Kreatin, Kolitis

Kreatin und Kolitis: Hippocampus-Spiegel bei Ratten um 20–30 Prozent höher

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Ratten ging eine vorbeugende Kreatingabe mit weniger Hippocampusentzündung und begrenzten Nervenschäden einher; ein Nutzen für Menschen ist unbewiesen.
Mikroskopische Aufnahme von Nervenzellstrukturen im Hippocampus, die die komplexe Architektur des zentralen Nervensystems zeigt. Illustration mit AI erstellt.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen betreffen nicht nur den Gastrointestinaltrakt, sondern können über die Darm-Hirn-Achse auch neurologische Prozesse beeinträchtigen.

Eine im Fachjournal Brain, Behavior, and Immunity im Jahr 2026 publizierte tierexperimentelle Untersuchung der spanischen Universität Sevilla liefert neue Einblicke in potenzielle Schutzmechanismen. Den Ergebnissen der Wissenschaftler zufolge kann die präventive Gabe von Kreatin Entzündungsprozesse im Hippocampus verringern und Schädigungen von Nervenzellen abmildern.

Reduktion von Entzündungen und strukturellen Schäden

Im Rahmen der Forschungsarbeit untersuchten die Wissenschaftsteams der Universität Sevilla, wie sich eine kontinuierliche Kreatin-Gabe auf den Verlauf chronischer Entzündungen auswirkt. Die Forscher verabreichten den Tieren täglich eine Dosis von 1 g/kg Körpergewicht.

Diese Supplementierung begann zehn Tage vor der eigentlichen Induktion der Darmentzündung. Die chronische Kolitis wurde bei den Ratten anschließend über das Trinkwasser ausgelöst, dem Dextransulfat-Natrium in drei jeweils einwöchigen Zyklen beigemischt wurde.

Die Analysen zeigten messbare Effekte auf das zentrale Nervensystem: Bei den mit Kreatin behandelten Tieren fiel die Entzündung im Hippocampus geringer aus, zudem blieben Neuronenschäden begrenzt. Gleichzeitig lag der Kreatin-Spiegel im Hippocampus der behandelten Kolitis-Ratten um 20-30% höher als bei den Tieren der unbehandelten Kolitis-Gruppe. Das gemessene Niveau entsprach damit den Werten gesunder Kontrolltiere.

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Deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Die Studie offenbarte signifikante geschlechtsspezifische Divergenzen bei den beobachteten Schäden und den protektiven Effekten. Bei unbehandelten männlichen Ratten führte die Darmentzündung zu einem messbaren Verlust von Neuronen in der CA1-Region des Hippocampus. Zudem sank der Membranwiderstand der Nervenzellen, während der minimale Strom, der zur Auslösung eines Nervenimpulses erforderlich war, um +60% anstieg.

Bei weiblichen Tieren stellte sich das Bild anders dar: Hier blieb die Gewebestruktur weitgehend erhalten, und es zeigten sich kaum Veränderungen der elektrischen Zelleigenschaften. Insgesamt fielen die krankheitsbedingten Effekte und Funktionseinschränkungen bei männlichen Ratten deutlich stärker aus als bei weiblichen.

An der Durchführung und Leitung der Forschungsreihen an der Universität Sevilla waren Arbeitsgruppen um Maria José Peral, Pablo García-Mirape und Livia Carrascal sowie um Alejandro Ruiz-Calero und Maria Ortego-Domínguez beteiligt.

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Grenzen der Übertragbarkeit auf den Menschen

Trotz der festgestellten neuroprotektiven Effekte mahnen die Autoren zur Zurückhaltung bei der Interpretation der Daten. Die dokumentierte Schutzwirkung beruht ausschließlich auf präklinischen Befunden aus Tierversuchen und ist für den Menschen bislang nicht belegt.

Zudem unterscheidet sich die Dosierung signifikant vom physiologischen Alltag: Während in den Versuchen verhältnismäßig hohe Mengen verabreicht wurden, beläuft sich die gewöhnliche Aufnahme über die menschliche Ernährung auf lediglich etwa 1-2 g Kreatin am Tag.

Ob und in welcher Form eine Nahrungsergänzung mit Kreatin bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen neurologische Begleiterscheinungen dämpfen kann, muss daher in weiteren klinischen Studien geklärt werden.

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