Kratos-Plattform zerschlagen: 1.800 Cyberkriminelle nutzten Baukasten
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 23:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Landgericht Münster hat am heutigen Montag den Prozess gegen sechs mutmaßliche Mitglieder einer professionellen Phishing-Bande eröffnet. Die Männer aus Gelsenkirchen, Essen und Recklinghausen sollen Bankkunden systematisch um mehr als 180.000 Euro gebracht haben.
Per SMS, E-Mail und falschem Anruf in die Falle gelockt
Die Anklage wirft den Beschuldigten im Alter von 19 bis 61 Jahren gewerbsmäßigen Bandenbetrug und Geldwäsche vor. Ihre Masche war ausgeklügelt: Zunächst verschickten sie täuschend echte SMS und E-Mails, die Kunden der Volksbank auf eine gefälschte Banking-Seite lockten. Die Betrugsmasche erstreckte sich über mehrere Bundesländer – von Nordrhein-Westfalen über Hamburg bis nach Bayern.
Doch damit nicht genug: Nachdem die Opfer ihre Zugangsdaten preisgegeben hatten, klingelte das Telefon. Die Täter gaben sich als Bankberater aus. Mit einer Technik namens Call-ID-Spoofing sorgten sie dafür, dass die echte Banknummer im Display erschien. So erschlichen sie sich die Transaktionsnummern (TANs) der Geschädigten.
Mit diesen Codes eröffneten die Betrüger parallele Online-Konten und kauften Luxusgüter auf Kosten ihrer Opfer. Die Schadenssummen pro Geschädigtem? Zwischen 1.000 und 60.000 Euro.
Bargeld versteckt: 90.000 Euro unterm Bett
Bei Durchsuchungen der Wohnungen wurden die Ermittler fündig: 90.000 Euro lagen versteckt neben einem Bett, weitere 5.000 Euro unter einem Küchenherd. Drei der Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Der Prozess ist bis September angesetzt.
Internationaler Schlag gegen Phishing-Plattform „Kratos"
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Parallel zum Verfahren in Münster gelang deutschen und US-amerikanischen Ermittlern ein weiterer Coup: Sie zerschlugen die Infrastruktur von „Kratos", einer bekannten Phishing-as-a-Service-Plattform. Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) meldeten die Neutralisierung des Systems am heutigen Montag.
Die Plattform funktionierte wie ein Baukasten für Cyberkriminelle. Rund 1.800 „Franchisenehmer" nutzten Kratos, um täuschend echte Microsoft-Anmeldeseiten zu erstellen. Auf dem Höhepunkt ihrer Aktivität ermöglichte die Plattform monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen – mit hunderttausenden Opfern in über 30 Ländern. Seit dem Start 2024 soll Kratos mehr als 300.000 Euro Umsatz generiert haben.
Mehr als 200 Server wurden im Zuge der Operation vom Netz genommen. Der Entwickler der Software konnte offenbar in Indonesien festgenommen werden.
Weltweite Erfolge gegen Cyberkriminalität
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Auch international gibt es Erfolgsmeldungen: In den USA erhoben die Behörden Anklage gegen drei russische Staatsbürger – Alexander Volosovik, Kirill Zatolokin und Yulia Pankova. Sie sollen die Server-Infrastruktur für diverse Ransomware- und Phishing-Gruppen bereitgestellt haben. Die unter Namen wie Media Land und ML.Cloud betriebene Infrastruktur wird mit Schäden von über 62 Millionen US-Dollar in Verbindung gebracht. Die Anklage war bereits im Dezember 2024 eingereicht, aber bis Juli 2026 versiegelt geblieben.
In Indien nahm die Polizei einen 18-jährigen Entwickler fest, der 121 gefälschte Banking-Apps für kriminelle Banden programmiert haben soll. Die Apps wurden auf mehr als 21.000 Geräten installiert. Der Schaden wird auf umgerechnet rund 7,2 Millionen Euro geschätzt.
Die Polizei im australischen Queensland schlug derweil Alarm: Allein zwischen dem 3. und 7. Juli 2026 erbeuteten Betrüger umgerechnet rund 880.000 Euro – mit einer neuen Masche. Sie verschickten physische Briefe an Kryptowährungs-Nutzer, die bösartige QR-Codes enthielten. Wer den Code scannte, gab den Zugriff auf sein digitales Wallet frei.
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