Kreatin bei Depression: Neue Studie belegt Wirksamkeit für Frauen
Veröffentlicht am: 06.07.2026 um 03:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Jetzt zeigt eine Studie: Bei manchen Depressionen kann die Einnahme helfen – aber nicht bei allen Patienten.
Systematische Analyse zur Wirksamkeit
Eine im Juli 2026 im Fachjournal Brain Medicine veröffentlichte Übersichtsarbeit untersuchte Kreatin als ergänzende Therapie bei Depressionen. Die Analyse umfasste fünf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 238 Teilnehmenden. Das Durchschnittsalter lag bei 36 Jahren, ein Großteil der Probanden war weiblich.
Die tägliche Einnahme von 5 Gramm Kreatin in Kombination mit Antidepressiva wie Escitalopram oder einer kognitiven Verhaltenstherapie führte bei erwachsenen Frauen mit schwerer depressiver Störung zu einer signifikanten Symptomreduktion. Die Effektstärke lag bei Cohen's d = 1,13 – ein ungewöhnlich hoher Wert.
Doch die Ergebnisse gelten nicht für alle. Bei therapieresistenten Patienten, jugendlichen Mädchen und Personen mit bipolarer Depression blieb der klinische Vorteil aus. Besondere Vorsicht ist bei bipolaren Störungen geboten: Zwei Teilnehmende entwickelten während der Studien eine Manie. Die Untersuchungen fanden unter anderem in Südkorea, den USA, Brasilien, Israel und Indien statt.
Entwarnung beim Haarausfall-Mythos
Viele zögern bei Kreatin wegen befürchteter Nebenwirkungen wie Haarausfall. Eine Studie aus dem Jahr 2025 im Journal of the International Society of Sports Nutrition räumt mit diesem Mythos auf.
Die Forscher untersuchten 45 Männer über zwölf Wochen. Ergebnis: Keine signifikanten Unterschiede bei den DHT-Spiegeln oder im Verhältnis von DHT zu Testosteron zwischen der Kreatin- und der Placebogruppe. Auch Auswirkungen auf das Haarwachstum ließen sich nicht nachweisen.
Bewegung schlägt manchmal die Couch
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Neben Supplementen rücken andere nicht-psychologische Ansätze in den Fokus. Ein Cochrane Review aus dem Jahr 2026 wertete 73 Studien mit rund 5.000 Patienten aus. Demnach kann moderate Bewegung – zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen – depressive Symptome ähnlich stark lindern wie eine klassische Psychotherapie.
Eine Untersuchung des King's College London mit über 12.000 Teilnehmenden aus 30 Ländern zeigte zudem: Yoga, Massagen, Lichttherapie und Omega-3-Supplemente helfen bei Schwangerschaftsdepressionen vergleichbar gut wie Gesprächstherapien.
Und die Universität Regensburg forscht an der intensivierten repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS). Diese Methode zur präzisen Stimulation des Frontalhirns wird seit 2022 in deutschen Leitlinien für therapieresistente Depressionen empfohlen.
Versorgungslücken und KI-Trends
Trotz nachgewiesener Wirksamkeit bleibt der Zugang zu Behandlungen oft schwierig. Internationale Daten zeigen: Besonders ältere Menschen erhalten seltener eine Psychotherapie. Gründe sind Fachkräftemangel, eingeschränkte Mobilität und Stigmatisierung.
In Singapur gaben 77 Prozent der Erwachsenen mit Angststörungen oder Depressionen an, noch nie formelle psychische Hilfe gesucht zu haben.
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Gleichzeitig steigt das Interesse an niederschwelligen Angeboten. Laut einer Studie im Journal of Affective Disorders nutzen bereits 18 Prozent der US-College-Studierenden KI wie ChatGPT für ihre psychische Gesundheit. Auch an Schweizer Universitäten in Bern, Basel und St. Gallen zeigt sich dieser Trend. Beratungsstellen warnen jedoch: KI-Modelle können zur ersten Orientierung dienen, ersetzen aber keine professionelle Diagnose oder Therapie.
Peer-Support gewinnt ebenfalls an Bedeutung. In Singapur äußerten 62 Prozent der Betroffenen Interesse an Unterstützung durch Gleichgesinnte.
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