Krebs bei unter 50-Jährigen: WCRF-Auswertung zeigt Anstieg in drei Ländern
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Auswertung des World Cancer Research Fund (WCRF) verdeutlicht eine spürbare Zunahme von Krebserkrankungen bei unter 50-Jährigen. Die Organisation untersuchte dafür Daten aus den USA und den Niederlanden für die Jahre 2000 bis 2023 sowie aus England für den Zeitraum von 2001 bis 2023. Die Erhebungen zeigen bei mehreren Krebsarten signifikante Anstiege in diesen Altersgruppen, wenngleich Krebserkrankungen vor dem 50. Lebensjahr insgesamt weiterhin selten auftreten. In Industrieländern liegt das mediane Diagnosealter nach wie vor über 60 Jahren.
Deutliche Zuwächse in England, den USA und den Niederlanden
Die Fallzahlen stiegen den Auswertungen zufolge in England bei sieben Krebsarten, in den USA bei fünf und in den Niederlanden bei vier Erkrankungsformen.
In England vervierfachten sich die Prostatakrebsdiagnosen bei Männern unter 50 Jahren zwischen 2001 und 2023 von 158 Fällen auf 640 Fälle, was einem Ratenanstieg von 1 auf 3,6 je 100.000 entspricht.
Bei Darmkrebs kletterten die absoluten Zahlen von 1.289 auf 2.989 Fälle; die Rate stieg bei Frauen von 3,8 auf 8,3 und bei Männern von 4 auf 8,4 je 100.000. Gebärmutterkrebs bei Frauen verzeichnete einen Anstieg von 335 auf 698 Fälle (von 1,8 auf 3,9 je 100.000).
Die Nierenkrebsfälle verdoppelten sich in etwa von 510 auf 1.065 Fälle; bezogen auf 100.000 Personen stiegen die Raten bei Frauen von 1,2 auf 2,3 und bei Männern von 1,9 auf 3,6. Zudem stieg Brustkrebs bei Frauen von 6.886 auf 8.507 Fälle (Rate von 42 auf 47,5 je 100.000), Bauchspeicheldrüsenkrebs von 255 auf 346 Fälle und Leberkrebs von 160 auf 278 Fälle.
In den USA verdoppelte sich die Nierenkrebsrate zwischen 2000 und 2023 von 2,5 auf 5,3 je 100.000. Bei Darm-, Gebärmutter- und Bauchspeicheldrüsenkrebs lag die Zunahme jeweils bei über 50 Prozent, während Brustkrebs um rund 20 Prozent zulegte. Signifikante Zuwächse zeigten sich bei amerikanischen Frauen zudem bei Magen- und Leberkrebs, bei Männern ebenfalls bei Darm-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs.
In den Niederlanden stiegen die Diagnosen unter 50 Jahren bei Leberkrebs von 33 auf 67, bei Nierenkrebs von 161 auf 240 und bei Darmkrebs von 512 auf 625 Fälle.
Bei Frauen nahmen die Gebärmutterhalskrebsfälle von 349 auf 465 zu. Demgegenüber sanken die Lungenkrebsraten unter 50 Jahren in allen drei analysierten Ländern, was der WCRF mit Maßnahmen der Anti-Raucherpolitik in Verbindung bringt.
Wer sich mit dem Thema Gesundheitsvorsorge und Früherkennung befasst, sollte seine Laborwerte im Detail verstehen. Dieser kostenlose Ratgeber erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft überbewertet werden. Laborwerte-Selbstcheck: Was Ihre Blutwerte wirklich verraten
Mögliche Ursachen und Einflussfaktoren
Die genauen Ursachen für den Anstieg sind laut WCRF noch nicht abschließend geklärt, weshalb die Organisation weitere Forschung fordert. Rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen gelten als durch veränderliche Faktoren vermeidbar.
Als mögliche Einflüsse gelten Übergewicht und Adipositas, mangelnde Bewegung, Alkohol, Sonnenexposition sowie ungünstige Ernährungsmuster mit ballaststoffarmer Kost, verarbeitetem und rotem Fleisch, Fast Food und zuckerhaltigen Getränken. Auch Umweltbelastungen und Veränderungen des Darmmikrobioms werden erforscht.
Ein bewusster Umgang mit der Ernährung kann helfen, entzündliche Prozesse im Körper zu minimieren und das Wohlbefinden zu steigern. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, wie 12 Lebensmittel aus dem Supermarkt wie natürliche Schmerzmittel wirken können. 12 natürliche Entzündungs-Killer jetzt entdecken
Parallel dazu spielen eine frühere Diagnostik und ein gestiegenes Symptombewusstsein eine Rolle. Laut der Forscherin Marloes Elferink vom niederländischen Institut IKNL erklärt eine bessere Erkennung den Zuwachs jedoch nicht vollständig; Darmkrebs werde bei Jüngeren zudem relativ häufig spät entdeckt.
In den Niederlanden richtet sich das Darmkrebs-Screening seit 2014 an 55- bis 75-Jährige, wo die Diagnosen rückläufig sind. Nach Angaben des IKNL machten 18- bis 39-Jährige etwa 3,5 Prozent aller neuen Krebsfälle aus, während im Jahr 2025 insgesamt 54 Prozent der Neuerkrankungen auf Menschen ab 70 Jahren entfielen.
Breiterer Trend und wissenschaftliche Diskussion
Zahlen von Cancer Research UK zeigen, dass die Krebsinzidenzraten bei 25- bis 49-Jährigen im Vereinigten Königreich bereits zwischen den frühen 1990er-Jahren und 2019 um 24 Prozent gestiegen sind. Jährlich registriert die Organisation dort rund 48.200 neue Darmkrebsfälle, von denen rund 2.900 auf 25- bis 49-Jährige entfallen.
Chris Elliott von der Queen’s University Belfast schätzt den Anstieg von früh einsetzendem Darmkrebs in Großbritannien seit 1990 auf rund 60 Prozent. Er sieht Nitrat- und Nitritverbindungen in verarbeiteten Fleischwaren wie Speck und Schinken als Mitverursacher, die in den vergangenen zehn Jahren für mehr als 50.000 Fälle verantwortlich gewesen sein könnten, und fordert entsprechende Warnhinweise auf Verpackungen. Um gesundheitliche Einflussfaktoren weiter zu untersuchen, plant das Vorhaben Prospect-UK die Rekrutierung von 250.000 Erwachsenen.
Differenzierte Effekte zeigen sich auch im internationalen Vergleich: In der Schweiz werden 73 Prozent des Anstiegs bei jungen Krebspatienten durch Bevölkerungswachstum und Alterung erklärt, während sich die alters- und bevölkerungsbereinigten Krebssterberaten etwa halbiert haben.
