent der gesamten infektionsbedingten Krebslast. Besonders ausgeprägt ist das Ungleichgewicht bei HPV-bedingten Krebserkrankungen, von denen 81 Prozent auf diese Staatengruppe entfallen.
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Präventive Maßnahmen wie Impfungen bleiben dabei weltweit hinter den formulierten Zielen zurück. So erhielten im Jahr 2024 weltweit lediglich 31 Prozent der impfberechtigten Mädchen mindestens eine Impfdosis gegen HPV.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strebt hierbei eine Quote von 90 Prozent an. Einschränkend weist die IARC darauf hin, dass die zugrunde liegende Datenbasis GLOBOCAN nur rund 19 Prozent der Weltbevölkerung und lediglich 2 Prozent der Bevölkerung Afrikas abdeckt.
Situation und Verbreitung in Deutschland
Die globalen Resultate lassen sich laut der Analyse nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen, da sich die Verbreitung der Erreger und die Versorgungsstrukturen teils deutlich unterscheiden. Dennoch sind auch hierzulande relevante Teile der Bevölkerung betroffen: Zwischen 15 und 30 Prozent der Menschen in Deutschland infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit Helicobacter pylori.
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Hepatitis B und Hepatitis C betreffen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) jeweils weniger als 1 Prozent der deutschen Bevölkerung. Weit verbreitet ist hingegen das Epstein-Barr-Virus, das von über 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung getragen wird.
Da viele dieser Infektionen behandelbar oder durch Impfungen vermeidbar sind, unterstreichen die Daten das erhebliche Potenzial gezielter Präventionsmaßnahmen zur Senkung von Tumorerkrankungen.
